Porzellan

So entsteht die Morgenpost-Tasse

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Vorlage ist die Espresso-Tasse des Service Urbino der renommierten Designerin Trude Petri

Erste Station in der Produktion ist die Modellwerkstatt. Hier fertigen Modelleure nach der Zeichnung des Designers im Maßstab von 1:1 ein erstes Gipsmodell. Danach wird ein um 16 Prozent größeres Modell hergestellt, um das Schwinden der Porzellanmasse beim Trocknen und beim Brennen auszugleichen. Um dieses Modell herum baut der sogenannte Einrichter eine Probeform aus Gips. Und mit dieser Form werden schließlich die ersten Muster aus Porzellan hergestellt. Vorlage ist die Espresso-Tasse des Service Urbino, das 1931 von der renommierten Bildhauerin und Designerin Trude Petri für die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) entwickelt wurde. Das Service ist ein Klassiker, wird unter anderem im Museum of Modern Art und Metropolitan Museum of Art New York ausgestellt. 1936 bekam es auf der VI. Triennale in Mailand eine Goldmedaille, 1937 in Paris auf der Weltausstellung den Grand Prix. Die eigentliche Produktion der Morgenpost-Tasse, für die etwa sechs Wochen benötigt werden, beginnt mit dem Mischen der Grundbestandteile der Porzellanmasse. Etwa die Hälfte ist Kaolin, und je ein Viertel sind Feldspat und Quarz. Die fertige Masse wird in Arbeitsformen aus Gips gegossen. Dabei werden zwei Formen verwendet: eine für den Körper und eine für den Henkel. Während der etwa 15-minütigen Trocknung setzt ein Schwundprozess des Porzellans ein, und der Rohling löst sich von der Gipsform. Noch im feuchten Zustand werden der Tassenkörper und der Henkel verklebt, anschließend wird der Rohling mit Pinseln und Schwämmen sorgfältig verputzt. Es folgt der erste Brand bei 980 Grad Celsius, auch Verglühbrand genannt. Bei diesem Arbeitsschritt wird dem Porzellan das restliche Wasser entzogen, und es bekommt schon eine deutlich höhere Festigkeit. Nach dem Abkühlen wird die Tasse in eine blaue Kontrastflüssigkeit getunkt und ins Licht gehalten. Auch feinste Risse sind so zu erkennen. Nur erstklassige Ware wird mit dem Markenzeichen der KPM gestempelt - dem kobaltblauen Zepter aus dem kurfürstlich-brandenburgischen Wappen. So hatte es König Friedrich II. im Jahr 1763 bei der Gründung der KPM festgelegt. Der nächste Arbeitsschritt ist das Glasieren: Die Tasse wird mit einer schwungvollen Bewegung in eine wiederum aus Kaolin, Feldspat, Quarz und weiteren Ingredienzien bestehende Flüssigkeit getaucht. So erhält sie ihre weiße, transparente Glasur. Es folgt der zweite Brand bei 1400 Grad Celsius. Nach dem Abkühlen wird der unglasierte Tassenboden geschliffen - bevor die Tasse in der Porzellanmalerei den eisenroten Rand erhält. Es folgt der dritte Brand bei rund 860 Grad Celsius.

( mim )