Serie: Unsere Mütter, unsere Väter

„Der Film gleitet ab in alte Klischees“

Klaus Hesse ist Hauptkurator der Stiftung Topographie des Terrors. Der Historiker beschäftigt sich vor allem mit NS-Fotografien

„Bei ‚Unsere Mütter, unsere Väter‘ war ich von der Requisite überwiegend beeindruckt. Uniformen, militärisches Geschehen an der Front, Straßenszenen – das ist weitgehend gründlich und korrekt gemacht worden. Umso ärgerlicher, wenn es doch Ausreißer gibt: Das Büro des Gestapo-Sturmbannführers ist viel zu groß. Es gab im Reichssicherheitshauptamt und der SS-Führung in Berlin 1942 etwa 60 Sturmbannführer und 15 Obersturmbannführer, so etwas Besonderes war das nicht, keiner hat ein solches Zimmer gehabt.

Zudem gleiten die Hauptpersonen in Klischees ab, die es schon seit den 50er-Jahren im Film der Bundesrepublik gegeben hat: etwa das Bild des wohlerzogenen jungen Offiziers, der für seine Truppe da ist, sich selbst als nicht politisch sieht und von den Nazis missbraucht wird, Verbrechen zu verüben. Im Gegensatz dazu die dämonisierten Täter von Gestapo und SS, die im sadistischen Exzess kleine Mädchen erschießen. Obwohl es das natürlich häufig gegeben hat, kann es subtil dazu führen, das Verhalten der Wehrmacht erneut zu entschuldigen. Aber Wehrmacht und SS haben 1941 beim Mord an den sowjetischen Juden und Kriegsgefangenen weitgehend konfliktfrei kooperiert. Über den Nationalsozialismus lernt man durch den Film wenig, aber er hilft, den Blick auf die eigene Familiengeschichte zu lenken.“