BER-Flughafen

Mehdorns neue Schaltzentrale

Flughafenchef will Büros für Experten im Terminal – Brief an die Mitarbeiter

Hartmut Mehdorn macht Tempo. Noch nicht einmal vier Wochen im Amt, stellt der neue Flughafenchef entscheidende Weichen an dem noch immer im Bau befindlichen Hauptstadt-Airport BER. Mehdorn will direkt im Terminal eine Schaltzentrale errichten. Dort sollen die wichtigsten der mit dem Vorhaben beschäftigten Planer in einem Stab zusammenarbeiten. Der Flughafenchef erhofft sich davon effizientere Arbeitsabläufe und eine unmittelbare Einsichtnahme in die Probleme am Bau. Bisher arbeiteten die Beteiligten an mehreren Standorten, ihre Büros befanden sich auf dem Flughafenareal und außerhalb.

Die neue Schaltzentrale ist Bestandteil des von Mehdorn initiierten Programmes „Sprint“. Über dessen Ziele informierte er die rund 1500 Mitarbeiter der Berliner Flughafengesellschaft in einem Brief. Das Programm soll sämtliche mit der Inbetriebnahme zusammenhängenden Prozesse, angefangen von den Restbauarbeiten über Genehmigungen, Probebetrieb, Umzug bis zur Flughafeneröffnung selbst, bündeln, um den BER so schnell wie möglich ans Netz zu bringen.

Für das „Sprint“-Programm wird auf internen und externen Sachverstand zurückgegriffen. Die Leitung der Zentrale werde ein „erfahrener externer Manager übernehmen“. In seinem Brief schreibt Mehdorn Klartext. So heißt es darin unter anderem: „Intern wird der Stillstand auf der Baustelle als ein noch größeres Problem empfunden als in der öffentlichen Wahrnehmung.“ Außerdem soll auch die öffentliche Darstellung des Großbauvorhabens wesentlich verbessert werden. So verlangt Mehdorn, dass die Kommunikationsabteilung der Berliner Flughäfen „regelmäßig und transparent informieren“ soll, „um das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen“. „Die Zeit des Bedauerns und Zauderns“ sei vorbei, jetzt werde gehandelt.

Schroff und durchsetzungsfähig

Der Airport-Manager, der sowohl Chef der Air Berlin als auch der Deutschen Bahn AG war, ist für seine Durchsetzungsfähigkeit und mitunter schroffe Art bekannt, mit der er in der Vergangenheit auch unpopuläre Dinge gegen vielerlei Widerstände durchsetzte. So verfügte er eine Verkürzung des Daches am Hauptbahnhof, um diesen rechtzeitig zur Fußball-WM 2006 eröffnen zu können, was bis heute kritisiert wird.

Mit ähnlicher Vehemenz übt er nun offenbar auch die Geschäftsführung der Berliner Flughäfen aus. Dies demonstrierte er schon am Tag seiner Vorstellung als neuer Flughafenchef, als er vorschlug, den Flughafen Tegel weiter zu betreiben. Den Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Platzeck (SPD) düpierte er damit. Platzeck fühlte sich sogleich verpflichtet, die Offenhaltung des Airports im Berliner Norden zu dementieren.

Aus seinem forschen Vorgehen schließen Beobachter, dass Mehdorn weitgehend freie Hand hat, auch weil der Bund als Anteilseigner der Flughafengesellschaft ihn offenbar unterstützt. Mehdorn spreche mit allen, die einen konstruktiven Beitrag für eine rasche BER-Eröffnung leisten könnten, sagte sein Sprecher Ralf Kunkel. „Es gibt keine Denkverbote. Die derzeit kursierenden Personalspekulationen kommentieren wir nicht.“

In der im Terminal geplanten Schaltzentrale, von den Verantwortlichen „Projekt Management Office“ (PMO) genannt, könnte auch ein langjähriger Vertrauter Mehdorns, Hany Azer, Einzug halten. Der gelernte Ingenieur war wesentlich an der Fertigstellung des Berliner Hauptbahnhofes, seinerzeit eines der größten Infrastrukturvorhaben der DB AG, beteiligt. Er beschleunigte nicht nur zahlreiche Arbeitsabläufe bei dem Milliardenprojekt, sondern sorgte auch für Ordnung auf der Baustelle. Diese hatte zuvor ein chaotisches Bild geboten.

Ermittlungen gegen Baufirmen

Trotz Mehdorns Weichenstellung wird der Flughafen noch einige Zeit negative Schlagzeilen produzieren. So wird gegen den Chef des Märkischen Abwasser-Zweckverbandes und zwei Geschäftsführer von Firmen ermittelt, die im Zusammenhang mit dem Bau des Hauptstadtflughafens unter Korruptionsverdacht stehen.

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin teilte am Mittwoch mit, dass sie Anklage erhoben habe. Ihnen werde Bestechlichkeit und Bestechung vorgeworfen. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung soll noch in diesem Jahr das Verfahren am Landgericht Cottbus eröffnet werden. Die Ermittlungen richteten sich nicht gegen den Flughafen, hieß es.

Der Verbandschef soll Zuwendungen der Firmen in Höhe von rund 50.000 Euro angenommen haben. Nach den Untersuchungen der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Korruption erhielt er von 2005 bis 2011 unter anderem Bargeld sowie Material und Bauleistungen für sein gerade entstehendes Einfamilienhaus. Die angeklagten Firmenchefs wollten damit die Vergabe von Aufträgen positiv beeinflussen. Es ging um die Verlegung einer Trinkwasser- und einer Abwasserleitung beim Bau des Hauptstadtflughafens.

Auch die Eröffnung des Regierungsterminals am neuen Hauptstadtflughafen verzögert sich weiter. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Mittwoch sagte, wird die notwendige militärische Infrastruktur erst 2017 fertig. Zuletzt war Ende 2016 für die Fertigstellung angepeilt worden. Die Flughafengesellschaft wollte dies am Mittwoch nicht kommentieren. Bis zum Umzug nach Schönefeld bleibt die Flugbereitschaft in Köln/Bonn stationiert.