Bilanz

Pünktlichkeit: Die S-Bahn kann es doch noch

Weniger Winterprobleme als in den beiden Vorjahren

Die Berliner S-Bahn rollt langsam aus der Krise. Im Februar hat das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn zum ersten Mal seit März 2012 wieder die vertraglich geforderte Pünktlichkeit abgeliefert. Das geht aus der Monatsbilanz hervor, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Mittwoch veröffentlichte. Demnach fuhren im vergangenen Monat 97,1 Prozent der S-Bahnen mit weniger als vier Minuten Verspätung – das ist der höchste Wert seit April 2011. Im Verkehrsvertrag mit den Ländern Berlin und Brandenburg ist ein Sollwert für die Pünktlichkeit von 96 Prozent festgelegt.

Seit fast einem Jahr verfehlte die S-Bahn dieses Ziel zum Teil deutlich und musste dafür Strafzahlungen an die Länder leisten. S-Bahn-Chef Peter Buchner hatte in den vergangenen Monaten gleich mehrfach zugegeben, dass sein Unternehmen ernsthafte Probleme mit der Pünktlichkeit hat. Die Verbesserung der Werte sei daher „das Kernthema für dieses Jahr“, so Buchner. Entsprechend erfreut zeigte sich das Unternehmen angesichts der neuen Zahlen. „Das ist natürlich positiv“, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Zugleich warnte er aber vor allzu großer Euphorie. In den Wintermonaten gebe es kaum Baustellen, die im Rest des Jahres oft für Verspätungen sorgen.

Mehr einsatzbereite Züge

Obwohl die Bausaison bei der S-Bahn erst an diesem Donnerstag mit der Sperrung der südlichen Linie S1 beginnt, erwarten Bahnexperten auch für den März schon wieder sinkende Pünktlichkeitswerte. Der heftige Wintereinbruch sorgte an mehreren Tagen für Ausfälle und Verspätungen auf vielen Linien. Trotzdem ist die S-Bahn mit dem ungewöhnlich langen Winter durchaus zufrieden. Im Vergleich zu den Vorjahren blieben die ganz großen Chaostage nämlich aus. Hauptgrund ist nach Angaben des Sprechers die höhere Zuverlässigkeit der Fahrzeugflotte. Am schlechtesten Tag des laufenden Winters, dem 12. März, konnte die S-Bahn so immer noch 486 ihrer insgesamt 650 Doppelwagen einsetzen. Ein Jahr zuvor waren es am schlechtesten Wintertag nur 464 der sogenannten Viertelzüge, 2011 sogar nur 409 einsatzbereite Fahrzeuge.

Nach den Chaoswintern der Vorjahre hatte die S-Bahn an den Zügen der modernsten und zahlenmäßig wichtigsten Baureihe 481 mit großem Aufwand die Bremssysteme nachgerüstet, Tausende Motoren überholt und anfällige Elektronik gegen Schnee abgedichtet. Im Vergleich konnte das Unternehmen daher in diesem Winter deutlich mehr Züge dieser Baureihe in den Einsatz schicken. Probleme machte hingegen die in der Spätphase der DDR entwickelte Baureihe 485 (bekannt als „Coladosen“). Die zum Teil frisch reaktivierten Oldtimer fielen häufig mit Tür- und Motorstörungen aus. Ein externes Expertenteam, das in Absprache mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erneut Technik und Abläufe der S-Bahn untersucht, soll deshalb insbesondere Ideen für den weiteren Einsatz der Alt-Baureihen 485 und 480 liefern.