Inklusionskonzept

7,4 Prozent aller Schüler haben Förderbedarf

Beirat legt Konzept für gemeinsames Lernen vor

Berlin hat ein neues Inklusionskonzept. Der Landesbeirat für Inklusion unter Vorsitz der ehemaligen Bildungssenatorin Sybille Volkholz (Grüne) hat das Konzept erarbeitet und sich dabei auf bereits bestehende Pläne der Bildungsverwaltung gestützt. In diesem Konzept geht es darum, dass möglichst alle Berliner Schulen künftig auch behinderte Kinder aufnehmen und diese gemeinsam mit den anderen Schülern lernen können. Nun müssen noch der Senat und das Abgeordnetenhaus über das Konzept entscheiden. Geplant ist, dass es mit Beginn des Schuljahres 2014/15 umgesetzt wird.

Laut Sybille Volkholz ist der Beirat davon ausgegangen, dass derzeit 7,4 Prozent aller Berliner Schüler förderbedürftig sind. 5,4 Prozent dieser Schüler hätten Förderbedarf beim Lernen, der Sprache oder bezüglich ihres emotional-sozialen Verhaltens. Ziel sei es, zunächst diese Schüler in die Regelschulen zu integrieren. Bis zum Jahr 2020 sollten dann auch möglichst viele geistig oder körperlich behinderte Kinder an den Regelschulen aufgenommen werden. Zu diesem Zweck würden Schwerpunktschulen geschaffen.

Pauschale Zuteilung

Volkholz sagte, dass man mit dem neuen Konzept zur pauschalen Zuteilung von Förderstunden und Sonderpädagogen übergehen werde. Entsprechend dem Anteil der Kinder, deren Eltern von der Lernmittelzuzahlung befreit sind, soll die Quote der zusätzlichen Förderstunden bei mindestens 2,5 und höchstens 5,5 Stunden pro Klasse und Woche liegen. Entsprechend müssen die Schulen mit Sonderpädagogen ausgestattet werden. In der ersten und zweiten Klasse gebe es bereits jetzt pauschal vier zusätzliche Förderstunden pro Klasse, so Volkholz.

Neu ist auch, dass der Förderbedarf der Kinder künftig von den Lehrern festgestellt werden soll. Gegenwärtig gibt es noch eine spezielle Förderdiagnostik. Die soll dann entfallen. „Die Lehrer werden entsprechend fortgebildet“, sagte Volkholz. Außerdem werde es spätestens 2015 in jedem Bezirk ein spezielles Beratungszentrum für inklusive Pädagogik geben. Das soll Lehrer wie Eltern unterstützen und auch bei der Feststellung eines Förderstatus helfen können.

Neukölln, Tempelhof-Schöneberg, Steglitz-Zehlendorf und Marzahn-Hellersdorf sind jetzt schon dabei, jeweils ein solches Beratungszentrum einzurichten. Diese Zentren sollen spätestens im Sommer ihre Arbeit aufnehmen.

Sybille Volkholz betonte, dass Berlin in Sachen Inklusion bundesweit Vorreiter sei. Schon jetzt würden in der Hauptstadt rund 50 Prozent der Kinder mit Behinderung an einer Regelschule lernen. „Es gibt bereits ein großes Netz an Schulen, die inklusiv unterrichten.“ Deren Erfahrungen seien für die Umsetzung des Gesamtkonzepts „Inklusive Schule“ sehr wertvoll. Trotz allem habe man natürlich nicht vor, alle Förderschulen von heute auf morgen zu schließen. Das Inklusionskonzept sähe vor, dass die Eltern auch künftig frei entscheiden können, ob ihr Kind an einer Regelschule lernen soll, sagte Volkholz.

Der Beirat für Inklusion hat ermittelt, dass allein für zusätzliches Personal etwa 15 Millionen Euro pro Jahr nötig sind. Deshalb empfehlen die Experten die Einrichtung eines Nachsteuerungspools. Volkholz dazu: „Bildungssenatorin Sandra Scheeres bemüht sich gerade um 300 zusätzliche Lehrerstellen.“ Würde das klappen, wäre der Pool sehr gut ausgestattet.