Gartenlust

An die Schnittblumen denken

Gabriella Pape über klassische Dahlien und duftende Wicken

Inspiriert durch einen Artikel der bekannten englischen Gärtnerin Sarah Raven ist mir aufgefallen, dass wir an der Gartenakademie viel zu wenige Schnittblumen in unseren Beeten heranziehen. In England ist dies zum großen Trend geworden. Denn vielen englischen Gartenbesitzern ist die Blumenauswahl beim Floristen zu einseitig. In jedem guten Garten sollte ein Plätzchen vorgesehen sein, an dem die nützlichsten ein- und zweijährigen Pflanzen für die Vase herangezogen werden. Es empfiehlt sich, sie nicht mitten in den Staudenrabatten zu säen, wahrscheinlich traut man sich später nicht, sie aus dem Beet heraus zu pflücken. Jedenfalls geht es mir so. Sollten Sie aus anderem Holz geschnitzt sein als ich, können Sie natürlich Ihre Schnittblumen im Staudenbeet verteilen. Der Klassiker ist die Dahlie. In England ist ein richtiger Hype um sie entstanden. Erst jüngst habe ich dort in einem Gartencenter Dahlientüten entdeckt, die jeweils sechs Knollen von sechs gleichfarbigen Dahlien mit unterschiedlichen Blütenformen enthielten. Toll! Die Dahlie ist eine der haltbarsten Schnittblumen in der Vase und in fast jeder Farbe, außer in Blau, zu haben. Da Dahlien erst im Herbst im Garten blühen, man aber schon im Frühjahr ein paar Blüten aus dem Garten schneiden möchte, sollte man sich gut überlegen, für welche Saat man sich entscheidet. Dafür ist jetzt der richtige Moment. Es gibt viele schöne Blumenkataloge, in denen sich altbewährte Gartenblumen neu erfinden. Da gilt es, seine Auswahl gut über das Gartenjahr zu verteilen.

Einige der Frühjahrsblüher, die als Schnittblumen geeignet sind, sollten schon im Herbst in den Boden: die Märzenbecher, die Osterglocken und Allium atropurpureum. Bei den Osterglocken sind die Sorten zu bevorzugen, die einen sanften Duft verströmen, wie Narcissus ‘Paperwhite‘ oder N. ‘Sugarbush‘. Auch sind Tulpen ein Hit als Schnittblumen, wobei ich finde, dass die Sorten der Papageientulpen für die Vase effektiver sind als die eleganten lilienblütigen. Eine völlig unterschätzte Gattung duftender Gartenschnittblumen sind die Bartnelken. Es gibt diese zwei- und mehrjährigen Blumen in unglaublicher Farbenvielfalt. Wer keine bunte Mischung mag, sollte von Thompson und Morgan die schneeweiße Dianthus barbatus Albus ausprobieren, die sogar duftet. Bartnelken werden im Sommer entweder direkt ins Beet ausgesät oder im Topf vorgezogen und im Spätsommer ins Beet ausgesetzt. Die erste Blüte findet im darauffolgenden Mai statt.

Ein echter Hingucker ist Angelica archangelica; sie lässt sich gut in ein Beet integrieren und in Vasen dekorieren. Sie ist eine dankbare, zweijährige Pflanze, die sich großzügig selbst aussät. Für den Sommer sollte man keinesfalls auf Kornblumen verzichten. Diese gibt es kaum mehr zu kaufen – schon gar nicht die ungewöhnlichen Sorten wie Centaurea cyanus ‚Blue Boy’ oder ‚Black Boy’. Die beste Zeit, sie auszusäen, ist von September bis März. Der Renner auf dem englischen Blumenmarkt ist Ammi majus, zu deutsch Knorpelmöhre, aber lassen Sie sich dadurch nicht abschrecken, es ist ein hinreißend schöner doldenstrahliger Sommerblüher, der sich gut und lange in der Vase hält. Ammi wird von Januar bis Februar – ich denke, es ginge noch im März – drinnen ausgesät. Und wenn Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie jetzt Wicken in allen möglichen Formen und Farben aussähen, von Januar bis April ist die beste Zeit. Achten Sie beim Kauf der Saat darauf, dass die Sorten auch duften. Das trifft schon lange nicht mehr auf alle zu und schon gar nicht auf die fusseligen Überzüchtungen.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.