Extremismus

Mit Quiz-Tricks gegen Antisemitismus

Kreuzberger Initiative erhält den Paul-Spiegel-Preis

Es klingt wie der ideale Zusammenschluss in einem ganz modernen Deutschland: Anne Goldenbogen leitet mit ihren männlichen Kollegen Aycan Demirel und Mirko Niehoff als Vorstand einen Verein. Drei Namen, drei verschiedene Geschichten dahinter - aber ein Ziel: die eigene Abschaffung. Das Team nennt sich Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA). Am heutigen Mittwoch wird Goldenbogen für ihr Engagement in Düsseldorf mit dem Paul-Spiegel-Preis 2013 geehrt. Er wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland verliehen.

"Die Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert. Wir können das Geld ziemlich gut gebrauchen", betont Goldenbogen, eine junge Frau mit jüdischen Wurzeln. Die Politikwissenschaftlerin und Mitbegründerin von KIgA sagt das mit Nachdruck, denn der 2003 gegründete Verein hat für das laufende Jahr noch keine Planungssicherheit - wie stets. Mehr noch: Obwohl die Verleihung des Preises bekannt ist, muss der Verein um die Weiterführung eines Bundesmodellprojekts als Teil seiner Arbeit kämpfen. "Uns fehlt einfach grundsätzlich eine institutionelle Absicherung. Wir hangeln uns von Projekt zu Projekt." Später ist sogar von akuten existenziellen Nöten die Rede, was auch ihr Kollege Malte Holler bestätigt.

Trotz Auszeichnung in die Pleite

Ohne Geld ist auch das beste Anliegen zum Scheitern verurteilt. "Wir haben acht Mitarbeiter und diverse Honorarstellen", beschreibt Holler, seines Zeichens Historiker, den Personalbestand. "Wir sind ein gemischtes Team mit unterschiedlichen Erfahrungshorizonten sowie verschiedenen religiösen und kulturellen Wurzeln. Wir entwickeln Konzepte zum Umgang mit Antisemitismus für die Migrationsgesellschaft als Ganzes." Sie sind in Schulen, Vereinen und anderen Initiativen unterwegs. In Berlin und bundesweit. Ausgezeichnet werden sie alle, weil KIgA etwas recht seltenes übt: den unaufgeregten und sachlichen Umgang mit Antisemitismus. Dafür wird die "Kunst des Gesprächs" gepflegt, schildert Goldenbogen die Herangehensweise. Die Methodik sei "bunt, spaßig, spielerisch", es gehe "lebensnah" zu.

Wie auch immer die Zusammensetzung zum Beispiel einer Schulklasse sei, es müsse auf Augenhöhe diskutiert werden, lautet ein Grundrezept von Goldenbogen. Das kann zum Beispiel mit einem Quiz aus dem Laptop sein: Die erste Frage lautet, wer wohl 1948 als Folge des israelischen Unabhängigkeitskrieges vertrieben wurde: "Palästinenser" oder "Juden aus arabischen Staaten". Antwort: sowohl als auch.

Denn natürlich entzünde sich die Diskussion besonders an den Vorgängen im Nahen Osten, sagt Holler. Er spricht vom "Buh-Wort" Israel. Dabei sei das Gespräch darüber durchaus möglich und oft einfacher als gedacht. Zwar müssten dann und wann gewisse Jugendliche erst einmal Dampf ablassen. Aber wer sich nicht provozieren lasse beziehungsweise nicht in die "Toleranzfalle tappe", könne eine solche Runde ganz gut leiten.