Siegerentwurf

Münchner bauen am Petriplatz

Wettbewerb für Bau des Archäologischen Besucherzentrums entschieden

Der Petriplatz in Berlins historischer Mitte ist ein deprimierendes Stück Berlin. An der einen Seite des Platzes donnert achtspurig der Verkehr über die Gertraudenstraße vorbei, auf der anderen stehen schmucklose Plattenbauten aus DDR-Zeiten. Ausgerechnet an diesem Ort soll nun ein Archäologisches Besucherzentrum entstehen, in dem sich Interessierte über den historischen Kern der Stadt informieren können. Keine leichte Aufgabe für die Planerbüros, die auf Einladung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher an dem Architekturwettbewerb teilgenommen haben. Doch während zahlreiche Wettbewerbe in der Vergangenheit keinen eindeutigen Sieger hervorbrachten, ist es diesmal anders: Die Jury hat sich auf einen ersten Preis einigen können. Dieser geht an Florian Nagler Architekten aus München und die Berliner Landschaftsarchitektin Christina Kautz.

"Der Entwurf vom Büro Florian Nagler mit dem Landschaftsarchitekturbüro Christina Kautz ist ein hervorragender Beitrag zur Reparatur des Stadtraums", lobte Lüscher, die als Preisrichterin an der Entscheidung mitgewirkt hat. Der Neubau des Archäologischen Besucherzentrums reagiere auf den geschichtsträchtigen Ort in der historischen Mitte und sei auch im Inneren ein spannendes Gebäude mit viel Atmosphäre. Mit ihrem Entwurf haben die Münchner Architekten der viel befahrenen Gertraudenstraße eine strenge Rasterfassade aus hellgrauem Stein entgegengestellt, aufgelockert durch einen zweigeschossigen Arkadengang auf Straßenniveau und eine ebenfalls zweigeschossige Loggia in den obersten Stockwerken.

Dass das Archäologische Besucherzentrum am Petriplatz entstehen soll, hat einen guten Grund: Bei Grabungen 2007 bis 2009 hatten Wissenschaftler einen Holzbalken freigelegt, der sich auf das Jahr 1212 datieren ließ. Urkundlich erwähnt wurde Berlin jedoch erst 1244 - damit findet sich an dieser unwirtlichen Ecke die älteste Spur der Stadt. Unter dem Asphalt haben zudem die Fundamente der Lateinschule von 1350, der frühesten Bildungseinrichtung der Stadt, überdauert.

Auf diesen Fundamenten soll nun das Archäologische Besucherzentrum errichtet werden. Für den Bau sind nach Auskunft Lüschers Gesamtkosten in Höhe von 15,5 Millionen Euro vorgesehen, darin enthalten sind rund 2,3 Millionen Euro für die Gestaltung der Freifläche. Finanziert werden soll das Bauwerk zum großen Teil aus EU-Mitteln. Ab 2014 sollen die Bauarbeiten starten. Das Konzept sieht vor, dass die alten Schulmauern zugänglich gemacht und Grabungsfunde wie Schmuck, Münzen und Keramikscherben gezeigt werden. In Werkstätten, die das Museum für Vor- und Frühgeschichte betreiben wird, können Besucher den Archäologen über die Schulter schauen.

Im angegliederten "Ossarium", dem Knochenhaus, sind dann vor allem die Gebeine und Kirchenfunde zu sehen, die auf dem Petriplatz gleich neben der Lateinschule ausgegraben wurden. Denn im Laufe der Jahrhunderte standen an dieser Stelle vier Gotteshäuser.

Platz für drei Weltreligionen

Die letzte Petrikirche, die nach dem Brand des Vorgängerbaus nach den Plänen des Baumeisters Johann Heinrich Strack von 1847 bis 1852 im neogotischen Stil errichtet worden war, hatten die Stadtplaner der DDR Anfang der 60er-Jahre abreißen lassen. Auch der dazugehörige Friedhof an der Gertraudenstraße wurde überbaut. Archäologen hatten hier rund 2000 Gräber freigelegt. Derzeit sind die dort gefundenen Skelette noch in der Gruft der Parochialkirche in Mitte untergebracht. Im Knochenhaus sollen sie eine endgültige Ruhestätte finden.

Auch auf den Fundamenten der Strackschen Petrikirche und gleich neben der Freifläche des Archäologischen Zentrums ist ein Neubau geplant. Mit einem "Bet- und Lehrhaus auf dem Petriplatz Berlin" soll ein Begegnungszentrum für Christen, Juden und Moslems entstehen. Den Wettbewerb für dieses ganz besondere Gotteshaus hatten im September die Berliner Architekten Kühn Malvezzi gewonnen. Die Finanzierung dieses Projektes ist jedoch noch nicht gesichert. Aus diesem Grund, so die Senatsbaudirektorin, habe man den Entwurf des Petriplatzes als Freiraum so gestaltet, dass er auch ohne den geplanten Sakralbau Bestand hat.