Sicherheit

Mängelliste am BER wird immer länger

Inzwischen schon 40.000 Probleme auf der Baustelle

Die Liste der Probleme am Pannen-Airport BER wird von Tag zu Tag länger. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ jetzt berichtet, haben Experten in einem Sachstandsbericht an den Flughafen-Aufsichtsrat bereits 40.000 Einzelmängel aufgeführt. Das sind doppelt so viele Schäden und Fehlfunktionen am neuen Hauptstadtflughafen wie noch in dem Bericht vor einem Monat. Rund 8000 Mängel, das entspricht einem Anteil von 20 Prozent, sind laut Bericht so gravierend, dass sie die Eröffnung und die Betriebserlaubnis des neuen Airports gefährden können. Sie werden in die Kategorie eins der vierstufigen Mängelliste eingestuft. Als betriebsgefährdend werden dabei Probleme beim Brandschutz, bei den Türen, der Belüftung, der Beschilderung und der IT-Technik angesehen. Bis zu 20.000 Mängel, also fast die Hälfte der aufgelisteten Probleme, sollen leichte Bauschäden wie kaputte Fensterscheiben oder Setzrisse in den Wänden sein. Sie werden in der Kategorie vier eingestuft.

Ein Sprecher der Flughafengesellschaft sagte dazu, ihm sei der Bericht nicht bekannt. Die genannte Zahl sei zudem irreführend. „Das entscheidende Problem am BER ist und bleibt der Brandschutz“, sagte er der Berliner Morgenpost.

Für den Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, ist die immer detailliertere Mängelliste ein wichtiges Arbeitsinstrument. „Mit diesem Instrument erreichen wir eine gnadenlose Transparenz. Für jede fehlende Schraube gibt es ein Datenblatt“, sagte er dem „Focus“. Darauf seien Termine, Kosten, Maßnahmen und die für die Mängelbeseitigung zuständigen Firmen und Personen vermerkt. Geschönte Berichte an den Aufsichtsrat seien jetzt nicht möglich.

Eröffnung nicht vor 2015

Inzwischen verdichten sich immer mehr die Anzeichen, dass der neue Großflughafen, der die bestehende Airports in Tegel und Schönefeld ersetzen soll, frühestens im Frühjahr 2015 eröffnen kann. Dafür spricht die Personalie Hartmut Mehdorn. Der bereits 70 Jahre alte Manager war erst am Freitag zum neuen Flughafen-Chef berufen worden. Mit dem ausdrücklichen Auftrag, den BER an den Start zu bringen, erhielt er vom Aufsichtsrat einen Drei-Jahres-Vertrag. Seine Amtszeit würde somit Anfang 2016 enden. Für dieses Zeitszenario spricht auch, dass das Dienstverhältnis von Brandenburgs Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider erst jüngst bis Ende 2015 verlängert wurde. Zu diesem Zeitpunkt sollte der einstige Staatssekretär längst in Pension sein. Seit August 2012 sind die Arbeiten am BER weitgehend zum Erliegen gekommen. Gerade einmal 300 Bauleute sollen derzeit vor Ort sein. Ursache dafür sind fehlende Pläne zur Lösung der vielen Funktionsprobleme insbesondere bei der Brandschutztechnik. Gegenwärtig erfolgt eine umfassende Analyse des Bauzustands, die im Juni 2013 abgeschlossen sein soll. Laut Technik-Chef Horst Amann kommt die Bestandsaufnahme gut voran. Erst danach könne seriös gesagt werden, bis wann der BER fertiggestellt werden kann. Experten gehen davon aus, dass für alle Arbeiten und behördlichen abnahmen noch ein Jahr benötigt wird, ein weiteres halbes Jahr werde für den Probebetrieb gebraucht. Auch nach diese Rechnung ist eine Inbetriebnahme vor 2015 kaum möglich.