Flughafen BER

BER-Mieter müssen Inventar ausbauen

Bei rund 100 Geschäftsleuten wurden Kabel falsch verlegt. Die Kosten trägt der Steuerzahler

- Beim neuen Flughafen BER hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, dass aus Gerüchten im Laufe der Zeit unangenehme Wahrheiten werden. Das mussten nun auch die Mieter der Restaurants und Ladenflächen erfahren. Bei seiner Bestandsaufnahme im Sommer stellte Technikchef Horst Amann fest, dass viele Kabel falsch verlegt wurden. Damals wurde schon befürchtet, dass man die Kabelschächte noch mal aufreißen muss. Das hat sich nun bewahrheitet.

Damit endet das Jahr 2012 für die Mieter am BER so, wie es begonnen hat - mit schlechten Nachrichten. Nicht nur haben sie ihren Umzug an den neuen Hauptstadt-Airport vergeblich vorbereitet. Nun müssen viele von ihnen auch ihre Regale und Ladentheken wieder ausbauen. "Wir werden mit jedem Mieter sprechen und herausfinden, was die jeweils beste Lösung ist", sagte am Freitag Flughafensprecher Lars Wagner. "Die Kosten dafür trägt der Flughafen." Dafür sei auch genügend Geld da, so Wagner. Schließlich haben Berlin, Brandenburg und der Bund erst weitere 1,2 Milliarden Euro für den BER bewilligt. Dahinter steht am Ende niemand anderes als der Steuerzahler.

Rund 150 Mietobjekte gibt es am BER. Laut Flughafengesellschaft muss bei etwa einem Drittel der Mieter die gesamte Einrichtung vorübergehend entfernt werden. Bei einem weiteren Drittel seien dagegen nur "leichte Umbauarbeiten" notwendig. Etwa 50 Mieter dürften dagegen Glück gehabt haben. Wie das genau ablaufen soll, wird derzeit geklärt. Denn manche Mieter werden diese Aufgabe wohl lieber einem eigenen Handwerker übertragen. In dem Fall wird der Flughafen die Hälfte der veranschlagten Kosten sofort und den Rest nach der Rechungsstellung bezahlen. Spätestens im Februar sollen die letzten Kabel dann richtig verlegt und das Inventar wieder am richtigen Platz sein. Die Unordnung in den Kabelschächten entstand in der Hektik unmittelbar vor der abgesagten Eröffnung. Starkstromkabel landeten neben Telefonkabeln oder gleich ganz an der falschen Stelle. Amanns Team hat jeden Schacht kontrolliert und muss nun die notwendigen Änderungen vornehmen. Angeblich soll das vorhandene Geld dafür auch reichen.

Steigende Baukosten

Lässt man die Nebenkosten beiseite, kostet der Bau eines Quadratmeters am BER mittlerweile 3320 Euro. Das geht aus der Antwort der Senatskanzlei auf eine Kleine Anfrage der Berliner Abgeordneten Jutta Matuschek (Linke) hervor. Damit haben sich die Kosten im Vergleich zur ursprünglichen Planung um mehr als ein Drittel erhöht. Denn als der Bauantrag im Juni 2006 eingereicht wurde, sollte der Bau des neuen Terminals etwa 2440 Euro pro Quadratmeter kosten.

In Brandenburg mussten die Initiatoren des Volksbegehrens für ein strengeres Nachtflugverbot einen Dämpfer hinnehmen. Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hat Forderungen nach einem generellen Nachtflugverbot für den BER zurückgewiesen. Zwar müsse weiterhin nach Lösungen für einen besseren Lärmschutz gesucht werden, schreibt der Minister in einem Gastbeitrag für die "Potsdamer Neuesten Nachrichten". Doch könne nicht in ein "obergerichtlich bestätigtes Planfeststellungsverfahren" eingegriffen werden. Zum ersten Mal hat in Brandenburg ein Volksbegehren die erforderliche Hürde genommen. Das bezeichnete Christoffers auch als einen "Durchbruch für die direkte Demokratie". Allerdings ändere das nichts an der Rechtslage. Es dürften keine Zusagen gemacht werden, die aufgrund der rechtlichen Situation nicht eingehalten werden können, so der Minister.

Kein Nachtflugverbot

106.000 Brandenburger hatten das Volksbegehren für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr unterzeichnet. Derzeit ist ein Verbot nur zwischen Mitternacht und 5 Uhr geplant. Schon 80.000 gültige Unterschriften hätten gereicht, damit der Landtag sich erneut mit dem Anliegen befassen muss. Allerdings hat die rot-rote Landesregierung in Potsdam bereits mehrfach signalisiert, dass sie das Volksbegehren im Landtag ablehnen werde. Für diesen Fall wollen die Nachtfluggegner einen Volksentscheid anstreben. Und dieser könnte nach den Angaben der Landtagsverwaltung in Potsdam frühestens im März 2013 gestartet werden.

Die Regierungskoalition von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) befürchtet Wettbewerbsnachteile für Schönefeld. Sie will sich daher für ein bundesweites Nachtflugverbot einsetzen. Das hat allerdings so gut wie keine Aussichten auf Erfolg. So hat unter anderem Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium einem generellen Nachtflugverbot in Deutschland eine klare Absage erteilt. Im europäischen Wettbewerb würden die deutschen Flughäfen dadurch deutlich schlechter gestellt. Denn gerade für Langstreckenflüge seien die Randzeiten wichtig.