Personalien

Personalagentur sucht jetzt nach einem neuen BER-Chef

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit verzichtet auf Selbstkritik nach der Absage des Beraters Bender

Nach dem erneuten Debakel bei der Suche nach neuem Führungspersonal für die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) und den Hauptstadtflughafen BER wächst die Sorge, dass sich so schnell kein neuer Vorstandschef finden lässt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich am Dienstag allerdings wenig bewegt von den neuen Entwicklungen am BER. „Am Freitag ist eine Personalagentur mit der Suche eines neuen Geschäftsführers beauftragt worden“, sagte Wowereit auf der wöchentlichen Pressekonferenz des Senats. Er gehe davon aus, dass die Suche bereits laufe.

Eigentlich hätte der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, in der vergangenen Woche den Posten als Chefberater der angeschlagenen Flughafengesellschaft antreten sollen. Doch seine Vorstellung musste kurzerhand abgesagt werden. Die drei Gesellschafter – Berlin, Brandenburg und der Bund – waren sich noch nicht über den Beratervertrag für den renommierten Flughafen-Manager einig. Für Dissens sorgte offenbar vor allem dessen Bezahlung. Vorgesehen war ein Tagessatz in Höhe von 2500 Euro. Doch Bender hatte mit dem Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba (CDU) zusätzlich 1500 Euro für Spesen ausgehandelt. Wowereit intervenierte. „Ein Mitglied des Aufsichtsrats hat sich nicht entsprechend informiert gefühlt“, sagte Bomba im Nachhinein. „Da fasse ich mir auch an meine eigene Nase.“ Am Montag sollte Benders Vertrag im Präsidialausschuss des Aufsichtsrates besprochen werden. Doch kurz vor der Sitzung sagte der Manager ab.

Der 68-Jährige begründete seinen Rückzug auch damit, dass Informationen über seinen Vertragsentwurf an die Öffentlichkeit gelangt waren. Bender sprach von „Vertrauensbruch“.

Wenig Verständnis

Wowereit brachte am Dienstag für diese Kritik wenig Verständnis hervor. Der BER, so sagte er, stehe unter besonderer Beobachtung. „Viele Informationen, die eigentlich intern sind, geraten nach außen.“ Das sei zwar bedauerlich, er gehe aber davon aus, dass man um diesen Umstand wisse, wenn man mit dem BER zu tun habe. „Das muss auch in Frankfurt bekannt gewesen sein“, sagte Wowereit. Auch widersprach er Äußerungen Benders, sein Vertrag sei schon unterschriftsreif abgestimmt und dann von Berlin blockiert worden. Er habe gar keine Gelegenheit gehabt, sich zu den Gehaltsvorstellungen zu äußern. Der Vertrag sollte erst im Präsidialausschuss Thema sein.

Nach dem Willen der Brandenburger FDP-Landtagsfraktion soll Bender jetzt im Flughafensonderausschuss des Landtags gehört werden. „Nach seiner Absage stellt sich die Frage, ob das Flughafenprojekt überhaupt noch erfolgreich werden kann“, sagte der FDP-Landeschef und Abgeordnete Gregor Beyer. Die Brandenburger CDU sprach Platzeck eine „besondere Verantwortung“ für Benders Absage zu. Sein Kurswechsel beim Nachtflugverbot werde von Experten mit Kopfschütteln aufgenommen. „Das ist keine belastbare Grundlage für Fachleute, die von Flughafenbau etwas verstehen“, sagte Fraktionschef Dieter Dombrowski. „Solange die Gesellschafter sich nicht auf eine einheitliche Strategie zur Bewältigung der Probleme einigen können, sind alle Bemühungen vergebens“, sagte Dombrowski.

Der Umgang mit der Personalie Bender werfe das Projekt noch weiter zurück, befand der Brandenburger CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke. Es werde nun noch schwieriger werden, einen geeigneten Vorstandschef zu finden.

Der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Axel Vogel, wirft der regierenden SPD vor, „heillose Streitereien“ auf dem Rücken der beiden Bundesländer auszutragen. „Wowereit und Platzeck verschießen gerade alle Perspektiven für ein gemeinsames Bundesland“, sagte Vogel. Wowereits Reaktion auf die geplante Vorstellung Benders wird in Brandenburgs rot-roter Koalition als Retourkutsche für Platzecks Kehrtwende beim Nachtflug gesehen.

Der Aufsichtsrat tagt am kommenden Freitag erneut. Noch immer besteht kein vollständiger Überblick über das Ausmaß der Technikprobleme sowie der Planungsfehler und Baumängel auf der BER-Baustelle in Schönefeld.