Prozess

Verteidiger kritisiert Tina K.

Fortsetzung im Prozess gegen Alex-Schläger. Mühsame Beweisaufnahme

Tag zwei im Prozess um den Fall Jonny K. Das Interesse von Medien und Öffentlichkeit ist ungebrochen, die Schlangen der Wartenden am Eingang des Gerichtsgebäudes sind immer noch lang. Spannend wurde es für die vielen Prozessbeobachter am Donnerstag dann, wenn es nicht direkt um die brutale Gewalttat vom Oktober 2012 ging, bei der der 20-Jährige zu Tode geprügelt wurde. Das zeigte sich bereits zu Beginn des Verhandlungstages beim Antrag eines Verteidigers, der den weiteren Prozess am liebsten ohne den Anwalt von Nebenklägerin Tina K., der Schwester von Jonny K., führen würde und forderte, das Gericht möge den Nebenklagevertreter von seiner Funktion entbinden.

Zwei Dinge sind es, die dem Antragsteller offenbar missfallen. Da ist zum einen die große Medienpräsenz von Tina K., die – so der Vorwurf des Verteidigers – bereits während des laufenden Verfahrens unentwegt Wertungen und Einschätzungen vornehme. Und da ist die für alle Verteidiger bedenklich anmutende Doppelfunktion von Tina K.’s Anwalt Roland Weber. Der Nebenklagevertreter ist als Rechtsanwalt tätig und zugleich offizieller Opferschutzbeauftragter des Berliner Senats, in dieser Funktion Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) direkt unterstellt.

„Wessen Interessen vertreten Sie in diesem Verfahren eigentlich, die ihrer Mandantin oder die des Justizsenators?“, wollte ein Verteidiger von Weber wissen. Eine direkte Antwort blieb dem Nebenklagevertreter zunächst erspart. Der Vorsitzende Thomas Schwenckendiek entschied, Weber müsse sich am nächsten Verhandlungstag zu dem Antrag äußern. Der erfahrende Richter führt die Verhandlung jovial im Ton, aber konsequent in der Sache.

Tina K., wie immer im Mittelpunkt des Interesses, nahm den Vorwurf des Verteidigers, sie betreibe eine Medienkampagne gegen die Angeklagten, äußerlich gelassen auf. Der Anwalt verwies auf Interviews und Fernsehauftritte der jungen Frau. Tina K. mache bei ihren Auftritten deutlich, dass ihr an einer Aussöhnung nicht gelegen sei, behauptete der Verteidiger. Rückendeckung erhielt sie vom Vertreter der Staatsanwaltschaft und von anderen Verteidigern. Ihr Verhalten sei legitim und in ihrer Situation verständlich, hieß es danach übereinstimmend.

Doch auch in der Sache wurde schließlich verhandelt. Die Sache, dass ist das Geschehen vom 14. Oktober 2012, bei dem Jonny K. am Alexanderplatz zu Tode geschlagen und getreten wurde. Alle sechs Angeklagten waren dabei, jeder räumt ein, selbst ein oder mehrmals zugeschlagen zu haben. Aber alle sechs bestreiten, für den Tod des Opfers verantwortlich zu sein.

Mit der Befragung hat die Beweisaufnahme begonnen. Jede Angabe eines Angeklagten wurde von den Verteidigern der Mitangeklagten bis ins Detail hinterfragt. Wer hat wo und in welcher Entfernung zum Tatgeschehen gestanden, jeder Meter ist entscheidend. Ein Anwalt wollte die Kleiderfrage besonders genau abhandeln. Dass ein Angeklagter erklärte, er habe zur Tatzeit eine beigefarbene Jacke getragen, reichte bei weitem nicht. War es ein helles oder dunkles oder doch eher ein leuchtendes Beige, wollte ein Verteidiger wissen. Solche Fragen und Antworten sind für manchen Prozessbeobachter ermüdend, sie sind aber auch nüchterner juristischer Alltag. Der findet am Montag seine Fortsetzung.