Nahverkehr

Schleichtempo, Winterwetter und Staatsbesuch

Ausfälle und Verspätungen bei S-Bahn und BVG

Bei der Berliner S-Bahn haben Eis und Schnee am Dienstag für erhebliche Einschränkungen gesorgt. Gleich reihenweise fielen Züge mit Antriebs- oder Türstörungen aus, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Vor allem die noch zu DDR-Zeiten entwickelte Zugbaureihe 485 habe sich wieder als anfällig erwiesen. Durch die Ausfälle wurde die einsetzbare S-Bahn-Flotte erheblich dezimiert. Nur 491 Doppelwagen standen in der Hauptverkehrszeit zur Verfügung, fast 30 weniger als noch am Freitag. Die Folge waren Engpässe, Verspätungen und Ausfälle auf fast allen Linien.

Hinzu kamen Probleme mit der Infrastruktur. Am frühen Morgen war eine Weiche am Bahnhof Ostkreuz ausgefallen. Im Berufsverkehr fuhren für mehrere Stunden keine Züge zwischen den Stationen Ostbahnhof und Lichtenberg. Die S-Bahn bemühte sich, Ersatzbusse zu organisieren. Zumindest anfangs habe es aber nicht genug Busse gegeben, sagte ein Unternehmenssprecher. Im Internet wurden die Fahrgäste aufgefordert, möglichst auf andere Verkehrsmittel auszuweichen.

ICE restlos überfüllt

Wer auf Busse der BVG umsteigen wollte, hatte vielerorts aber ebenfalls Pech. Auf fast allen Linien geriet der Fahrplan durcheinander. 20 bis 30 Minuten Verspätung seien am Morgen die Regel gewesen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Weil die meisten Autofahrer nach den nächtlichen Schneefällen nur im Schleichtempo gefahren seien, seien auch die BVG-Busse langsamer vorangekommen. Hauptgrund für die Verspätungen in der Innenstadt war aber laut Reetz gar nicht das Winterwetter. Durch zahlreiche Straßensperrungen rund um das Regierungsviertel waren die Ausweichstrecken derart verstopft, dass die Busse teilweise sogar Verspätungen von 40 Minuten und mehr einfuhren. Grund für die Sperrungen waren die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags zwischen Deutschland und Frankreich.

Pech hatten am Dienstag auch die Fahrgäste eines ICE von Berlin nach Düsseldorf und Köln. Weil ein Zugteil mit einem Antriebsschaden ausfiel, war der ICE 944 nur halb so lang wie üblich. Es wurde eng. Nach Berichten von Reisenden wurden die Fahrgäste bereits in Spandau darüber informiert, dass der Zug überfüllt sei und nur weiterfahren könne, wenn sich Freiwillige finden, die aussteigen. Angeboten wurde den Aussteigern ein 25-Euro-Gutschein. Jedoch mit mäßigem Erfolg. "Ich habe einen wichtigen Termin, da kann ich nicht eine Stunde auf den nächsten Zug warten", sagte ein Fahrgast. "Und schon gar nicht bei dieser Kälte."