Gartenlust

Bäume, die der Kälte trotzen

Gabriella Pape über mutige und feige Magnolien

Sie werden es nicht glauben, aber einige mutige Bäume und Sträucher zeigen schon so dicke Knospen, dass man befürchten könnte, ihre Hüllblätter flögen einem gleich um die Ohren. Zu diesen Mutigen gehören neben der Kornelkirsche (Cornus mas) einige Magnolien. Diese unglaublich alte Pflanzengattung möchte ich Ihnen heute etwas näherbringen. Die Magnoliengewächse sind über 100 Millionen Jahre alt, ein für uns kaum vorstellbares Alter. Sie präsentieren sich mit höchst attraktiven Blüten in natürlicher Schönheit und zählen zu den markantesten Ziergehölzen, die nicht nur wegen ihres pompösen und eher kurzen Blütencrescendos auch deshalb im Pflanzenreich den Ruf einer Diva genießen. Die Magnolien werden nach ihren Herkunftsländern in zwei große Gruppen unterteilt, zum einen die aus Nordamerika beziehungsweise dem nördlichen Südamerika stammenden Sorten und zum anderen diejenigen, deren Heimat in Ostasien liegt.

Die „Amerikaner“ sind meist sehr starkwüchsig und entwickeln sich oft zu großen Bäumen, wie zum Beispiel Magnolia acuminata. Die „Asiaten“ bleiben vergleichsweise wesentlich kleiner und wachsen weniger schnell. Eine sehr bekannte Vertreterin dieser Gattung ist Magnolia stellata, die schneeweiße Sternmagnolie. Sie gehört für mich zu den Mutigen, denn ihre schneeweißen Blüten öffnen sich häufig schon im März in enormer Fülle. Bei starkem Wind wirkt sie manchmal etwas struppig, was ihrer Schönheit allerdings keinen Abbruch tut. Sie gilt als besonders frosthart, was in Anbetracht der letzten, harten Winter ein besonderes Qualitätskriterium in unseren Gefilden darstellt. Mittlerweile gibt es von dieser Sorte auch schon eine rosa blühende Variante. Magnolia „Susan“ beeindruckt zum einen durch ihre wunderschönen Farbtöne, die von Violettrot bis hin zu Graumagenta reichen. Besonders bemerkenswert ist ihre lange Blütezeit von Ende April bis Mai/Juni. Ihre Blütenform verleiht der Magnolia x soulingiana ein sehr edles Aussehen. Die Tulpenmagnolie, wie sie auf Deutsch heißt, hat einen etwas sparrigen Wuchs, wächst relativ langsam und entfaltet ihre tulpenähnlichen Blüten vor dem Laubaustrieb. Besonders bei älteren Exemplaren ist dies ein sehr beeindruckender Anblick. Zu den frühjahrsblühenden Kämpfern zählt auch die Magnolia x loebneri, ein in Weiß oder Rosa blühender Großstrauch, der aus einer Kreuzung zwischen Magnolia kobus x Magnolia stellata „Rosea“ entstand.

Es gibt natürlich auch bei den Magnolien Vertreter, die ihre Blüten nicht der Kälte preisgeben. So lässt Magnolia sieboldii den Blättern den Vortritt und entfaltet ihre Blütenpracht erst im Juni. Erwähnen möchte ich noch eine gelb blühende Form, Magnolia x brooklinensis, auch wenn sie zu den Feiglingen gehört, die erst bei wärmeren Temperaturen ihre Blüten öffnen. Sie wachsen zu einem schlanken Großstrauch beziehungsweise schon fast zu einem kleinen Baum heran.

Nun noch kurz zu einer anderen Gattung von Sträuchern, die zum Teil zu den Frühaufstehern gehören: den Schneebällen. In dieser Gattung gibt es sowohl immergrüne als auch laubabwerfende Sorten. Ein außerordentlicher Frühblüher ist Viburnum x bodnantense, ein mittelhoher Strauch mit wundervoll duftenden rosafarbenen Blüten, welche sich häufig im November schon einmal zeigen und im März und April zur vollen Blüte kommen. Viburnum x burkwoodii gehört zu den immergrünen Vertretern und blüht mit seinen stark duftenden Trugdolden im April und hebt sich noch ein paar Blüten für die Nachblüte im Dezember auf. Auch wenn wir gerade gefühlt Dezember erleben, wünsche ich Ihnen frohe Ostern. Einen Vorteil hat doch der Schnee: Die bunten Ostereier finden Sie bestimmt ganz schnell.