Finanzamt Lichtenberg macht Mitarbeiter krank

Das Finanzamt Lichtenberg hat Probleme. Mehr als 30 Prozent der 200 Mitarbeiter sind derzeit krank.

Schuld ist vermutlich das Dienstgebäude Alt-Friedrichsfelde 60 – obwohl es erst kürzlich saniert wurde. Erst 2010 war die Belegschaft eingezogen. Kurze Zeit später klagten viele Kollegen über gesundheitliche Beschwerden. Als Ursache wurde naphtalinhaltige Teerpappe in den Fußböden vermutet. Daraufhin ließ die Senatsfinanzverwaltung das Haus sanieren und die Pappe mit Spezialfolie versiegeln. Damit sollte verhindert werden, dass Schadstoffe austreten. Das Finanzamt zog in dieser Zeit in seinen früheren Dienstsitz an der Josef-Orlopp-Straße.

Ende 2012 kehrte die Belegschaft wieder nach Alt-Friedrichsfelde zurück. Messungen wiesen kein Naphtalin mehr in den Räumen nach. Dennoch hätten etwa einen Monat später viele Kollegen erneut über Beschwerden geklagt, sagte Personalratschef Rolf Herrmann. Haut, Atemwege und Schleimhäute waren gereizt, Kopfschmerzen traten auf. Nun sei erneut ein Umzug geplant, so der Personalratschef. Spätestens zum 1. Juni sollen die Finanzbeamten das Haus verlassen und wieder an der Josef-Orlopp-Straße arbeiten. In den vergangenen Wochen haben Arbeitsmediziner der Charité viele Betroffene untersucht. „Sie haben ernsthafte Erkrankungen festgestellt und etlichen Kollegen nahegelegt, einen Facharzt aufzusuchen“, sagte Rolf Herrmann.

Die genaue Ursache der Erkrankungen ist ungeklärt. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich nun damit. Beteiligt sind das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, außerdem die Charité und die Berliner Immobilien Management GmbH. „Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Beschäftigten“, sagte ein Sprecher der Senatsfinanzverwaltung am Donnerstag. Auch die Arbeitsfähigkeit des Amtes müsse gewährleistet sein. Details zum künftigen Vorgehen wollte der Sprecher nicht nennen – „mit Rücksicht auf das Abgeordnetenhaus, das den Plänen erst noch zustimmen muss“. Im Jahr 2011 hatte die Landesbehörde eine Pilotuntersuchung in dem Gebäude durchführen lassen. Neben der Versiegelung der Böden mit Spezialfolie wurde auch die erheblich teurere Entfernung der Teerpappe aus den Fußböden getestet. Beide Verfahren führten zum gleichen Ergebnis, als die Raumluft getestet wurde.