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Verwechslung erwünscht

Mit der Eröffnung des Hotels "Waldorf Astoria" an der Hardenbergstraße hat das Hotel "Astoria" an der Fasanenstraße einen glamourösen Namensvetter bekommen. Ein Nachteil ist das nicht

Einen roten Teppich hat das Hotel "Astoria" noch nicht ausgerollt, auch wenn in den letzten Tagen einige gut betuchte Gäste durch die schlichte braune Eingangstür des Dreisternehauses an der Berliner Fasanenstraße gekommen sind. Grund für den "hohen Besuch" ist die Namensvetternschaft mit dem am Donnerstag eröffneten "Waldorf Astoria Berlin" an der Hardenbergstraße. Dass das Fünfsternehotel nur einen Steinwurf vom kleinen Namensvetter entfernt liegt, sorgt zusätzlich für Verwirrung. "Gäste, die sich zu uns verirrt haben, bekommen dann erst mal einen Schreck", sagt die Direktorin des "Astoria"-Hotels, Claudia Wülker. Aber das sei kein Problem, der Portier schicke die Leute dann mit einem netten Lächeln und einer genauen Wegbeschreibung zur richtigen Adresse.

Zwischen den beiden Hotels liegen Welten. Während der Luxusgigant mit 232 Zimmern auf 31 Stockwerken und einem 1000-Quadratmeter großen Wellnessbereich aufwartet, hat das sechsstöckige Hotel "Astoria" nur 32 Zimmer und zwei kleine Sonnenterrassen zu bieten. Können an der viel beworbenen 17-Meter-Bar des Luxushotels auch problemlos größere Gesellschaften ihre Drinks nehmen, haben an der heimeligen Holzbar im Restaurantbereich des "Astoria"-Hotels höchstens drei Gäste gleichzeitig Platz. Auch die Preislisten spiegeln den Unterschied zwischen beiden Häusern deutlich wider. Wer am kommenden Sonntag im "Astoria" ein Doppelzimmer bucht, kann für 58 Euro einchecken. Im "Waldorf Astoria" beginnen die Preise hingegen erst bei 210 Euro pro Nacht.

Trotzdem scheut Hoteldirektorin Claudia Wülker den Vergleich mit dem großen Bruder an der Hardenbergstraße keineswegs. Denn kleine Hotels böten viele Vorteile. "Hier haben wir die Zeit, uns um jeden einzelnen Gast zu kümmern", sagt die Direktorin. Außerdem sorge eine übersichtliche Strukturfür Flexibilität im Haus. Jeder Mitarbeiter sei befugt, Entscheidungen zu treffen.

Über Gästemangel kann das "Astoria" an der Fasanenstraße jedenfalls nicht klagen. An diesem Freitag klettert der Portier um 12.50 Uhr auf eine Leiter und nimmt das Schild mit der Aufschrift "Zimmer frei" über der Tür des Hotels ab. Das Haus ist ausgebucht.

Wer das "kleine Astoria" besucht, ist sofort von der familiären Atmosphäre und der Gemütlichkeit des Hauses beeindruckt. Die 2,50 Meter hohen Holztüren, die das Treppenhaus von den Zimmern trennen, weisen zwar zahlreiche Kratzer auf, besitzen dafür aber ebenso viel Charme. Besonders gut kommt auch der prall gefüllte Obstkorb auf dem einfachen kleinen Glastisch in der Lobby des Hotels zur Geltung. Er muss schließlich nicht mit vergoldeten Armaturen konkurrieren, wie es sie im "großen Astoria" überall gibt. Ein mögliches Luxusdefizit wird auf diese Weise ausgeglichen.

So loben viele Gäste auf der Internetseite des Hotels dann auch die hell eingerichteten Zimmer. Klassische Holzmöbel sorgen für eine freundliche Stimmung. Ein weiterer Pluspunkt ist die lange Tradition des Hotels. Das Haus wurde bereits 1938 eröffnet. Der älteste erhaltene Gästebucheintrag stammt aus dem Jahr 1956. Über drei Generationen blieb das Hotel im Besitz der Familie Berghausen. 2008 wurde es verkauft und bildet seitdem zusammen mit dem "Berlin Plaza"-Hotel die FH Hotel-Gruppe.

Das Personal ist trotzdem geblieben. Claudia Wülker arbeitet seit 1991 für das Unternehmen. Die Hausdame Angela Schöbe kann das noch überbieten. Sie ist seit 28 Jahren im "Astoria". "Das Hotel ist wie mein zweites Zuhause", sagt sie, greift ihren Eimer und verschwindet im Flur.

Es gibt keinen Namensstreit

Eine Verwechslung mit dem Luxushotel "Waldorf Astoria" sei in erster Linie ein Vorteil für ihr Haus, sagt Claudia Wülker. Die Angst, dass es Schwierigkeiten mit den Namensrechten geben könnte, habe sich zum Glück als unbegründet erwiesen. "Niemand will uns den Namen streitig machen", sagt sie. Zwar sei es anfangs versehentlich zu einer Verknüpfung der Reservierungssysteme der beiden Hotels gekommen. Das habe zu Verwechslungen geführt. So seien zum Beispiel Buchungen für ihr kleines Hotel storniert worden, weil die Zimmer im großen Hotel zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht buchbar waren.

Inzwischen sei man aber zum Nutznießer geworden, sagt Wülker. So tauche etwa, wenn man in der Google-Suchmaschine die Wortkombination "Astoria Bar Berlin" eingebe, das Bild der eigenen kleinen Hausbar noch vor der eleganten Art-déco-Bar des "Waldorf Astoria"-Hotels auf. Außerdem sorge die Namensgleichheit auch für gute Laune im Haus. Vor einiger Zeit habe sich beispielsweise ein italienischer Sternekoch, der schon für die Regierung in Rom gekocht hat, fälschlicherweise bei ihnen beworben. "Natürlich haben wir ihn eingeladen, mal für unsere Belegschaft auf Probe zu kochen", sagt Wülker. Diesen Spaß hat sich das kleine Hotel nicht nehmen lassen.