Arbeitskampf

Tierpfleger fordern 6,7 Prozent mehr

Zum ersten Mal kommt es in Zoo und Tierpark zum Streik

Die Friedenspflicht ist vorbei. Klein anfangen und dann langsam steigern – so lautet die Devise für den ersten Streik im Zoo seit seiner Eröffnung 1844. Der in der vergangenen Woche beschlossene Arbeitskampf in Zoo und Tierpark, der vier Stunden dauern kann, soll noch im Mai stattfinden, erklärte Ver.di-Verhandlungsführer Jürgen Stahl. Der Termin werde am Vorabend des Streiktages bekannt gegeben.

Gabriele Thöne, kaufmännische Geschäftsführerin von Zoo und Tierpark, zeigte sich betroffen. „Ich hoffe nicht, dass die Eingänge verbarrikadiert werden.“ Sperren sind jedoch unwahrscheinlich. Denn die Gewerkschaft sieht die Besucher und die Öffentlichkeit als ihre wichtigsten Verbündeten. „Wir müssen aufklären über unsere Forderungen und zeigen, dass der Zoo nichts wäre ohne die Tierpfleger, die Handwerker und die Leute, die den Garten pflegen“, sagte Stahl.

Vermutlich wird es vor dem Zoo, auf dem stark frequentierten Hardenbergplatz, zu einer Kundgebung kommen. Vorstellbar ist auch, dass Streikende Infoblätter an Passanten und Zoo-Besucher verteilen. Dass die Tiere weiterhin versorgt werden, ist auch sichergestellt. Die Tierpfleger haben bereits ausgeschlossen, ihre Schützlinge zu vernachlässigen. „Wir füttern unsere Tiere nach wie vor und machen auch sauber“, sagte ein Zoo-Angestellter. Ver.di-Verhandlungsführer Stahl geht es darum, „der Führung zu signalisieren, dass wir zum Streik bereit sind und das auch längerfristig durchhalten“.

Die Arbeitgeber müssten nun den nächsten Schritt machen. Ein neues Angebot hat sie nicht – aber anrufen wird Gabriele Thöne bei Stahl. „Ich muss von offizieller Seite hören, dass es diesen Streikbeschluss gibt.“ Sie wolle in weiteren Gesprächen jede Position durchgehen. „Schließlich geht es auch um Vertreterzulagen und Fragen der Eingruppierung.“ Die Tierpark-und-Zoo-Leitung hat Entgelterhöhungen von jeweils 1,5 Prozent für 2013 und 2014 vorgeschlagen. Die Gewerkschaft hatte das allerdings als nicht verhandlungsfähig bezeichnet. Ihre Forderung: 6,7 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. „Ich kann nicht an der schwierigen Entwicklung im ersten Quartal 2013 vorbeisehen“, gab Thöne zu bedenken. Das schlechte Wetter hatte zu geringeren Besucherzahlen und entsprechenden Einnahmeverlusten geführt. „Wenn die Gewerkschaftsforderungen für den Tierpark umgesetzt würden, wäre dort das Stammkapital aufgebraucht“, so Gabriele Thöne weiter.

Während der Pfingstfeiertage war von Arbeitskampfstimmung in Zoo und Tierpark ohnehin noch nichts zu spüren. Zahlreiche Besucher genossen einen Spaziergang entlang der Gehege und applaudierten den Musikern, die bei den traditionsreichen Pfingstkonzerten auftraten.