Gerichtsverhandlung

Prozess um Mordanschlag auf Vermieter

52 Jahre alter Angeklagter verweigert die Aussage

Nach einer Messerattacke auf die Vermieter seiner Wohnung muss sich ein 52-jähriger Berliner wegen versuchten Mordes verantworten. Der angeklagte Industriekaufmann verweigerte am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht die Aussage. Sein Verteidiger sprach von einer Verzweiflungstat wegen der bevorstehenden Zwangsräumung der modernisierten Wohnung in einem Berliner Kneipen- und Szeneviertel. „Nach jahrelangem Rechtsstreit fühlte sich der Mann terrorisiert“, argumentierte der Anwalt.

Am 20. August des vergangenen Jahres soll der zuletzt arbeitslose Mann vor Wut und Ärger zunächst seine vier Wände in einem Altbau in der Simon-Dach-Straße in Friedrichshain in Brand gesetzt haben. Anschließend soll der Mann im Treppenhaus seiner Wohnung seine Vermieter mit einem Messer angriffen und schwer verletzt haben. Die damals 66 Jahre alten Eheleute mussten in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht werden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zweifachen heimtückischen Mordversuch vor.

Die Verteidigung geht von versuchtem Totschlag aus. Der Angeklagte sei nach einem jahrelangen Rechtsstreit um seine Wohnung in einem psychischen Ausnahmezustand gewesen, erklärte sein Anwalt vor Gericht. „Der Mann fühlte sich gemobbt und aus der Wohnung geekelt“, sagte der Verteidiger.

Der erbitterte Rechtsstreit um die Miete der Wohnung endete mit der Zwangsräumung. Der Industriekaufmann hatte die Miete gemindert. Durch den Lärm der über Jahre dauernden Sanierung sei der Mann total genervt gewesen, argumentierte sein Anwalt.

Zudem sei der Berliner nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes in ein soziales Loch gefallen, erklärte der Anwalt am Rande des Prozesses. Der Angeklagte als normaler, kleiner Mieter fühlte sich von den Eigentümern vertrieben – mit dem Ziel, in dem sehr begehrten Wohnviertel an lukrative Neumieter zu kommen, betonte der Anwalt. Der Mann habe bereits seit dem Jahr 2000 in dem Seitenflügel des Altbaus gelebt.