Immobilien

Wohnen im Container

In Plänterwald entsteht ein Quartier mit Appartements für 400 Studenten

Wohnen in Berlin kann zum Abenteuer werden. Vor allem während des Studiums. Abenteuerlich und modern sieht sie jedenfalls aus, die neue Unterkunft für junge Leute an den Berliner Hochschulen und Universitäten: wie ein Dorf aus Frachtcontainern. Jeder Container wird zur kleinen Wohnung von rund 30 Quadratmetern Größe. Die Container-Kolonie wird in Plänterwald errichtet, einem Ortsteil in Treptow-Köpenick. Auf einem Grundstück an der Eichbuschallee 51 sollen sich die ungewöhnlichen Quartiere aneinander- und übereinanderreihen. Aber nicht wie auf dem Frachtschiff oder im Hafen, sondern sorgsam arrangiert.

Baubeginn ist im Sommer

Deshalb hatte Investor und Initiator des Projekts, Jörg Duske, einen Wettbewerb für Architekten ausgeschrieben. Gewonnen hat ihn das Büro Holzer Kobler Architektur aus Zürich. Baubeginn für die ersten 50 bis 70 Appartements ist im Juli. Die ersten Studenten ziehen im Herbst ein. Im Sommer 2014 soll das Dorf mit 400 Containern fertig sein. Ab Mai können sich Interessierte auf der Homepage „eba51.de“ für die Wohnungen bewerben. Die Höhe der Miete stehe noch nicht genau fest, sagte Duske. Sie werde voraussichtlich bei sieben Euro je Quadratmeter warm betragen, etwa 220 Euro je Container und Monat. Südlich und östlich des Areals, auf dem die Anlage entsteht, verlaufen Gleise der S-Bahn und der Regionalbahn.

Die Frachtcontainer sind neu, aus nicht rostendem Stahl gefertigt, sie werden eigens für das Projekt umgebaut. Sie sind zwölf Meter lang, je 2,50 Meter hoch und breit. Die Studenten können in komplett eingerichtete Räume ziehen. Jede Behausung ist mit Küche, Duschbad, Schlafzimmer mit Schrank und einem Wohn- und Arbeitsbereich ausgestattet. „Wer sich seine Einrichtung mitbringen will, kann den Container auch unmöbliert mieten“, sagte Jörg Duske. Einige Appartements bekommen sogar einen Balkon oder eine Terrasse. Im Internet werde man Vorschläge für die Gestaltung der Decken zeigen, unter denen die Mieter auswählen könnten. Außerdem wird ein vielfältiger Service geboten: darunter Waschservice und Fahrradreparatur. Ein Café ist geplant, eine Grillwiese wird angelegt. „Das Projekt wird in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt von Treptow-Köpenick entwickelt“, sagt Duske. Das Amt werde bei der Farbe der Fassaden mitreden. Auch ein Lichtkonzept wird es für die Anlage geben. Zu den Rahmenbedingungen gehört, dass nur vier Container übereinander gestapelt werden dürfen. Rund 13 Millionen Euro wird die Presto 46. Vermögensverwaltung GmbH investieren. Eine Betreibergesellschaft werde sich um das Areal kümmern, sagte Geschäftsführer Jörg Duske. Sie sei jedoch noch nicht bestimmt.

Beim Architektenwettbewerb für das Containerdorf hatten sich mehr als 100 Büros beworben. Gefragt waren Vorschläge für das Innendesign der Container, für die Fassaden und für die Außenanlagen. 15 Entwürfe wurden schließlich zugelassen und von einer Fachjury bewertet. „Die Auswahl war schwer, alle Entwürfe waren sehr gelungen“, sagte Jörg Duske. Bei Facebook gab es Ende Februar ein öffentliches Voting. Fast 1000 Likes habe es gegeben, sagt der Geschäftsführer, die Reichweite liege sogar bei 40.000. Eine Studentin, die sich intensiv beteiligte, bekomme drei Monate Gelegenheit, mietfrei im Container zu wohnen. Auch bei Facebook fanden die Pläne des Büros Holzer Kobler Architekturen große Zustimmung. „Frankie&Johnny“ heißt ihr Entwurf. „Der Name steht stellvertretend für Bewohner aus der ganzen Welt, die dort zusammenkommen“, sagte Cornelia Schwarte, Architektin im Berliner Büro von Holzer und Kobler. Die Container sollen in zwei langen, gegenüberliegenden Reihen aufgestellt werden, „wie zwei Gebäuderiegel“. Sie seien weit weg von den Bahnschienen. „Dadurch ist die Bebauung verdichtet, und der Freiraum ringsum bleibt groß.“ Die Zone zwischen den beiden Containerriegeln sei entscheidend, „denn dort trifft man sich, das ist der Ort für Kommunikation“. Holzbänke sollen aufgebaut werden, im Erdgeschoss werden sich Veranstaltungsräume, Ateliers für die Studenten, das Café und die Fahrradwerkstatt befinden. Auch die Eingänge in die Container sind zu dieser Zwischenzone hin ausgerichtet. Vor den Containern sind Laubengänge installiert, über welche die Bewohner zu den Außentreppen gelangen. Diese Laubengänge werden mit Ranken begrünt. Die Tür an der Rückwand der Frachtbehälter werde zu einer Art Fensterladen umgestaltet, so Architektin Schwarte. Das diene auch dem Lärmschutz. Zum Laubengang hin werde eine Glaswand eingesetzt. Erwogen wird auch „urban gardening“: Die Studenten könnten Gemüse auf den Dächern anbauen.

Ideen für Zwischennutzung gefragt

Das Grundstück in Plänterwald ist rund 11.000 Quadratmeter groß. Von Mai bis September soll das Areal für eine Zwischennutzung zur Verfügung stehen. Jörg Duske will erneut bei Facebook einen Aufruf starten und nach Ideen für diese Nutzung fragen. Die Architektenentwürfe des Wettbewerbs für das Studentendorf sollen ab Ende März öffentlich gezeigt werden. Sie werden in der Galerie F37 an der Fasanenstraße in Charlottenburg ausgestellt. Die ersten Container für die neue Siedlung werden in Amsterdam produziert. Eine Firma aus der niederländischen Stadt wird den Aufbau in Berlin organisieren. Sie habe bereits Erfahrung aus dem Bau von Studentenunterkünften in Frachtbehältern, sagte Jörg Duske.