Unternehmen

Möbelhaus an der Avus gestoppt

Kurt Krieger gibt Pläne für Höffner-Haus in Charlottenburg-Wilmersdorf auf. Er konzentriert sich auf das Projekt „Pankower Tor“

Unternehmer Kurt Krieger, der auf dem stillgelegten Güterbahnhof Grunewald, zwischen Avus und dem Halensee, ein großes Möbelzentrum für rund 75 Millionen Euro bauen wollte, hat sich von dem Projekt zurückgezogen. „Wir werden unser Grundstück einebnen. Es müssen noch zwei alte Häuser auf dem Golfplatz abgerissen werden. Das wird im Frühjahr 2014 erfolgen. Dann zäunen wir das Gelände ein und warten ab, was wir dort irgendwann einmal bauen können“, sagte er. Seine Tochter, für die er auf dem Areal einen Ersatzstandort möglichst mit Autobahnanschluss für das Weddinger Höffner-Stammhaus errichten wollte, sei schließlich erst 34 Jahre alt.

Krieger, der im April 65 Jahre alt wurde, hatte in Wedding im Alter von 20Jahren gleich nach dem Abitur seinen ersten Möbelmarkt eröffnet. 1967 hat er die Namensrechte der Höffner-Möbelhäuser gekauft und die Firma deutschlandweit ausgebaut. Die Geschichte von Höffner geht aber noch weiter zurück: Rudolph Höffner hatte das 1874 gegründete Unternehmen bis zum Zweiten Weltkrieg zu Berlins größtem Möbelhaus ausgebaut. Nach der Teilung wurde es dann zunächst nicht weitergeführt. Heute rangiert Kriegers Firmengruppe mit den Häusern Höffner, Walther, Kraft und Krieger auf Rang zwei der deutschen Einrichtungshäuser – gleich nach der schwedischen Einrichtungskette Ikea. Kriegers Vermögen wird auf 600 Millionen Euro geschätzt.

Das geplante Bauvorhaben an der Avus wurde nicht nur von der Bürgerinitiative „Zwischen den Gleisen“ kategorisch abgelehnt, weil sie die Stadtbrache mit den alten Backsteingebäuden und der wilden Natur erhalten will.

Gegenwind statt Baurecht

Auch vom Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kam statt Baurecht Gegenwind. Baustadtrat Marc Schulte (SPD) bestätigte am Freitag, dass dort „auf gar keinen Fall ein Möbelhaus hin soll“. Das Vorhaben, das Krüger mal als „Riesenansammlung von Ruinen“, aus der er etwas Neues schaffen wolle, bezeichnet hatte, passe nicht zum Berliner Einzelhandelskonzept. Und da der Investor ausschließlich die Möbelidee verfolge, „kommen wir an dieser Stelle nicht zusammen“, so Schulte weiter. Gekauft hatte Krieger das Gelände Anfang 2010.

Umso intensiver will sich Krieger jetzt seinem Pankower Projekt widmen. „Das ist eine wirkliche Herzensangelegenheit“, versichert er. Krieger fühlt sich Pankow auch familiär verbunden, weil seine Großeltern dort wohnten und er bis zum Alter von zehn Jahren dort aufwuchs. „Pankower Tor“ heißt Kriegers Vorhaben auf dem alten Rangierbahnhof gleich gegenüber der S- und U-Bahn. Die Brache zwischen Prenzlauer Promenade und Berliner Straße hat er bereits gekauft. Krieger will dort auf dem 40 Hektar großen Gelände ein neues Stadtquartier entstehen lassen. Es geht dort inzwischen um eine Investition in Höhe von 500 Millionen Euro. Doch auch für das Großprojekt auf dem Pankower Güterbahnhof gibt es Abstimmungsbedarf.

In einem nicht öffentlichen Werkstattverfahren mit regelmäßigen Treffen erörtern die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Bezirk und der Investor das Projekt. Zwei Möbelhäuser, ein Höffner und ein Sconto, mit 40.000 und 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche, die auch für Kunden aus dem Umland gut erreichbar sind, sind unstrittig. Ebenso die 600 geplanten Wohnungen und der neue große Stadtplatz. Die Bezirksverordneten begrüßen das Projekt als Chance für die städtebauliche Entwicklung Pankows, fürchten allerdings auch, dass die Auswirkungen auf den Verkehr schwierig werden könnten. Was noch Probleme bereitet, ist das Einkaufszentrum mit rund 30.000 Quadratmetern. Hier soll ein vom Senat beauftragtes Einzelhandelsgutachten, das jetzt vorliegt, demnächst besprochen werden. Die nächste Werkstattrunde ist für den 13. Juni geplant.

Verkehrsprobleme befürchtet

Weil das Einzelhandelsgutachten von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch nicht abgenommen ist, musste die eigentlich für den 13. Mai geplante große Anwohner-Information verschoben werden. Das Einzelhandelsgutachten soll Klarheit darüber bringen, wie sich das Einkaufszentrum auf Center in der Nachbarschaft auswirken könnte. Es dürfen keine Umsätze von woanders abgezogen werden. Das Gutachten dient zudem als Basis für das noch zu erstellende Verkehrsgutachten. Auch dieser Punkt ist heikel. Immerhin werden durch den Bau des neuen Einkaufszentrums 36.000 zusätzliche Fahrzeuge pro Tag erwartet.

Krieger ist dennoch optimistisch, dass er sein letztes berufliches Großprojekt erfolgreich beenden kann. Sein Ruf, schwierige Planungsprozesse über viele Jahre durchzustehen, eilt ihm voraus. In Hamburg dauerte es fast 17 Jahre, bis er dort zuletzt sein neues Möbelgeschäft eröffnete. Das Areal in Grunewald wird auch nicht verkauft, sondern eben nur eingezäunt.