Sozialpolitik

Kirche kündigt Mietvertrag für Obdachlosenhaus

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Humanistischer Verband als Träger unerwünscht

Es gibt Streit über eine Tagesstätte für Obdachlose nahe dem Ostbahnhof in Friedrichshain. Seit elf Jahren werden dort Wohnungslose medizinisch betreut. Der bisherige Betreiber, die MUT GmbH, will die Einrichtung an einen anderen Träger abgeben. Anfang 2013 sollte der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg das Haus am Stralauer Platz übernehmen und Untermieter der MUT GmbH werden. Doch damit ist der Vermieter nicht einverstanden - das Kirchliche Verwaltungsamt Berlin Mitte-Nord. Deshalb habe es Mitte Dezember den Mietvertrag gekündigt, so die MUT GmbH. Ende Juli 2013 muss sie ausziehen. Die evangelische Kirche scheine kein Interesse daran zu haben, zur langfristigen Sicherung der Berliner Obdachlosenhilfe beizutragen, so der Vorwurf von MUT-Geschäftsführerin Bettina Lange.

Doch die Kirche will die Einrichtung für Obdachlose weiterführen - aber nur mit einem Träger, der ihr zusagt. Die Gesellschaft MUT sei ein geschätzter Mieter, sagte Ralf Nordhauß, Leiter des Kirchlichen Verwaltungsamtes. Den Humanistischen Verband jedoch lehne man als Träger ab. Grund seien Teile der Satzung des Verbandes. Ein Träger aus der Diakonie soll ab August 2013 die Arbeit in der Obdachloseneinrichtung fortsetzen.

In Charlottenburg-Wilmersdorf sucht das Bezirksamt dringend Unterkünfte für Obdachlose, weil die vorhandenen Plätze nicht ausreichen. Die Verwaltung fragte bereits bei Hostels und Pensionen an, ob sie bereit seien, Wohnungslose aufzunehmen. Nun wird sogar erwogen, geeignete Objekte zu beschlagnahmen und als Notunterkunft zu nutzen.

Streit über Betreuung

In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es außerdem Streit über die Betreuung eines Obdachlosen, der am Montag aus der Charité entlassen wurde. Der alkoholkranke Mann war im Schlafanzug zur Wohnhilfe des Bezirks gebracht worden. Er ist jetzt wieder in einem Krankenhaus. "Wir suchen weiter einen Platz für ihn in einer Unterkunft mit pflegerischem Betreuungsanteil", sagte der Sozialstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Knut Mildner-Spindler (Linke), am Donnerstag. Er kritisierte den Umgang der Charité mit dem Obdachlosen. "Die wollten ihn loswerden." Die Charité hingegen betonte, dass der Termin, an dem der Mann zur Wohnhilfe gebracht wurde, beidseitig abgesprochen war. "Wir haben uns frühzeitig an die Wohnhilfe gewandt. Der Termin wurde uns bestätigt", sagte eine Charité-Sprecherin. Der Obdachlose war laut Bezirksamt als Notfall mit Alkoholvergiftung zwei Wochen lang in der Charité behandelt worden.

( saf/dpa )