Kriminalität

Tunnel-Gangster ließen kartonweise Beute zurück

Volksbank: Übergabe von Schmuck dauert Monate

Nach dem Einbruch von Tunnelgangstern in den Tresorraum einer Filiale in Steglitz geht die Berliner Volksbank von mehreren Monaten Arbeit aus, bis die zurückgelassenen Wertsachen den Eigentümern übergeben sind. Und dies, obwohl das Geldinstitut die Anzahl der dafür bereitgestellten Mitarbeiter aufgestockt hat. Mittlerweile gebe es nur noch 24 geschädigte Kunden, die sich bisher nicht gemeldet haben und auch telefonisch nicht erreichbar waren, teilte die Sprecherin des Berliner Geldinstituts, Nancy Mönch, am Freitag mit. Diese Kunden würden nun erneut per Einschreiben um eine Kontaktaufnahme gebeten. Viele Wertsachen aus den aufgebrochenen Schließfächern – darunter Schmuck, Münzen und auch ganze Geldbündel – hatten die Täter im Tresorraum und im Tunnel zurückgelassen.

Nach Angaben von Mönch haben die Hälfte der 600 Bankkunden, deren Schließfächer nicht aufgebrochen wurden, inzwischen ihre deponierten Wertsachen überprüft. Zwei Mitarbeiter kümmerten sich darum, dass 40 bis 50 Kunden am Tag Zutritt zum Tresorraum erhalten. Verluste oder Schäden wurden laut Volksbank bislang nicht gemeldet – mit Ausnahme vereinzelter Rußrückstände an Kassetten. Die Einbrecher hatten vor ihrer Flucht an beiden Tunnelenden Feuer gelegt.

Von einer Tiefgarage eines benachbarten Gebäudes an der Wrangelstraße aus hatten die Tunnelgangster einen 45 Meter langen Gang gegraben, der in den Tresorraum der Volksbank-Filiale führte. Die über viele Monate andauernden Erdarbeiten waren nicht bemerkt worden, weil die Täter eine mit Rollgitter versehene Parkbox angemietet hatten und somit ungesehen arbeiten konnten. Bei der Anmietung der Parkbox hatten die Kriminellen einen niederländischen Pass benutzt, der sich als Fälschung erwies. Das für das Dokument benutzte Foto hatten die Täter aus dem Internet kopiert. Der darauf abgebildete junge Mann aus Wuppertal war dadurch kurzzeitig in die Fahndung der Polizei geraten.

In dem Tresorraum brachen die weiter unbekannten Täter in der Nacht zum 14.Januar 309 Schließfächer auf. Davon waren 294 vermietet. Die Polizei spricht von einer ungewöhnlich hohen Trefferquote. Denn nur rund die Hälfte der 1600 Fächer im Tresorraum waren belegt. Bei der Polizei sind bisher 380 Hinweise aus der Bevölkerung zu dem spektakulären Tunnelcoup eingegangen. Eine konkrete Spur zu den Tätern fehle aber weiterhin, sagte eine Polizeisprecherin.