Tarifkonflikt

GEW fordert weiter einen eigenen Tarifvertrag

Lehrer sind mit Einigung in Potsdam noch nicht zufrieden

Mehr Geld für die Angestellten in Höhe von 5,6 Prozent, aber kein bundesweit einheitliches Tarifwerk für die Lehrer – auf dieses Ergebnis nach drei Verhandlungsrunden ist die Reaktion der Berliner Lehrergewerkschaft GEW zweigeteilt. Man müsse beide Teile klar bewerten, sagt Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW. „Was wir in den materiellen Dingen erreicht haben, ist gut“, so die Vorsitzende. 5,6 Prozent sei beachtlich und liege über dem Wert, den sie sich überhaupt erhofft hatten, zu erreichen. Auch die vereinbarten 30 Urlaubstage seien ein Erfolg, für den vor allem die Erzieherinnen auf die Straße gegangen sind und die jetzt Grund zur Freude hätten. Beide Ergebnisse seien „respektabel“.

„Unmoralisches Angebot“

Das in den Verhandlungsrunden von Arbeitgeberseite vorgeschlagene Tarifwerk für die Lehrer bezeichnete sie hingegen als „unmoralisches Angebot“. Den Vorschlag hätten sie nicht annehmen können, weil damit die Lehrer im Osten abgehängt worden wären, sagt Baumgardt. Sie sollten dem Papier zufolge immer noch schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen im Westen. Mit dem Gegenentwurf eines Tarifvertrages, der eine bundesweit einheitlichen Regelung Ost und West vorsah, hätte sich die GEW nicht durchsetzen können.

Für Berliner Lehrkräfte gilt derzeit allerdings eine Sondersituation. Um die ungleiche Bezahlung vor allem von Junglehrern, die nur noch angestellt werden und ihren verbeamteten Kollegen zu mildern, gibt es seit 2009 im Land Berlin eine übertarifliche Regelung für angestellte Lehrer. Sie werden sofort in die höchste Gehaltsstufe eingruppiert. Diese Regelung soll bis 2017 gelten. „Das ist aber eine einseitige Regelung, bei der die Pädagogen kein Mitspracherecht haben“, sagt die GEW-Vorsitzende.

Von den 800.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst gebe es 200.000 Lehrer, die ohne Tarifvertrag allein von der Entscheidung des Arbeitgebers abhängig wären. Das werde man so nicht auf sich beruhen lassen. „Wir wollen diesen Eingruppierungstarifvertrag und werden weiter Druck machen“, kündigt sie an. Das Ergebnis der Tarifverhandlungen werde zunächst bei einem Treffen der Berliner GEW bewertet und dann das weitere Vorgehen beschlossen. Eine Fortsetzung von Streiks und Demonstrationen wollte sie nicht ausschließen.