Bühnencheck

Vom Leid des Preußenprinzen

Preußens Königsfamilie sieht in schwarzweißgrauer Kleidung von der Stange aus wie die Nachbarn von nebenan. Dabei ist ihr Leben alles andere als normal. So sollte man meinen, Eltern würden vor Freude in die Luft springen, wenn ihre Sprösslinge sich mit Latein und Literatur beschäftigen. Nicht so Friedrich Wilhelm I., Preußens „Soldatenkönig“. Er verbietet den weibischen Kram, den sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. liebt. Stattdessen wird der Filius streng autoritär mit militärischem Drill erzogen. Doch Friedrich wehrt sich und wird dafür vom Vater körperlich und seelisch gezüchtigt.

Obwohl die Biographie von Friedrich dem Großen hinlänglich bekannt ist, folgt man Jana Loses Inszenierung „Friedrich – Kronprinz wider Willen“ nach Uwe Seidels Stück „Der Weibling“ im Kulturhaus Spandau mit großer Spannung. Die Produktion des Magma Theaters Spandau erzählt das gesamte Leben des Hohenzollernfürsten in gerade einmal 90 Minuten, mit besonderem Augenmerk auf das Jahr 1729.

Friedrich ist zerrissen zwischen der Tyrannei seines Vaters und den Künsten, die er mit Wohlwollen seiner Mutter Sophie-Dorothea (stark: Brigitte Reither) betreibt sowie der heimlichen Unterstützung seines Freundes Leutnant Katte (Jonas Pietsch) und seiner Schwester Wilhelmine, wunderbar gespielt von Vera Swenshon. Der Versuch, sich durch Flucht aus den väterlichen Fesseln zu befreien, lässt Friedrich innerlich zerbrechen und kostet Katte das Leben.

Kammerspielartig konzentriert auf das Wort und vor allem auf die Ambivalenz, die allen Figuren innewohnt, lebt die Aufführung, die ohne Bühnenbild auskommt, von Tobias Friebens feinsinnigem, hochemotionalem Friedrich. Man leidet mit, wenn er gedemütigt wird von seinem zornigen Vater, den Stephan Kowalik mit viel Charisma und Überzeugungskraft gibt.

Magma Theater Spandau im Kulturhaus Spandau, Mauerstr. 6, Spandau, Tel. 333 40 22, 26. & 27.4., 20 Uhr, 28.4., 18 Uhr. Karten kosten 10, erm. 6 Euro