Schmiede

Abschied nach acht Jahren

Schlossermeisterin Gabriele Sawitzki verlässt die Rixdorfer Schmiede

Es wird ein schwerer Abschied für Gabriele Sawitzki. Acht Jahre lang hat sie die Rixdorfer Schmiede an der Richardstraße in Neukölln betrieben. Sie hat dafür gesorgt, dass dieser Ort berlinweit bekannt wurde, durch Kurse und Veranstaltungen, durch Restaurierung und Führungen. Doch zum Jahresende muss sie den vertrauten Ort inmitten des Böhmischen Dorfes verlassen. Der Grund: Das Bezirksamt Neukölln initiierte ein Vergabeverfahren zur Rixdorfer Schmiede und wählte im Ergebnis einen anderen Betreiber aus: den Messerschmied Martin Böck, der schon mit Sawitzki in der Rixdorfer Schmiede zusammenarbeitet und bislang Untermieter ist. Er hat eine höhere Miete geboten.

Ehrung für soziales Engagement

Seine Firma bekam am vergangenen Freitag den Zuschlag. Schlossermeisterin Gabriele Sawitzki kritisiert diese Entscheidung. Damit werde ihr die Basis des Wirkens entzogen, teilte sie zu Wochenbeginn mit. Acht Jahre lang habe sie erfolgreich Aufbauarbeit geleistet, habe sich sozial und bildungspolitisch engagiert. Sie interessierte junge Mädchen für handwerkliche Arbeiten und bildete Frauen in ihrem Schmiedebetrieb aus. Sie gründete den Förderverein für die Rixdorfer Schmiede, organisierte den Kulturbetrieb und sorgte dafür, dass der Standort bekannt und gefragt war.

Erst im August 2012 war Gabriele Sawitzki von der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) und der Berliner Handwerkskammer mit der Franz-von-Mendelssohn-Medaille ausgezeichnet worden. Von ihrem Beitrag für das Gemeinwesen profitiere ein gesamter Kiez, bescheinigte der Berliner IHK-Präsident Eric Schweitzer der Handwerkerin. Referenzen wie diese hatte Gabriele Sawitzki ihren Unterlagen beigefügt, als sie sich im Rahmen der Ausschreibung beim Bezirksamt Neukölln für die Schmiede bewarb. "Aber Referenzen waren nicht gefordert", sagte Nicole Gebell vom Fachbereich Dienstgebäudeverwaltung im Bezirksamt Neukölln. Gabriele Sawitzki habe im Juni die Kündigung bekommen, zum Jahresende 2012. "Weil wir zwei Interessenten hatten, haben wir ein Vergabeverfahren durchgeführt", sagte Gebell. Der erste Mietvertrag mit Sawitzki wurde 2004 geschlossen und lief bis 2009. Dann ist der Vertrag jeweils um ein Jahr verlängert worden. "Jetzt haben wir ihn fristgemäß gekündigt, weil ein zweiter Interessent aufgetaucht ist", sagte Nicole Gebell.

Beide Bewerber hätten die Vergabeunterlagen bekommen. Martin Böck kenne den Veranstaltungsbetrieb in der Schmiede, weil er schon Untermieter war, und wolle ihn nun übernehmen. Es habe einen Katalog mit Bewertungskriterien für die Vergabe der Schmiede gegeben. Das Bezirksamt hatte eine Mindesthöhe für die Miete angesetzt. Für die Vergabe war zu 70 Prozent die Höhe der gebotenen Miete ausschlaggebend, zu 30 Prozent das Betriebskonzept. Gefordert war die Beteiligung der Schmiede am Rixdorfer Weihnachtsmarkt, am Projekt "48 Stunden Neukölln", außerdem ein Ausbildungsbetrieb und Führungen für Touristen.

Nun hat das Amt Gabriele Sawitzki informiert, dass sie den Zuschlag nicht bekommen hat. Sie sei gebeten worden, die Werkstatt vertragsgemäß bis Ende des Jahres zu räumen, sagte Nicole Gebell. "Wenn diese Frist nicht zu halten ist, weil Maschinen abtransportiert werden müssen, dann stellen wir ihr den Januar für die Räumung zur Verfügung." Das Bezirksamt habe den alten Mietvertrag von Sawitzki aktualisieren wollen, sagte Gebell. Man habe schon vor einigen Jahren mit ihr über einen langfristigen Vereinbarung gesprochen. Doch diese Möglichkeit habe sie nicht wahrgenommen. "Das konnte ich damals nicht", sagte Sawitzki. Sie habe 2009 Kurzarbeit in ihrem Betrieb einführen müssen, die bis 2011 dauerte. "Damals hatte ich andere Sorgen."

Vier Mitarbeiter gehören zur Firma von Schlossermeisterin Sawitzki, die neben der Schmiede noch einen anderen Betriebsteil hat und dort größere Produkte herstellt wie etwa Türen und Stahlmöbel. Eine Vollzeitstelle in ihrem Unternehmen sei gefährdet, weil sie die Schmiede aufgeben muss, sagte Sawitzki. Dass ihr langjähriger Mitstreiter Martin Böck sich um die Schmiede bewarb, habe sie nicht gewusst, sagte Sawitzki. Sie ist enttäuscht. "Wir haben acht Jahre lang zusammengearbeitet", sagte Martin Böck. Anders als Sawitzki arbeite er ausschließlich in der Werkstatt der Rixdorfer Schmiede. "Deshalb erschien es mir sinnvoll, dass ich den Hauptmietvertrag bekomme." Er habe Sawitzki angeboten, zur Untermiete zu bleiben. "Das hat sie abgelehnt."