Peter Zühlsdorff

Tausche Berlin Partner gegen Vivantes

Vor einem Jahr hat Peter Zühlsdorff den Aufsichtsrat verlassen. Nun steigt er in den des Klinikkonzerns ein

Im Unfrieden war Peter Zühlsdorff vor einem guten Jahr als Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner gegangen. Die bald darauf zurückgetretene Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz hatte es dem Wirtschaftsmann schwer gemacht. Es sah so aus, als ob der frühere Topmanager nicht mehr gewillt sei, sich in den Dienst des Landes Berlin zu stellen.

Doch im Frühjahr 2013 ist der Zorn offenbar nicht mehr vorhanden. Der 72-Jährige steigt in den Aufsichtsrat der städtischen Krankenhausgesellschaft Vivantes ein. Es heißt, er solle auch den Vorsitz in dem Kontrollgremium von Deutschlands größtem Klinikkonzern übernehmen, den bisher der frühere Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Hartmann Kleiner, innehatte. Der Jurist geht mit 75 Jahren aus Altersgründen.

Sprecherin bestätigt Besetzung

„Wenn Herr Kleiner ausscheidet, werden wir in Abstimmung mit dem Gesundheitsressort Herrn Zühlsdorff nachbesetzen“, bestätigte die Sprecherin von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) die Personalie. Ob er auch Chef werde, sei aber noch nicht sicher. Schließlich müsse das Gremium den Vorsitzenden aus seiner Mitte bestimmen. Das werde vermutlich bei der nächsten Sitzung im August geschehen.

Zühlsdorff eilt der Ruf eines erfolgreichen Sanierers voraus. Er leitete den Kosmetik-Konzern Wella und führte fünf Jahre lang das Handelsunternehmen Tengelmann als Geschäftsführer. Er saß im Aufsichtsrat der Modefirma Escada und in dem des Pharma-Unternehmens Merck. Heute betreibt er seine eigene Beteiligungsgesellschaft und sitzt weiter in einigen Aufsichtsräten, unter anderem beim Bekleidungshaus SinnLeffers. Vor einigen Jahren rettete er die Privatschule Villa Amalienhof in Spandau vor der Pleite. Zühlsdorff selbst wollte sich auf Anfrage der Morgenpost nicht zu seiner neuen Aufgabe äußern und verwies auf den Finanzsenator.

Die Besetzung des Postens bei Vivantes mit Zühlsdorff kommt auf Initiative Nußbaums zustande. Der Finanzsenator hatte zuletzt sehr aktiv in die Besetzung von Aufsichtsräten landeseigener Unternehmen eingegriffen. Er sorgte dafür, dass der frühere Banker und Immobilienunternehmer Karl Kauermann bei der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo ausgestiegen ist. Kauermann ist aber weiterhin im Kontrollgremium von Vivantes tätig. Nußbaums Eingreifen hat auch zum Weggang des langjährigen Vivantes-Geschäftsführers Joachim Bovelet geführt. In all diesen Fällen hat Nußbaum Konflikte mit den „Compliance-Regeln“ festgestellt, hat Intransparenz und mangelnde Abgrenzung zu möglichen Eigeninteressen der handelnden Personen kritisiert.

In den Aufsichtsrat des Krankenhauskonzerns schob Nußbaum den Bremer Unternehmer Peter Jung, der ebenfalls wegen seiner „Sanierungserfahrung“ besetzt wurde und der auch im Kontrollgremium des zweiten landeseigenen Klinikkonzerns Charité sitzt. Mit Zühlsdorff sind es nun zwei Männer, die wegen ihrer Erfahrung mit angeschlagenen Unternehmen das Mandat für den Anteilseigner Berlin wahrnehmen.

Dabei ist Vivantes weit entfernt davon, ein Sanierungsfall zu sein. Das vergangene Geschäftsjahr 2012 schloss der Konzern trotz der Turbulenzen an der nach dem Weggang Bovelets weiterhin unbesetzten Führungsspitze mit einem Umsatz von 900 Millionen Euro ab, 35 Millionen mehr als 2011. Das Ergebnis stieg von 5,11 Millionen Euro plus auf 6,7 Millionen Euro. Mehr als eine halbe Million Patienten wurden versorgt, auch hier gab es Zuwachs von zwei Prozent.

Unabhängiger Kopf gewollt

Im Hause Nußbaum heißt es, es gehe im Falle Zühlsdorff nicht um Sanierungskompetenzen, sondern darum, einen unabhängigen Kopf zu verpflichten. Offenbar legte der Senator Wert darauf, eine Persönlichkeit zu finden, die über den Berliner Netzwerken agiert und keine lokalen Verwicklungen aufzuweisen hat, wie sie im Falle des Vivantes-Aufsichtsrats Kauermann bei seinem Engagement für die Degewo aufgefallen waren.

Die Personalie Zühlsdorff stößt aber nicht überall auf Verständnis. „Es ist auffällig, dass die Gesellschafterseite wieder keinen medizinischen Sachverstand in den Aufsichtsrat schickt“, kritisierte der Vivantes-Betriebsrat Giovanni Ammirabile, der für die Arbeitnehmerseite ebenfalls im Kontrollgremium mitwirkt. Für den Mitarbeitervertreter ist unverständlich, warum nicht ein ehemaliger Klinikmanager oder ein ausgewiesener Gesundheitsexperte ausgesucht worden ist.

Tatsächlich sitzen für das Land künftig neben den mit der Krankenhaus-Ökonomie bisher kaum vertrauten Managern Zühlsdorff und Jung die Senatoren Nußbaum und Mario Czaja im Aufsichtsrat. Dazu kommen die Landeschefin der Gewerkschaft Verdi, Susanne Stumpenhusen, die Rechtsanwältin und Ex-Chefin der Wohnungsgesellschaft Gesobau, Petra Gothe, sowie Marzahn-Hellersdorfs Gesundheitsstadträtin Dagmar Pohle (Linke).