Straßenschäden

Fahrspur gesperrt: Auch die Autobahn wird brüchig

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Helga Labenski und Brigitte Schmiemann

Reparatur-Trupps der Bezirke für die Schlaglöcher kommen mit dem Flicken kaum hinterher

Tiefe Löcher im Asphalt machen Berlins Straßen für Autofahrer und Radfahrer zunehmend zu Hindernisparcours. Das aktuelle Tauwetter mit leichtem Frost in den Nächten verschärft die Situation von Tag zu Tag. Selbst auf den Autobahnen wird der Belag brüchig. So wurden am Montag auf dem Berliner Stadtring in Fahrtrichtung Wedding großflächige Fahrbahnschäden entdeckt. Der rechte Fahrstreifen der A100 zwischen den Anschlussstellen Halenseestraße und Kaiserdamm musste gesperrt werden. Nach Mitteilung der Verkehrslenkung Berlin ist noch nicht abzusehen, wann die Fahrbahn wieder freigegeben werden kann.

Auch bei der Berliner Morgenpost melden sich täglich Leser, die sich über Schlaglöcher ärgern. Die schlimmste Schlaglochstraße sei der Maximiliankorso, vor allem Ecke Sigismundkorso, schreibt Ursula Brüggemann aus Frohnau. Heidi Köhler beschwert sich über Schlaglöcher rund um den Breitenbachplatz in Dahlem, die den Autofahrern zu schaffen machen. Auch in der Buggestraße 16 in Steglitz befinde sich ein sehr großes Loch.

Die Bezirke kommen mit den Reparaturen der Winterschäden kaum nach. Einige Ämter wie in Steglitz-Zehlendorf haben längst einen Schlaglochmelder eingerichtet, bei dem die Bevölkerung der Behörde Schäden per E-Mail mitteilen kann. „Derzeit ist dort natürlich Hochsaison“, sagt Stadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne), in Steglitz-Zehlendorf für Tiefbau zuständig. Durchschnittlich 15 E-Mails von Bürgern gingen pro Woche beim Schlaglochmelder (www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/verwaltung/bauen/tiefbau/schlagloch.php) ein. Derzeit seien es doppelt so viele. Der Bezirk bemühe sich, kurzfristig auf die Beschwerden zu reagieren. Doch derzeit kämen die Bautrupps kaum nach.

Auch die Spandauer helfen dem Tiefbauamt seit Jahren durch ihre Benachrichtigungen (schlaglochmelder@ba-spandau.berlin.de). „Der Schlaglochmelder wird bei uns sehr gut angenommen. Das hilft uns“, sagt Antje Uebelgünne, Gruppenleiterin für die Straßenaufsicht und -unterhaltung in Spandau. Pro Tag erreichten das Tiefbauamt durchschnittlich zehn bis 15 Meldungen, nach einem Wochenende seien es erfahrungsgemäß mehr. Auch in Spandau ist der Zustand der Straßen flächendeckend schlecht. Vier Straßenbegeher sind jeden Tag im Einsatz. „Doch durch den Frost-Tau-Wechsel brechen die gerade reparierten Flächen schnell wieder auf“, beklagt Antje Uebelgünne. Vor dem vergangenen Wochenende musste der Ritterfelddamm in Kladow für anderthalb Stunden wegen Flickarbeiten sogar voll gesperrt werden.

In Reinickendorf ist nach Angaben von Baustadtrat Martin Lambert (CDU) eine Firma täglich mit drei Wagen im Einsatz, um die schlimmsten Löcher mit Kaltasphalt auszubessern. Lambert fordert für Berlins Bezirke höhere Straßenunterhaltungs- und -investitionsmittel. „Jeder Euro in Straßenbaumaßnahmen spart Ausgaben für das Füllen von Schlaglöchern“, sagt Lambert. Neben den aktuell aufgetretenen Winterschäden würden alle Bezirke noch immer einen Investitionsstau in Millionenhöhe bei der verkehrlichen Infrastruktur vor sich herschieben.

Wie berichtet, will das Land die Bezirke 2013 wie im Vorjahr mit einem Schlagloch-Sonderprogramm in Höhe von 25 Millionen Euro unterstützen. Zwölf Millionen Euro, die 2012 nicht verbaut wurden, sollen zusätzlich in diesem Jahr für Straßeninstandsetzungen den Bezirken zur Verfügung stehen. Allerdings kritisieren nicht nur Bezirkspolitiker, sondern auch Verbände, dass das Land zu wenig Geld für die Instandhaltung bereitstellt. So schätzt der Automobilclub ADAC den Finanzbedarf zur Sanierung des Berliner Straßennetzes auf 500 Millionen Euro.

Über welches Schlagloch haben Sie sich zuletzt geärgert? Schreiben Sie uns, auch gern mit Fotos: E-Mail: aktionen@morgenpost.de . Fax: 25917-3049. Brief oder Postkarte an: Berliner Morgenpost, Brieffach 0718 in 10867 Berlin. Wir geben die Hinweise an die Bezirksämter weiter