Gartenlust

Ein arbeitsreiches Wochenende

Gabriella Pape über den Start in die Gartensaison

Kaum bringt die Sonne mehr als sieben Stunden Licht und Wärme in unser Leben, stürzen wir uns mit großer Euphorie und Begeisterung auf den Garten, die Terrasse oder den Balkon. Mir geht es auch so und das erste Gefühl, das sich bei mir einstellt, ist Euphorie; große Mengen Serotonin bringen Glücksempfindungen in meine Seele. In kurzem Abstand folgt dann allerdings gnadenlose Panik. Ich stehe im Garten und als ob es ihn gestern noch gar nicht gegeben hätte, drängen sich aus allen Ecken schier nicht zu bewältigende Aufgaben und Herausforderungen.

Der Rasen sieht grässlich aus und nur mit viel Vorstellungskraft erinnert man sich an das satte Grün vom letzten Jahr. Der Gemüsegarten präsentiert sich völlig zerfressen und zerzaust, als wären riesige Schwärme von Heuschrecken über ihn hergefallen. Das Obst will geschnitten werden, in Kürze auch die Rosen. Mein Nachbar hat schon seinen Kompost gesiebt (Streber!) und oh je, die Wühlmäuse haben wohl doch keine Zwiebeln für mein Osterbeet übrig gelassen. Ja, mir geht es genau wie Ihnen und das, seit langer, langer Zeit, jedes Jahr wieder. Wie damit umzugehen ist? Ganz einfach: Stiefel an und in die Hände gespuckt.

Diejenigen, die Krach und Schweiß mögen, eilen sofort in den Maschinenverleih, um sich einen Vertikutierer zu besorgen. Ich empfehle, vorher dort anzurufen, denn wie in jedem Jahr werden Sie feststellen, dass Sie nicht der einzige Fan dieser Arbeit sind. Wer nicht ganz so viel Wert auf körperliche Anstrengungen legt, sollte es einmal mit dem organisch-mineralischen Mikro-Rasendünger probieren, zum Beispiel einem NPK (Natrium, Phosphor, Kalium) -Dünger mit Magnesium von Manufaktum. Zellulosezersetzende Mikroorganismen sind die Hauptakteure in diesem Dünger; sie helfen den Filz im Rasen zu zersetzen und somit die leidige Moosentwicklung zu stoppen. Hört sich fast an wie eine betrügerische Schnelldiät… well, dann vertikutieren Sie einfach.

Ganz gleich für welche Methode Sie sich in diesem Jahr entscheiden, wichtig ist, den Rasen vor dem Düngen und Nachsäen sehr, sehr kurz zu mähen (auf ein bis zwei cm) und das Schnittgut mit einem aggressiven Rechen zusammenklauben und unbedingt zu entfernen. Der Gemüsegarten und die Staudenbeete sollten jetzt völlig herunter geschnitten werden, bis auf die Rosen, für die ist es noch ein wenig zu früh. Den Gemüsegarten bitte von allen halbverwesten Restbeständen befreien und dann eine kräftige Portion Dünger sowie eine fünf bis zehn cm dicke Schicht Gartenkompost aufbringen. Sie haben keinen? Dann fragen Sie einmal bei Ihrem Recyclinghof nach, dort gibt es nimmer endend schöne schwarze Komposterde, die Leben und Struktur in Ihre Beete und Gartenflächen bringt. Es wird nämlich heute nicht mehr wirklich umgegraben, es sei denn, man möchte einer lange brach gelegenen Gartenfläche neues Leben einhauchen. Aber bei einem gut entwickelten, normalen Gartenboden bringt Graben nur Unruhe ins Beet. Außerdem brauchen Sie Ihre Energie noch für all die anderen Aufgaben, die Sie entdeckt haben.

Die Terrassenkübel hatte ich vergessen, die sehen jetzt auch schrecklich aus. An einigen sind Stücke abgesprungen, weil wir es leid waren, sie in den Keller zu tragen. Und jetzt ärgern wir uns, müssten wir aber nicht, denn manche geben viel dafür Geld aus, Töpfe wegen dieses maroden Charmes im Ausland zu kaufen und nach Hause zu tragen. Topf hin oder her, getopft und umgetopft werden muss trotzdem bald, aber das kann noch ein wenig warten.

Welche Gehölze jetzt zu schneiden sind, kann man mit folgender einfacher Grundregel herausfinden: Alles, was nicht vor Juni blüht, kann jetzt geschnitten werden. „Wie viel?“, werden Sie fragen. Immer so viel, wie Sie sich zutrauen und manchmal noch ein bisschen mehr. Bis Sie das alles geschafft haben, ist Montag, Muskelkatertag. Herrlich.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.