Architektur

„Das Gebäude soll überwältigend schön sein“

Springer-Vorstand Mathias Döpfner lädt Architekten zum Wettbewerb für den neuen „Medien Campus“ ein

Als Axel Springer sein Verlagsgebäude 1966 direkt an der Berliner Mauer in Kreuzberg eröffnete, hielten viele die Entscheidung, ausgerechnet an dieser unwirtlichen Stelle den Hauptsitz des Verlags anzusiedeln, schlicht für verrückt. Nach dem Fall der Mauer setzte jedoch an der einstigen Nahtstelle zwischen Ost und West ein beispielloser Baumboom ein. Eine Dynamik, die auch knapp 24 Jahre nach der Wiedervereinigung noch ungebrochen ist. Inzwischen werden auf dem ehemaligen Todesstreifen zwischen den Bezirken Kreuzberg und Mitte die letzten Lücken geschlossen. Und auch die Axel Springer AG, die ihre Zentrale bereits 1994 um einen um 90 Grad versetzten zweiten Hochhausflügel und im Jahr 2004 um die Axel-Springer-Passage erweiterte, wird wieder bauen. „Wir planen ein digitales Medienzentrum, das in seiner Architektur und seiner Konzeption radikal anders sein soll als unser altes Verlagshaus“, formulierte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, seine Erwartungen an die zum Wettbewerb geladenen Architekten.

3500 Arbeitsplätze sind geplant

Insgesamt 22 Büros waren am Montag eingeladen, um für den „Axel Springer Medien Campus“, so der Arbeitstitel des Bauvorhabens, Vorschläge zu erarbeiten. Das Baugrundstück befindet sich direkt neben dem alten Verlagsgebäude auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Lindenpark-Areal zwischen Axel-Springer-, Jerusalemer, Schützen- und Zimmerstraße und soll Platz vor allem für die digitalen Angebote des Unternehmens bieten. Rund 3500 Arbeitsplätze sollen in dem Komplex entstehen.

„Das Gebäude soll nicht nur überwältigend schön sein, sondern auch der Frage nachgehen: Was bedeutet Materie in einer entmaterialisierten Medienökonomie, was bedeutet ein Büro in einer mobilen Arbeitswelt, die Büros eigentlich nicht mehr braucht? Das Projekt kann eine Schlüsselrolle für die digitale Transformation unseres Unternehmens einnehmen, indem es die bisher in der Peripherie angesiedelten digitalen Tochterunternehmen ins Zentrum des Unternehmens rückt und mit den traditionellen Marken des Hauses vernetzt,“ so Mathias Döpfner bei der Vorstellung des Projekts.

In der ersten Phase des Wettbewerbs gehe es zunächst darum, die besten Ideen auszuwählen, so Döpfner weiter. Die Architekten, die zur Präsentation der Wettbewerbsaufgabe in den Journalisten-Club in die 19.Etage des Verlagshauses gekommen waren, forderte er auf, den bestehenden Bebauungsplan, den das Land Berlin im Jahr 2000 festgesetzt hatte, „am besten nicht zu beachten“. Er sei sich sicher, so der Verlagschef, dass die dort ausgewiesene Höhe – die klassische Berliner Traufhöhe von 22 Metern – sowie auch die Ausrichtung und Größe des Baukörpers auf dem Grundstück verhandelbar seien. Zu den Juroren des Wettbewerbs zählen neben Döpfner und Friede Springer unter anderem die Senatsbaudirektorin von Berlin, Regula Lüscher, sowie der Baustadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU).

Die Wettbewerbsaufgabe indes hat es in sich: „Ich erwarte ein Gebäude, wie ich es noch nicht gesehen habe“, sagte Döpfner. Es solle so avantgardistisch sein, dass nicht nur Passanten vor Staunen der Mund offen stehe, sondern vor allem auch diejenigen angelockt werden, die Döpfner in diesem Haus versammeln will: „Die Digital Natives, die mit der Computer-Technologie aufgewachsen sind, sollen uns Digital Immigrants, die diese Technologien erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben, mit ihrer Kultur, ihren Ideen und ihrer Arbeitsweise inspirieren.“ Schon heute, erläuterte Döpfner, resultierten 60 Prozent des Umsatzes und 47 Prozent des Firmengewinns aus dem digitalen Geschäft.

Bauten in der Nachbarschaft

Acht Wochen haben die Teilnehmer nun Zeit, ihre Ideen auszuarbeiten. Im September sollen dann die besten drei bis fünf Entwürfe ausgewählt und deren Verfasser aufgefordert werden, diese zu konkretisieren. Im Dezember dieses Jahres soll dann der Siegerentwurf ausgewählt und verkündet werden. In einer öffentlichen Ausstellung sollen zudem die Arbeiten aller Teilnehmer präsentiert werden.

Auch in der unmittelbarer Nachbarschaft zum Verlagsgebäude wird derzeit kräftig gebaut. Bagger haben zwei marode Plattenbauschulen an der Schützen-, Markgrafen-, Krausenstraße abgeräumt, um Platz zu schaffen für das Markgrafenkarree. Das Areal, das der Berliner Liegenschaftsfonds vor 18 Monaten an den Frankfurter Projektentwickler Goldstein verkauft hat, soll in den kommenden zwei Jahren mit 365 Mietwohnungen bebaut werden. 80 Millionen Euro will der Projektentwickler in das Bauvorhaben investieren.

Vis-à-vis dem geplanten Medien Campus werden derzeit die einstmals prächtigen Krausenhöfe zwischen Krausen- und Schützenstraße komplett entkernt. In den 20er-Jahren diente das 1910 errichtete Gebäude als Zentrale der Universum Film AG (Ufa), zu DDR-Zeiten dann der Defa, gefolgt von der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR. Mehr als zehn Jahre standen die Gewerbehöfe jedoch leer, der Zustand war entsprechend ruinös. Anfang des Jahres hat die Berliner Klingsöhr-Unternehmensgruppe mit der Sanierung des imposanten Baudenkmals begonnen. Die Fertigstellung soll im März 2014 erfolgen. Im Auftrag des Eigentümers, einer britischen Familie, sollen im Haus für rund 28 Millionen Euro moderne Bürolofts im historischen Gewand entstehen. Zudem entwickelt Klingsöhr zusammen mit den Eigentümern auf dem Nachbargrundstück einen Neubau. Dort werden 75 Eigentumswohnungen entstehen.

Bereits 2012 feierte die Berliner Groth-Gruppe südöstlich des Spittelmarkts Richtfest für die Beuth-Höfe. Zusammen mit vier anderen Bauträgern errichtet Klaus Groth mit anderen Firmen in dem Quartier rund 850 Wohnungen. Allein die Groth-Gruppe investiert rund 80 Millionen Euro in den Bau von 240 Miet- und Eigentumswohnungen.