Hubschrauber-Absturz

„Wir sind geschockt“

Innensenator Henkel, der Regierende Bürgermeister Wowereit und Innenminister Friedrich sprechen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus

Die Transporthubschrauber der Marke Puma gelten ebenso wie die Eurocopter unter Experten als besonders sicher, die Helikopterpiloten der Bundespolizei werden allgemein als ausgewiesene Profis bezeichnet. Dennoch kam es am Donnerstagvormittag am Olympiastadion zu einer Katastrophe. Was als Übung begann, endete als Tragödie mit einem Toten, vier schwer und mehreren leicht verletzten Beamten.

Es waren dramatische Szenen, die sich auf dem Maifeld neben dem Olympiastadion abgespielt haben. Im großen Umkreis rund um den Unglücksort lagen Teile der völlig demolierten Hubschrauber. Die Wucht der Kollision hatte sie in alle Richtungen geschleudert. Die lange angekündigte Großübung wurde von zahlreichen Medienvertretern beobachtet, daher gab es frühzeitig Bilder von dem Unglück, die durch alle Medien gingen. Und schon bald gab es am Donnerstagnachmittag Reaktionen auf das tragische Geschehen.

Traumatisierte Beamte

Neben Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte sich auch der Präsident der Bundespolizei, Dieter Roman. „Wir haben einen toten Polizisten zu beklagen und sind bei den Angehörigen“, sagte Roman. Von geschockten Kollegen sprach Bundespolizeisprecher Maik Gauer. Zur Person des getöteten Beamten wollten beide nichts sagen. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt, bis vor Kurzem Chef der Berliner Bundespolizeibehörde, war am Donnerstag sofort zur Unglücksstelle geeilt, wollte am Nachmittag aber noch keine weiteren Stellungnahmen abgeben.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erschien am Donnerstagnachmittag verspätet in der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses, er kam direkt von der Unglücksstelle des Hubschrauberabsturzes. „Das ist ein schwerer Tag für Berlin“, sagte Henkel dann im Plenum. Neben dem Toten und den vier Schwerverletzten gebe es „eine Vielzahl verletzter und traumatisierter Beamter“, die das Unglück mitangesehen hätten. Henkel informierte die Abgeordneten über den Hergang und die Hintergründe des Unglücks. „Nach meinen ersten Erkenntnissen gab es beim Landeanflug starke Schneeverwehungen und dadurch stark eingeschränkte Sicht“, sagte Henkel zur Ursache des Absturzes. „Das war ein wirklich schwerer und dramatischer Unfall.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der am Donnerstag bei der Sonderkonferenz der Länderchefs zum Energiegipfel im Kanzleramt weilte, ließ über seinen Sprecher seine Betroffenheit über den tragischen Unfall mitteilen. „Berlin trauert um den toten Polizeibeamten und wünscht den verletzten Beamten die volle Wiederherstellung ihrer Gesundheit“, so Wowereit. Auch die Fraktionschefs im Abgeordnetenhaus drückten ihr Mitgefühl aus. „Den Verletzten und ihren Angehörigen wünschen wir viel Kraft und eine schnelle Genesung“, sagte etwa Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop.

„Der Unfall wird mit Sicherheit im Innenausschuss thematisiert werden, um die Wahrscheinlichkeit eines solch tragischen Ereignisses in Zukunft zu verringern“, sagte Piraten-Fraktionschef Christopher Lauer. Auch der Vorsitzende der Linke-Fraktion, Udo Wolf, sieht nach dem Hubschrauberabsturz offene Fragen. „Es wird ausgewertet werden müssen, warum zur Übung eines Einsatzes gegen Hooligans Hubschrauber eingesetzt werden müssen“, sagte Wolf. „Ist das wirklich eine zielführende Einsatztaktik?“ Außerdem müsse die Frage beantwortet werden, warum die Übung bei so schlechtem Wetter durchgeführt worden sei.

