Arnos Woche

Telefonterror

Arno Müller fragt sich, wem man noch trauen kann

Bisher dachte ich immer, dass Firmen ab einer gewissen Größe und mit einem wertvollen Image ihre Kunden ehrlich behandeln. Leider muss ich aber feststellen, dass dieser Vertrauensvorschuss falsch ist.

Ich hatte einen Handyvertrag bei einem Anbieterunternehmen, den ich fristgerecht zum 23. Dezember 2012 gekündigt habe. Die Kündigung schickte ich am 22. September per E-Mail und bekam am selben Tag eine Bestätigung, dass meine E-Mail eingegangen war. Ein paar Tage später erhielt ich ein Schreiben, in dem meine Kündigung zum 23. 12. bestätigt wurde. Ich las es oberflächlich durch und legte es zu meinen Unterlagen. Trotz Kündigung wurden im Februar 2013 abermals 100 Euro von meinem Bankkonto für den gekündigten Vertrag eingezogen. Ich rief bei dem Unternehmen an, um die Angelegenheit schnell zu klären, denn es konnte sich doch nur um ein Missverständnis handeln.

Die Dame am Telefon erklärte mir nun, dass mein Vertrag zwar zum 23. 12. gekündigt sei, allerdings nicht zum 23. 12. 2012 sondern zum 23. 12. 2013. Man hätte mir dies in dem Bestätigungsschreiben meiner Kündigung so mitgeteilt. Da die Widerspruchsfrist von sechs Wochen längt verstrichen sei, wäre nun die Kündigung zum 23. 12. 2013 wirksam. Ich müsse den Vertrag noch ein Jahr zahlen.

100 Euro im Monat? Ein Jahr lang? Das wollte ich nicht so recht einsehen, da ich ja fristgerecht gekündigt hatte, so ließ ich mich mit ihrem Supervisor verbinden. Der wiederum erklärte mir mit Zitaten irgendwelcher Gesetzesparagrafen, dass die Kündigung erst ein Jahr später gültig sei und dass ich mich damit abfinden müsse.

Das tat ich nicht. Nach dem Telefonat holte ich mir erst die 100 Euro auf mein Bankkonto zurück und schrieb eine weitere E-Mail an das Unternehmen und meinen Anwalt, in der ich die Einzugsermächtigung zurückzog, den bisherigen E-Mail-Verkehr anhängte und meinem Anwalt den Auftrag gab, alle erforderlichen Schritte einzuleiten, den fristgerecht gekündigten Vertrag auch zu dem von mir gewünschten Zeitpunkt zu beenden.

Mein Anwalt kam nicht mehr dazu, einen Brief zu schreiben, denn wenige Tage später erhielt ich erneut eine E-Mail von der Firma, in der man sich entschuldigte und meine rechtswirksame Kündigung zum 23. 12. 2012 bestätigte.

Fakt ist, hätte ich mich mit der Aussage der Mitarbeiterin und ihres Supervisors zufriedengegeben, hätte sich das Unternehmen 1200 Euro von mir erschlichen. Ich frage mich, mit wie vielen anderen Kunden machen sie das so? Wie viele Menschen lassen sich einschüchtern von kompetent klingenden, inkompetenten Mitarbeitern, und zahlen einfach weiter, anstatt auf ihrem Recht zu bestehen?