ZAT-FM-System

S-Bahn will auf 50 Bahnhöfen die Aufsicht abschaffen

Schon heute ist mehr als die Hälfte der 166 Bahnhöfe der Berliner S-Bahn nicht ständig mit Bahnpersonal besetzt.

Nun droht ein weiterer Kahlschlag bei den Aufsichten. Weitere 50 Stationen will die S-Bahn in den kommenden Monaten technisch so umrüsten lassen, dass der Lokführer sich selbst das Abfahrtsignal geben kann. Danach sei eine ständige Besetzung der Bahnhöfe betriebstechnisch nicht mehr notwendig, so die S-Bahn-Führung. Lediglich 20 Stammaufsichten soll es im gesamten S-Bahn-Netz noch geben.

Möglich wird dies erst durch ein System namens ZAT-FM – Zugabfertigung durch den Triebfahrzeugführer über Fahrzeugmonitor. Bei Stationen mit gekrümmten Bahnsteigen erfolgt die Zugabfertigung bislang noch durch einen Eisenbahner, der für einen besseren Überblick meist in der Mitte des Bahnsteigs steht. Per Signaltaste und Sprechfunkgerät übermittelt er dem Zugführer, ob alle Türen geschlossen sind und eine gefahrlose Abfahrt möglich ist. Diese Aufgabe soll nun moderne Technik übernehmen. Die Kameras werden so montiert, dass der Lokführer auf einem Monitor in seinem Führerstand den gesamten Bahnsteig gut überblicken und damit selber entscheiden kann, ob er gefahrlos weiterfahren kann oder nicht. Abfertigungsverfahren, für die keine Aufsichten nötig sind, werden bereits seit Längerem bei der Hamburger S-Bahn oder auch bei der U-Bahn in Berlin praktiziert.

Bereits 2007 wollte die S-Bahn die kostensenkende ZAT-FM auch in Berlin einführen. Doch weil die Technik nicht stabil lief, lehnte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) dies zunächst ab. Nach mehrjährigen Tests hat die Aufsichtsbehörde dem neuen System nun die Zulassung erteilt, wie EBA-Sprecherin Heike Schmidt bestätigte. Die S-Bahn kann nun ihre alten Pläne aus der Schublade holen. Danach soll es bald nur noch 20 Stationen geben, die während der gesamten Betriebszeit mit Personal besetzt sind. Die sogenannten Stammaufsichten sollen auch auf den Nachbarbahnhöfen die Anzeigen zur Kundeninformation steuern und Ansagen per Lautsprecher machen. Zudem gibt es 120 mobile Aufsichten, die je nach Bedarf auf den Stationen zum Einsatz kommen.

Der Berliner Fahrgastverbandes Igeb lehnt indes einen weiteren Abbau von Personal auf den Bahnhöfen strikt ab. Damit werde „der völlig falsche Weg“ eingeschlagen, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Sowohl für einen reibungslosen Betrieb als auch für das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste sei eine ständige Vor-Ort-Präsenz von S-Bahn-Mitarbeitern wichtig. „Das sind in aller Regel ausgebildete Eisenbahner, die etwa im Störungsfall auch mal schnell eingreifen können“, so Wieseke. Nicht weniger, sondern mehr Personal sei auf den Bahnhöfen erforderlich.