Fußball

Wir sind Champions League

Fanmeile zum deutsch-deutschen Finale, 2015 ist das Endspiel in Berlin

Wie viel Häme musste der Berliner in den letzten Jahren ertragen. „Ihr könnt alles, außer Flughafen, S-Bahn und 1.Bundesliga“, war einer der boshaften Sprüche, die sich Hauptstädter landauf, landab anhören mussten. Doch nun hat der Hauptstadtverein Hertha BSC nicht nur in kürzester Zeit die Rückkehr ins fußballerische Oberhaus geschafft. Herthas angestammte Spielstätte, das Olympiastadion, wurde jetzt von den Granden der Uefa sogar auserwählt, Spielort für das Champions-League-Finale 2015 zu sein. Eines der weltweit größten und populärsten Sportereignisse in Berlin – welch Balsam auf die geschundenen Seelen der Hauptstädter.

Groß ist die Freude über die Entscheidung der Uefa-Exekutive bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), dessen Renommee wegen des Debakels am BER-Flughafen stark gelitten hat. Er wertete die Vergabe als „starkes Signal für die Sportmetropole Berlin“. „Natürlich hoffen die Berlinerinnen und Berliner, dass 2015 im Olympiastadion erneut eine deutsche Mannschaft im Finale der europäischen Champions vertreten sein wird“, sagte Wowereit in Anspielung auf das Finale am Sonnabend in London zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, das auf einer Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule verfolgt werden kann.

Berlins Sportsenator Frank Henkel (CDU) bezeichnete die Uefa-Entscheidung als „große Auszeichnung“ für die Sportstadt Berlin. Mit dem Olympiastadion verfüge Berlin über eine Spielstätte, die höchsten internationalen Ansprüchen genüge. „Bei der WM 2006 hat das Stadion seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Nicht von ungefähr wird es in der Fifa-Kategorie mit der Bestnote bewertet“, sagte Henkel. Er sei sicher, dass auch die sportbegeisterten Berliner sich auf dieses Megaevent freuen und für die vielen in- und ausländischen Gäste gute Gastgeber sein werden. Die Tourismusgesellschaft Visit Berlin rechnet mit zwei Millionen Besuchern rund um das Spiel – voraussichtlich am 6. Juni 2015 – und 100 Millionen Fernsehzuschauern.

„Das ist eine tolle Auszeichnung für das Stadion und Berlin“, freute sich auch Joachim E. Thomas, Geschäftsführer der Olympiastadion Berlin GmbH. Das Stadion biete eine weltweit einzigartige Verbindung zwischen einem historischen Bau und einer multifunktionalen Veranstaltungsstätte. Bereits in den nächsten Wochen wollen die Stadionchefs sich mit den Uefa-Vertretern zu ersten Absprachen treffen. „Der Umfang der Vorbereitungen ist vergleichbar mit denen für das WM-Finale 2006“, so Thomas.

Fünf Bildwände aufgebaut

Der Deutsche Fußball-Bund kam mit seiner Bewerbung für das Champions-League-Finale 2015 bei der Uefa offenbar gut an. „Berlin war weit vorne. Die anderen kamen dahinter“, sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino, wollte aber weder Namen noch Anzahl anderer Kandidaten nennen. Offenbar hielt sich das Interesse anderer Metropolen in Grenzen. „Es kommen für dieses große und tolle Event nicht viele Städte infrage. Es war mehr oder weniger eine automatische Wahl“, sagte Infantino.

In der internationalen Wahrnehmung spielten die Probleme Berlins, etwa das Debakel um den Hauptstadtflughafen, keine Rolle, sagte der Geschäftsführer von Visit Berlin, Burkhard Kieker. In Deutschland gebe es eine gewisse „föderale Häme“, weltweit traue man Berlin solche Großereignisse zu. „Berlin ist längst in die Champions League der großen Städte aufgestiegen“, sagte Kieker. Man dürfe sich mit den eigenen Problemen nicht so ernst nehmen.

Zunächst aber können sich die Fußball-Anhänger in Berlin auf das Ereignis am Sonnabend freuen. Zwar treten die beiden deutschen Teams im englischen Wembley-Stadion an. Doch mitten in Berlin werden Tausende mitfiebern und feiern. Die Bühne am Brandenburger Tor ist schon gebaut, die Straße des 17. Juni abgesperrt. Alle Behörden haben die Genehmigung erteilt. Am Sonnabend, zwölf Uhr, öffnen sich die Eingänge zur Fanmeile für das Endspiel der Champions League. Das Programm auf der Bühne beginnt um 13 Uhr, die ersten Bands treten ab 16 Uhr auf. Mit mehr als 100.000 Besuchern rechnet Veranstalter Rainer Wohlthat, obwohl die Meteorologen kühle Temperaturen angesagt haben. Regenschutz werde es nicht geben, die Besucher sollten sich auf das Wetter einstellen. „Die Sicht auf das Spiel soll von allen Plätzen aus möglich sein.“

Fünf Bildwände werden aufgebaut, die größte steht am Brandenburger Tor, dort wird die ZDF-Übertragung zu sehen sein. Die Hymnen beider Mannschaften werden gespielt. Zwei Fan-Duschen gibt es, in denen man sich mit rotem oder gelbem Pulver aus Maismehl bestäuben lassen kann.

„Wir setzen auf die Mischung aus Fußball, Party, Spielen und Unterhaltung“, sagte Wohlthat. Deshalb rechne er damit, dass nicht nur Anhänger beider Fußball-Klubs zur Fanmeile kommen, sondern auch Familien aus Berlin und Touristen. Dennoch gebe es ein Sicherheitskonzept, das mit der Polizei und dem Bezirksamt Mitte abgestimmt sei (siehe rechte Spalte). Die Fanmeile ist am 25. Mai bis eine halbe Stunde nach der Pokal-Verleihung geöffnet.