Ähnlich kritisch äußerte sich Wolfs Brandenburger Parteifreund Jürgen Maresch. Der Landtagsabgeordnete aus Cottbus, ein ehemaliger Polizeibeamter, sagte, er habe selbst zahllose Einsätze gegen Fußball-Hooligans geführt, niemals sei es dabei zum Einsatz von Hubschraubern gekommen. Daher würde das Vorgehen bei der Übung ohne Zweifel viele Fragen aufwerfen. Auch Maresch sprach ungeachtet seiner kritischen Nachfrage von einem furchtbaren Vorfall. „Mein ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen des getöteten Polizisten und den anderen Verletzten“, sagte der Abgeordnete.

Müssen Hubschrauberflüge bei jedem Wetter stattfinden? Ist der Einsatz von Hubschraubern auch bei Einsätzen gegen Fußball-Hooligans zwingend nötig? Das sind nur zwei Fragen, die schon am Donnerstag kurz nach Bekanntwerden des Unglücks nicht nur von Politikern, sondern auch in vielen Internetforen gestellt wurden.

„Keine Schönwetterpolizei“

Gegen die kritischen Stimmen über die Zulässigkeit von Flugmanövern bei derartigen Witterungsbedingungen wandte sich am Nachmittag der stellvertretende Vorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Hans Joachim Zastrow. „Sie können absolut sicher sein, dass die Bundespolizei Einsätze mit Hubschraubern nur fliegt, wenn die Sicherheit gewährleistet ist“, stellte Zastrow klar. Die Auffassung bekräftige auch Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Er hält Hubschraubereinsätze auch bei schlechtem Wetter für notwendig. Einsätze gegen Fußball-Hooligans müssten bei jedem Wetter geprobt werden, weil auch Fußballspiele bei jedem Wetter stattfänden. „Wir sind keine Schönwetterpolizei“, sagte Wendt in einem Zeitungsinterview. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll auch bei der Einsatzbesprechung vor Beginn der Übung ausführlich die Frage erörtert worden sein, ob der Einsatz der Hubschrauber zu verantworten ist. Das wurde offenbar bejaht. Zu diesen Fragen wollte sich Bundesinnenminister Friedrich, oberster Dienstherr der Bundespolizei, nicht äußern. „Ich bin in diesen Stunden zunächst einmal bei den Angehörigen des toten Beamten“, sagte der Minister.

Noch ist allerdings nicht einmal klar, ob tatsächlich das schlechte Wetter die Ursache für das Unglück ist. Auch einen technischen Defekt wollen die mit den Untersuchungen befassten Experten vorerst nicht ausschließen. „Unsere Untersuchungen gehen stets in alle Richtungen, und jede Eventualität wird sorgfältig überprüft“, sagte ein Mitarbeiter des Luftfahrtbundesamtes. Mit Ergebnissen, so der Fachmann, könne unter Umständen aber erst nach Wochen gerechnet werden. Wie lange die Untersuchungen in diesem Fall dauern könnten, darüber wollte sich am Donnerstag keiner der Verantwortlichen äußern.

Öffentliches Training abgesagt

Das Unglück war auch Thema während des Trainings der Zweitliga-Fußballer von Hertha BSC. Die Fußballer hatten regulär ab 10 Uhr auf dem Schenckendorffplatz im Olympiapark trainiert. Während des Trainings waren zunächst rund 20 Einsatzfahrzeuge, vor allem von der Polizei, aber auch Krankenwagen, in hoher Geschwindigkeit durch den Olympiapark gefahren. Zudem drehten Hubschrauber im auffälligen Tiefflug zwei Runden um das Stadion und überquerten auch das weitläufige Trainingsgelände. Gegen 10.30 Uhr, die Hubschrauber hatten just zuvor den Platz überflogen, gab es einen ohrenbetäubenden Schlag. Dann herrschte Stille. Als die Mannschaft das Training gegen 11.15 Uhr beendete, informierte Mediendirektor Peter Bohmbach die Profis auf dem Platz über den Absturz auf dem Maifeld, das Luftlinie 500 Meter entfernt liegt. Kapitän Peter Niemeyer sagte: „Wir sind geschockt. Ich hoffe, dass es den Verletzten rasch besser geht.“ Am Mittag teilte der Verein mit, dass das Nachmittagstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, weil das Gelände weiträumig von der Polizei abgesperrt wurde.