Bootsverkehr

Schleuse in Spandau bleibt bis Ende März gesperrt

In der erst zehn Jahre alten Anlage wird die Kammer saniert

An der Spandauer Schleuse steht das Lichtsignal für Schiffer auf Dauerrot. Die 110-Meter-Kammer der Havelschleuse ist mit einem gigantischen Zelt verhüllt. Gut zehn Jahre nach der Eröffnung der Anlage im Juli 2002 ist die Anlage wegen grundlegender Sanierungsarbeiten für die Schifffahrt gesperrt. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Berlin müssen die Fugen zwischen den riesigen Betonblöcken, aus denen die Schleusenkammer besteht, instandgesetzt werden.

Fugenbänder, die die Ritzen zwischen den Betonblöcken abdichten, seien porös und müssten erneuert werden, erklärt Matthias Moneke, Leiter der WSA-Außenstelle Spandau, die Notwendigkeit der Arbeiten. Die sogenannte "Blockfugensanierung" ist nach WSA-Angaben an älteren Schleusen Routine. Dass diese Arbeiten bereits nach zehn Jahren erforderlich werden, sei allerdings nicht normal, räumt Matthias Moneke ein. "Da liegt vermutlich ein Konstruktionsfehler vor", sagt Moneke. Haftbar könne dafür nach zehn Jahren aber vermutlich niemand mehr gemacht werden. Gerrit Riemer, stellvertretende Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin, beziffert die Sanierungskosten für die Spandauer Schleusenkammer auf rund 600.000 Euro.

Um an die Fugenbänder zu gelangen, muss der Beton zwischen den Blöcken rund einen halben Meter breit aufgebrochen werden. Zudem seien an einigen Stellen der Schleuse Betonteile abgebrochen, weil Schiffe sie gerammt hätten, sagt Matthias Moneke. An diesen Stellen werden Schutzschienen aus Stahl montiert. Weil die Betonarbeiten nicht bei Frost erfolgen dürfen, wurde die Schleusenkammer schon im Oktober eingehaust. Bei niedrigen Temperaturen wird die Baustelle beheizt.

Ende März soll die Sanierung der Kammer abgeschlossen sein. Wegen des sehr milden Wetters rechnet Außenstellenleiter Moneke damit, dass die Spandauer Schleuse pünktlich am 1. April wieder in Betrieb geht. Bis dahin müssen Berufs- und Freizeitschiffer, die zwischen Unter- und Oberhavel wechseln wollen, einen rund dreistündigen Umweg über Spree und Hohenzollernkanal in Kauf nehmen. Auch die Bootsschleppe, über die Wassersportler ihre Boote ziehen können, ist während der Bauarbeiten gesperrt.

Die Schleuse ist für Spandau ein Politikum. Gegen den Abriss der historischen Schleuse an gleicher Stelle waren viele Bürger Sturm gelaufen. Durch die nur 67 Meter lange alte Kammer konnten größere Schubverbände nicht mehr geschleust werden. Nachdem 1993 die Schifffahrtsbehörden die alte Schleuse wegen Baufälligkeit sperrten, setzte das Land den Neubau durch. An dem 33 Millionen Euro teuren Ersatzbau hatten Berufsschiffer und Freizeitkapitäne jedoch wenig Freude. Noch am Eröffnungstag war die Schleuse stundenlang außer Betrieb, weil sich ein Fangseil verklemmt hatte. Wegen einer undichten Hydraulik musste die Anlage im Herbst 2002 ebenfalls für Monate gesperrt werden. Seitdem gab es immer wieder kurzzeitige Schließungen - auch weil Frachtschiffe wiederholt den Quersteg gerammt hatten. Für Matthias Moneke vom WSA waren diese Pannen jedoch Kinderkrankheiten. "Jede Schleuse ist ein Unikat", so Moneke, da könne es zu Anlaufschwierigkeiten kommen. Seit mehreren Jahren habe die Schleuse Spandau ohne größere Probleme funktioniert.