Stadtplanung

Baustart für die Stadtautobahn

Gegner machen gegen die Verlängerung der umstrittenen A 100 nach Treptow mobil

Für Tobias Trommer und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative „A 100 stoppen“ sind arbeitsreiche Tage angebrochen. Nachdem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) in dieser Woche bekannt gegeben haben, dass am kommenden Mittwoch der symbolische erste Spatenstich für die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 erfolgen soll, läuft die Protestmaschinerie auf Hochtouren. Am heutigen Sonntag wollen Autobahngegner mit einer symbolischen Geldvernichtung vor dem Roten Rathaus demonstrieren. Am 8. Mai sollen dann der Bundesminister und Bausenator mit einem Pfeifkonzert auf der Baustelle an der Grenzallee Ecke Bergiusstraße in Neukölln begrüßt werden. „Wir haben die Hoffnung, dass dieses Bauvorhaben doch noch gestoppt werden kann“, so Trommer.

Nach jahrzehntelanger Planung und unzähligen gerichtlichen Auseinandersetzungen wird am Mittwoch um 13 Uhr an der Anschlussstelle Grenzallee der Baubeginn für den 16. Abschnitt der Stadtautobahn gefeiert. Dort endete der Stadtring bisher. Mit dem Bau soll die A 100 um ein weiteres 3,2 Kilometer langes Teilstück bis zum Treptower Park geführt werden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Oktober vergangenen Jahres den Weg für den umstrittenen Weiterbau frei gemacht. Dabei hatten die Richter im Wesentlichen Klagen von Umweltschützern und Anwohnern gegen den Planfeststellungsbeschluss zurückgewiesen. Die Richter verpflichteten allerdings den Berliner Senat, beim Lärmschutz nachzubessern. Außerdem wurde der Abriss zweier Wohnhäuser gestoppt. Die Regierungspartner von SPD und CDU hatten sich bereits im Koalitionsvertrag auf das Projekt geeinigt.

Neuesten Schätzungen zufolge kostet der 16. Teilabschnitt knapp 475 Millionen Euro. Damit wird das Teilstück vom Dreieck Neukölln zum Treptower Park vermutlich als teuerster Autobahnbau Deutschlands in die Geschichte eingehen. Der Bund wird diese Kosten zum allergrößten Teil tragen. Aufwendige Lärmschutzmaßnahmen, ein 400 Meter langer Tunnel und die Überbrückung durchschnittener Straßen verursachen die enorm hohen Kosten.

Grüne kritisieren den Weiterbau

Zudem scheiterten am Streit über die A100 im Herbst 2011 die rot-grünen Koalitionsverhandlungen in Berlin. Die SPD ließ die Verhandlungen nach der ersten Runde platzen, weil sich ein zuvor ausgehandelter Kompromiss als nicht tragfähig erwies. Die Grünen lehnten den Bau als zu teuer und verkehrspolitisch überflüssig ab. Verkehrssenator Müller sagte zuvor: „Ich freue mich, dass der Bund zu seiner Zusage steht.“ Der Senat sei nach wie vor davon überzeugt, dass die Wohngebiete entlang der Strecke vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Zudem bräuchten die östlichen Bezirke leistungsfähige Straßen für den Gewerbeverkehr. Auch würden die Unternehmen in den östlichen Bezirken besser an die Innenstadt und den künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld angebunden.

Die Autobahngegner dagegen zweifeln die positiven Verkehrseffekte für ihren Kiez an. Sie befürchten im Gegenteil, dass durch den Bau des neuen Abschnitts noch weitaus mehr Autofahrer als bisher in ihre Wohnviertel gelockt würden. „Die Verkehrsgutachter des Senats haben ja selbst eingeräumt, dass der 16. Bauabschnitt nur Sinn macht, wenn anschließend auch der 17. gebaut wird“, so Trommer. Dieser soll vom Treptower Park bis zur Frankfurter Allee führen. Die Autobahngegner gehen jedoch davon aus, dass der Bauabschnitt nicht realisiert wird, weil sowohl Kosten, Proteste sowie die Zahl der Klagen bei einer Unterquerung von Altbau-Kiezen in Friedrichshain noch deutlich höher ausfallen dürften als beim 16. Bauanschnitt. „Mit prall gefüllten Geldsäcken werden wir die enormen Kosten für diesen Autobahn-Irrsinn am Sonntag sichtbar machen“, so Trommer weiter.

Im Jugendclub E-LOK an der Laskerstraße in Friedrichshain haben sich die A-100-Aktivisten am Sonnabend zusammengefunden, um die Requisiten für ihre Protestaktion um 15 Uhr am Roten Rathaus herzustellen. Neben 25 Geldsäcken mit der Aufschrift „20 Millionen Euro“ müssen auch noch Theatermasken mit den Konterfeis des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) und Verkehrsministers Ramsauer gebastelt werden. „Schließlich wollen wir die enorme Geldvernichtung deutlich vor Augen führen“, sagte Trommer.

Planung aus den 50er-Jahren

Mit ihrer Kritik sind Anwohner- und Umweltverbände nicht allein. Auch die Grünen kritisieren den Weiterbau weiterhin als unsinnige Geldverschwendung von Steuergeld. Es würden deutlich mehr Menschen be- als entlastet. „Und auch Berlin insgesamt verliert, denn der Weiterbau der A 100 wird langfristig nur zu noch mehr Stau und noch mehr Autoverkehr in der Innenstadt führen. Fazit: Der Senat baut – leider wieder einmal – Mist“, sagten die Grünen-Vorsitzenden Bettina Jarasch und Daniel Wesener.

Die Stadtautobahn A 100 geht auf West-Berliner Planungen des Senats aus den 50er-Jahren zurück. Ursprünglich war die A 100 als Ring um die gesamte Innenstadt geplant. Der neue Trassenabschnitt wäre der erste des Rings im Ostteil der Stadt. Der überhaupt erste Bauabschnitt zwischen Kurfürstendamm und Hohenzollerndamm wurde im Jahr 1958 eröffnet. Das 15. und bislang noch letzte Trassenteil zwischen Buschkrugallee und Grenzallee wurde 2004 in Betrieb genommen.