Berliner Perlen

In Kreuzberg werden Trends gemacht

Mode aus aller Welt, Vintage-Sonnenbrillen und ökologisches Waschmittel: Der „Voo Store“an der Oranienstraße liefert die Ausrüstung für ein szeniges Großstadtleben

Auf den ersten Blick haben der Voo Store und die Luzia Bar außer den Standort an der Kreuzberger Oranienstraße nichts gemein. Der Laden ist hell, industriell, die Bar schummrig und gemütlich, ausgestattet mit Oma-Sitzmöbeln. Auf Nachfrage stellt man aber fest, dass beide Läden von denselben Inhabern betrieben werden. Die Brüder Yasin (29) und Kaan Müjdeci (32) kamen 2002 von Ankara nach Berlin, um hier zu studieren. Sie übernahmen stattdessen schon bald ein Café an der Skalitzer Straße. Das „Vor Wien“ lief unter ihrer Führung so gut, dass die Brüder 2005 die Luzia eröffneten. Heute ist die Bar eine Institution in Kreuzberg. Im November 2011 wollten die Brüder dann etwas Neues versuchen: Mode, erzählt Herbert Hofmann (29), der Dritte im Voo-Bunde.

Hofmann ist Österreicher, hat in Innsbruck Geografie studiert. Nach dem Studium kam er nach Berlin, um für Skandinavische Modelabels Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Nun ist er Einkäufer und Kreativdirektor des Stores. In den Räumen einer ehemaligen Heißschmiede liegen Vintage-Sonnenbrillen, gehäkelte Laufschuhe und Coffeetable Magazine aus. „Küss mich da wo ich Pipi mache“ fordert der Herzanhänger eines Goldkettchens, daneben steht ökologisches Flüssigwaschmittel.

Alles ist in Bewegung

„In einem Concept Store ist alles in Bewegung“, erklärt Hofmann: „Das Sortiment ist fahrbar, alles kann immer neu arrangiert werden.“ Momentan hänge die Männermode zum Beispiel rechts und die Damenmode links, da besonders Paare es schätzten, sich beim Stöbern aufzusplitten, um dann am Ende des Ganges vor der Spiegelwand wieder zusammenzukommen. Berliner Designer wie Hien Le hängen im Voo Store neben internationalen Trendlabels wie Acne, Carven und Kenzo. Der passende Schuh zu diesem Trend-Kanon ist der Sneaker. Entweder mit schwungvollem Haken, genannt Swoosh“, oder einem großen zackigen „N“ als Logo an der Seite.

„Wir haben kein Problem mit dem Wort ‚hip‘ “, sagt Hofmann. „Aber wir laufen keinen Hypes hinterher, denn wir wollen selbst Trends setzten und vor allem auch nach zeitlosen Sachen suchen.“ So bekomme Hofmann die Inspiration für seine Einkäufe nicht nur auf Schauen und Messen. „Wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, kann man auch beim Späti ein Produkt entdecken, das sich aus dem dortigen Kontext herauslösen lässt und das hierher passt.“

Der „Monkey Gin“ aus dem Schwarzwald, habe es zum Beispiel nicht nur wegen seines „sehr guten Geschmackes“ sondern auch dank seines „sehr schönen graphischen Äußeren“ auf den Präsentiertisch geschafft, sagt Hofmann.

Aus seiner Kindheit in Österreich kennt Hofmann die Stoffrucksäcke von Georg Essls Rucksack- und Taschenfabrik: „Sie werden in Österreich seit mehr als 50 Jahren als Jagd- und Wanderzubehör verkauft, aber wegen der hohen Qualität und des günstigen Preises haben sie sich in Berlin zum Verkaufsschlager entwickelt.“ 75 Euro kostet ein Rucksack. In Österreich wundere man sich jetzt, dass man in Kreuzberg so viele Wanderrucksäcke benötigt, sagt Hofmann.

Häufiger trifft man bei Voo auch auf Buchstaben. Etwa in Magazinen oder Büchern, wie dem der Kreativdirektorin der US-Vogue, Grace Coddington, die eine Biografie in der Farbe ihrer Haare herausgebracht hat. Wem das zu anstrengend ist, kann für 39 Euro beispielsweise handgroße Betonbuchstaben erwerben. Oder Buchstaben auf Plakatgrund. Ein „R“ oder auch ein „B“ aus dem dänischen Grafikdesign-Büro „Playtype“ kostet 30 Euro. „Sieht gerahmt superschön aus“, versichert Hofmann. Passende Tassen mit Buchstaben auf weißem Grund gibt es auch. Ebenso Parfums des dänischen Designers Henrik Vibskov, die schlicht „Type C“, „Type D“ oder „Type B“ heißen. „Die Buchstaben stehen jeweils für Städte“, sagt Hofmann: „B steht zum Beispiel für Berlin und riecht nach Kohleöfen.“ 80 Euro kostet ein Fläschchen. B wie Berlin kommt ummantelt von einem schwarz-weißen Stoffüberzug, der ein bisschen aussieht wie ein Schweißband.

Konzert im Konzept-Geschäft

Zum Konzept eines Concept Stores gehört auch, dass die Verkaufsfläche ab und zu zweckentfremdet wird. Planningtorock, eine britische Künstlerin aus Kreuzberg, hat im Voo ein Konzert gegeben, Illustratorin Sarah Illenberger hat ausgestellt, ein Essen arrangieren die Chefs gelegentlich, um Leute kennenzulernen, die man spannend findet, und Bloggerin Jessica Weiß moderiert eine Modesendung im Voo Store. „Als nächstes planen wir ein Tischtennis-Turnier“, sagt der Kreativdirektor: „Wir wollen gegen die Teams anderer Läden antreten.“

Herbert Hofmann freut sich besonders auf den August. Das kalifornische Label „Opening Ceremony“ plant eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen, das das Andenken Elvis Presleys vermarktet. „Unter anderem gibt es eine Replik des Hochzeitskleides von Priscilla. Das werden wir auch führen“, sagt Hofmann. Bei Elvis können sich Kunden sicher sein, keinem kurzfristigen Trend aufzusitzen. Denn der ist wirklich zeitlos.

Voo Store Oranienstraße 24, Kreuzberg, Mo.-Sbd. 11-20 Uhr, Tel. 61 65 11 19, www.vooberlin.com