Präsidium

Berliner Staatssekretärin steigt in der Bundes-CDU auf

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Emine Demirbüken-Wegner gilt als Vorzeige-Migrantin.

Die Berlinerin, deren Wurzeln in der Türkei liegen, siedelte Ende der 60er-Jahre mit ihrer Familie nach Deutschland über. Der Anfang war sehr hart, wie sie einmal gestand, weil sie kein Wort Deutsch sprach. Doch mit viel Fleiß kam sie voran und studierte später an der Technischen Universität (TU) Berlin Germanistik und Publizistik.

Ein solcher Aufstieg taugt mittlerweile auch bei Zuwanderern als Sprungbrett für eine politische Karriere. Die Berliner CDU, der Demirbüken-Wegner seit 1995 angehört, nahm sie bereits sieben Jahre später in den Landesvorstand auf. Im Jahr 2004 zog sie als erste gebürtige Türkin in den Bundesvorstand ein. Beim CDU-Bundesparteitag, der in der kommenden Woche in Hannover stattfindet, soll Demirbüken-Wegner am Dienstag als einzige Migrantin ins Präsidium und damit in den engsten Führungszirkel um Parteichefin Angela Merkel aufrücken. Knapp ein Jahr vor der Bundestagswahl verspricht sich die CDU davon offenbar das Signal, für eine offene, moderne Großstadtpartei zu stehen. Gerade in diesem Milieu hat die Union erheblichen Nachholbedarf, wie ihr eine Studie kürzlich beschied.

Das Etikett einer "Quoten-Migrantin" weist Demirbüken-Wegner aber brüsk von sich. "Das prallt in meinem Alter an mir ab", sagt die 51-Jährige selbstbewusst. "Ich verstehe mich als Deutsche mit türkischem Hintergrund und muslimischem Glauben und lasse mich nicht in Nischen hineindrängen." Ihre politische Haltung bezeichnet Demirbüken-Wegner als "konservativ-liberal". Sie stellte sich immer wieder mal gegen die offizielle Parteilinie: So kritisierte sie Ende der 90er-Jahre scharf die Kampagne des hessischen Landesverbands gegen die doppelte Staatsbürgerschaft und hält nichts von markigen Forderungen nach Abschiebung junger Straftäter, sofern sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Außerdem befürwortet sie die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union, wenn das Land die Voraussetzungen erfüllt.

Demirbüken-Wegner wurde 1988 in Schöneberg als erste türkischstämmige Frau zur Ausländerbeauftragten eines Berliner Bezirks berufen. Von 2006 bis 2011 gehörte Demirbüken-Wegner dem Abgeordnetenhaus an, wo sie sich vorrangig mit den Bereichen Familie und Jugend beschäftigte. Seit Ende 2011 ist sie in der großen Koalition in Berlin als Staatssekretärin für Gesundheit tätig.

( dapd )