Stadtplanung

"Das Jugendfreizeitheim soll nicht plattgemacht werden"

Anwohner der Plöner Straße in Sorge, dass Kinder keinen Platz zum Spielen haben. Der Stadtrat beruhigt

"Ich geh' zum Plöner." Das haben schon die Kinder von Hans-Joachim Fenske gesagt, wenn sie nach der Schule zum Jugendfreizeitheim an der Plöner Straße in Schmargendorf aufbrachen. Es besteht seit mehr als 60 Jahren. Die Kinder von Fenske sind längst erwachsen, das Freizeitheim ist aber noch genauso beliebt. Eltern, Jugendliche und Kinder sind deshalb gegen die Pläne des Bezirksamtes, einen Teil des Grundstücks zu verkaufen.

Überlegt wird, rund die Hälfte des 12.000 Quadratmeter großen Areals für privaten Wohnungsbau abzugeben. Als Notlösung. Mit einem Teil des Geldes soll nämlich das Jugendfreizeitheim saniert oder besser gleich neu gebaut werden. "Nicht als Flachbau wie jetzt, sondern als Zweigeschosser, der auf kleinerer Fläche sogar ein größeres Angebot bieten könnte", sagt Klaus-Dieter Gröhler (CDU), der sich als Stadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf um die bezirklichen Immobilien kümmert. Gröhler versichert den beunruhigten Anwohnern: "Das Jugendfreizeitheim soll nicht plattgemacht werden." Bis zu 400.000 Euro müsse man jedoch in den alten Flachbau stecken, um ihn auf Vordermann zu bringen und Schäden zu beseitigen. Geld, das, wie jeder weiß, in Charlottenburg-Wilmersdorf nicht da ist.

Der Vorschlag, dieses Dilemma durch die Verkleinerung des Geländes zu lösen, kam ursprünglich von einer Arbeitsgruppe des Jugendhilfeausschusses. Seit zwei Jahren liegen diese Pläne schon in der Schublade. Auch beim Haus der Jugend in der Mecklenburgischen Straße 15 in Wilmersdorf prüft das Bezirksamt eine vergleichbare Strategie. In das in die Jahre gekommene Jugendhaus müssten sogar mehr als 400.000 Euro investiert werden. Und ein Verkauf einer Teilfläche könnte das Problem lösen. "Das geht aber nur in Sonderabsprachen mit der Senatsverwaltung. Normalerweise erhält der Bezirk nur zwölf Prozent des Erlöses aus dem Verkauf über den Liegenschaftsfonds", sagt Gröhler. In diesen Fällen müssten die benötigten Summen zur Neugestaltung der Freizeitheime vorher von der Kaufsumme abgezogen werden.

Viel Raum für Jugendliche

Eltern, deren Kinder den großen Spielplatz an der Plöner Straße und den Fußballplatz nutzen, sorgen sich spätestens seit dem Info-"Werkstattgespräch" für die Anlieger darum, dass dem Nachwuchs Möglichkeiten beschnitten oder sogar ganz genommen werden könnten, wenn künftig auf einem Teil des Grundstücks an der Plöner Straße Wohnungen gebaut werden. Ein 40 Jahre alter Vater freut sich, dass seine Kinder dort nach Lust und Laune Fußball spielen können, ohne in einem Verein sein zu müssen. Anwohner Dietrich Pawlowski, dessen Kinder in den 70er-Jahren den "Plöner" nutzten und der heute mit seinen Enkelkindern dort zum Spielplatz geht, hat ebenfalls Sorge, dass die großzügigen Flächen künftig zu klein werden könnten. "Der Jugend gehört doch unsere Zukunft. Es ist der einzige größere Spielplatz in der Gegend. Zudem liegt er zwischen zwei Grundschulen und mehreren Kitas. Er wird wirklich stark genutzt", sagt Pawlowski. Ein kleinerer Platz werde überfüllt sein. Nach Pawlowskis Ansicht sollte man den Wohnungsbedarf in der Stadt deshalb statt auf Kinderplätzen besser durch Neubauten beispielsweise auf dem Tempelhofer Feld und dem Flughafen Tegel decken.

Doch auch Jugend- und Familienstadträtin Elfi Jantzen (Grüne) sieht keine andere Möglichkeit: "Das Bezirksamt wird in den nächsten Jahren keine Mittel haben, das Jugendfreizeitheim zu sanieren. Da bietet der Beschluss, dort Teilflächen zu verkaufen, eine Chance, die Einrichtung neu zu errichten und langfristig zu erhalten." Jantzen versichert, dass auch der Spielplatz bleiben wird. Ihr Wunsch sei es zudem, ihn in der jetzigen Größe zu erhalten. Da das Jugendfreizeitheim, die Außenfläche und der Bolzplatz zum Spielplatz rücken sollen, könne es aber zu einer "geringfügigen Verkleinerung" kommen.

Hans-Joachim Fenske (CDU), der sich als Vorsitzender im Sportausschuss der Bezirksverordneten-Versammlung engagiert, findet es hingegen "fatal", solche Grundstücke zu verkaufen. "Das ist schließlich unwiederbringlich." Er kritisiert, dass ohnehin zu wenig in den Jugendbereich investiert wird. Auch das Berliner Schwerathletik-Zentrum auf dem Grundstück an der Plöner Straße müsse ortsnah wiederhergestellt werden, sonst seien die Vereinsmitglieder weg. Laut Stadträtin Jantzen, die auch für den Sportbereich verantwortlich ist, müssen alle Um- und Neubauten aus dem Verkaufserlös der Teilfläche bezahlt werden. Ersatzstandorte für die Sporthalle würden bereits geprüft. Das Teilgrundstück soll möglichst 2013 verkauft werden.

Nicht nur Grundstücke, auch Immobilien gibt der Bezirk aus Kostengründen ab. Für das Rathaus Wilmersdorf laufen laut Gröhler die Gespräche mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH. Der Verkaufserlös wird auf drei bis vier Millionen Euro geschätzt. Aber das Rathaus kann nicht verkauft werden: Das Land hat dem Bezirk mitgeteilt, dass das Gebäude am Fehrbelliner Platz künftig für Landesverwaltungen zur Verfügung stehen soll. Erste Umzüge plant Gröhler für die Osterferien 2013. Dann sollen das BVV-Büro und die Fraktionen ins Rathaus Charlottenburg umziehen. 535 Arbeitsplätze müssen verlagert werden. Das Rathaus Schmargendorf bleibe Eigentum des Bezirks.