Bilanz

Feuerwehr mit mehr Rettungseinsätzen

Landesbranddirektor übt Kritik an Notaufnahmen in Krankenhäusern

Alle anderthalb Minuten rückt ein Fahrzeug der Berliner Feuerwehr zu einem Notfall aus. Egal ob ein Brand in einem Wohnhaus, ein Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten oder plötzliche frühzeitige Wehen, die 4000 Männer und Frauen der Berufs- und freiwilligen Feuerwehren werden immer häufiger gerufen. Täglich fast 1000 Einsätze sind bereits die Normalität. Im Jahr 2012 waren es insgesamt 360.215 Einsätze, eine Zunahme von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies gab der Chef der Berliner Feuerwehr, Landesbranddirektor Wilfried Gräfling, am Donnerstag bekannt. „Und die Tendenz ist weiter steigend. Die demografische Entwicklung bestätigt zusehends diesen Trend“, sagte Gräfling. Mit einem Anteil von 81 Prozent bilden die Rettungsdiensteinsätze den Schwerpunkt der Arbeit der Berliner Feuerwehr. Allein ihre Zahl ist im Vergleich zum Jahr 2011 um 4958 Einsätze auf insgesamt 292.464 gestiegen – ein Plus von 1,7 Prozent. Innensenator Frank Henkel (CDU) kündigte an, er wolle sich für zusätzliche Stellen bei der Feuerwehr starkmachen.

Im Doppelhaushalt 2014/2015 soll es nach seinen Vorstellungen 100 Stellen mehr geben. Derzeit arbeiten knapp 3000 Beschäftigte bei der deutschlandweit größten Berufsfeuerwehr. Neben mehr Personal – etwa 200 Stellen müssten bis 2015 neu besetzt werden – braucht Berlin weitere 38 Rettungswagen. „Nur dann wird es möglich sein, das Einsatzaufkommen abzusichern“, so Gräfling. Beängstigend sei die Situation in den Notaufnahmen der 39 Krankenhäuser. Fehlende Intensivbetten, überlastete und personell mangelhaft ausgestattete Notaufnahmen erschwerten nach Einschätzung der Feuerwehr im Rettungsdienst die Aufnahme von Notfallpatienten in den Krankenhäusern. Zudem würden Ärzte seltener Hausbesuche abhalten. Dies führe auch dazu, dass Kranke die Feuerwehr immer häufiger über den Notruf 112 als Transportmittel in eine Klinik nutzen.

Notaufnahmen weisen Retter ab

Immer wieder kommt es laut dem Feuerwehrchef zu „Abmeldungen“ von Kliniken. Lebenswichtige Diagnostik- und Versorgungseinrichtungen wie CT oder Röntgen werden der Feuerwehrleitstelle als nicht anfahrbar gemeldet. Selbst bei Kreißsälen komme dies vor. Rettungswagen würden mit Patienten immer häufiger von einer Notaufnahme zur nächsten geschickt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Einsätze bildet die technische Hilfeleistung, etwa bei der Beseitigung von Eiszapfen an Hausfassaden oder wenn sich ein Lkw unter einer Brücke festgefahren hat. Sie machen etwa fünf Prozent aller Einsätze aus. Elf Prozent der Fahrten sind sogenannte Erkundungen. Das sind Einsätze, die beispielsweise wegen eines technischen Defekts an einer Brandmeldeanlage in einem Hotel oder einem Einkaufszentrum ausgelöst werden. Lediglich zwei Prozent der Einsätze entfallen auf Brände. Diese sind jedoch meist spektakulär und fordern häufig auch Menschenleben. So sind in Berlin 2012 insgesamt 28 Menschen durch ein Feuer in ihrer Wohnung ums Leben gekommen. „Das sind zwei weniger als noch ein Jahr zuvor. Dennoch halten wir an der Forderung fest, auch in Berlin in Häusern und Wohnungen Rauchmelder zu installieren“, sagte der Landesbranddirektor. Für Aufsehen hatte der Brand am 26.April 2012 in einer Lagerhalle an der Gartenfelder Straße gesorgt. Dort waren über mehrere Tage lang 500 Feuerwehrleute im Einsatz. Eine weithin sichtbare Rauchwolke hatte den Flugverkehr am Flughafen Tegel beeinträchtigt.

Indes bereiten die ausgewiesenen Ausrückezeiten und das Eintreffen am Einsatzort dem Feuerwehrchef Kopfzerbrechen. „Wir rücken immer schneller aus und treffen immer später ein“, sagte Gräfling. Der Grund sei zum einen in den zunehmend verstopften Straßen zu suchen. Aber auch an der Dichte und einer flächendeckenden Stationierung von Rettungswagen müsse weiter gearbeitet werden. Positiv wertete Gräfling die Einführung des Warnsystems Katwarn. Mehr als 200.000 Berliner haben dieses System auf ihrem Handy. Damit werden die Nutzer per SMS oder E-Mail zu Gefahrensituationen informiert und Verhaltensempfehlungen weitergeleitet. Die Anmeldung: SMS an 163/7558842 „KATWARN 1xxxx“ (für das jeweilige Postleitzahlengebiet).