Restaurant

Rosstikales Mittagessen

Im Graefekiez in Kreuzberg bietet ein Italiener – ganz offiziell – Pizza mit Pferdefleisch an

Das „Il Casolare“ ist schon zur Mittagszeit gut besetzt, das Personal spricht Italienisch, es duftet nach frischem Pizzateig, und die große Espressomaschine glänzt hinter dem rustikalen Holztresen. Das Restaurant im Kreuzberger Graefekiez scheint seinem Ruf als Kult-Trattoria alle Ehre zu machen. Auf der Speisekarte dominiert die Pizza. Es gibt sie in mehr als 20 verschiedenen Varianten; natürlich aus dem Holzofen. Damit unterscheidet sich das „Il Casolare“, zu deutsch „die Hütte“, aber nicht großartig von vielen anderen Italienern der Stadt. Bei der vorletzten Pizza auf der Karte muss man allerdings zwei Mal hinschauen. „Pizza Contadina“ steht dort in schnörkeliger Schrift. Dahinter verbirgt sich eine Pizza mit Pferdefleisch. Pferdefleisch auf einer Pizza – richtig gelesen.

„Die ist sehr beliebt bei den Kunden“, sagt Kellner Giancarlo. Fein durch den Fleischwolf gedreht wird das dunkle Pferdefleisch auf dem Pizzaboden mit frischen Champignons und viel Rucola angerichtet. „Ist alles frisch“, versichert Giancarlo. Für zahme Gaumen ist das Fleisch verhältnismäßig kräftig. Durchgedreht erinnert es von der Konsistenz her an Rinderhackfleisch. Im Geschmack ist das Pferd jedoch intensiver, eigenwilliger und eher holzig.

So außergewöhnlich die Kombination von Pizza und Pferdefleisch auch ist, das „Il Casolare“ ist nicht der einzige Ort, an dem man Pferdefleisch erstehen kann. In der Fleischerei in Penndorf in Schöneweide „gehen im Monat rund 30 Kilo Pferderouladen über die Theke“, sagt Fachverkäuferin Marina Grajetzki – natürlich werden diese auch als solche angepriesen. Weitere 30 Kilo werden in Form von Verarbeitungspferdefleisch an die Kunden als Hundefutter verkauft. „Wer sich auskennt, weiß, dass Pferdefleisch als Delikatesse gilt“, sagt die 58 Jahre alte Verkäuferin. Der Kilopreis liege mit etwa 15 Euro schließlich auch über dem des Rinderfleisches.