Neue Pläne

Kein Kraftwerk für Biomasse in Lichtenberg

Vattenfall ändert erneut Energiepläne für Berlin

Der Energieversorger Vattenfall und der Bezirk Lichtenberg haben sich darauf verständigt, kein Biomassekraftwerk im Bezirk zu errichten. Das Unternehmen hatte ursprünglich vor, das Kraftwerk Klingenberg mit zwei Biomassekesseln umzurüsten. Wegen veränderter Rahmenbedingungen habe sich das Unternehmen jetzt anders entschieden, sagte ein Unternehmenssprecher. "Das geschah einvernehmlich mit dem Bezirk", sagte Unternehmenssprecher Hannes Hönemann.

Umbau in Moabit

Vattenfall plant jetzt mit zwei Biomassekraftwerken in Moabit und im Märkischen Viertel. In Moabit beträgt der Biomasseanteil derzeit zehn Prozent. Die Anlage soll so umgebaut werden, dass ab Ende 2013 bis zu 40 Prozent der Wärmeleistung aus organischen Abfällen entstehen. In Klingenberg soll nun ein modernes Gas- und Dampfturbinenheizkraftwerk entstehen.

Der Energiekonzern betreibt mehrere Kraftwerke in der Stadt. Das Unternehmen hat sich in einer Klimaschutzvereinbarung mit Berlin verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1991 zu halbieren. Der schwedische Staatskonzern hatte zugesagt, die Kraftwerke zu erneuern, die ihm durch den Erwerb des früheren kommunalen Stromversorgers Bewag zugefallen sind. Bis 2015 sollte das Heizkraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal aus dem Jahr 1970 durch ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ersetzt werden. In Marzahn-Hellersdorf wollte Vattenfall bis 2016 ein mit Gas betriebenes Heizkraftwerk bauen, ebenso in Lichtenberg in Nachbarschaft zum bestehenden Braunkohlekraftwerk Klingenberg an der Rummelsburger Bucht.

Der Energieversorger hat sein Kraftwerkskonzept für Berlin in den vergangenen Jahren mehrmals verändert und ist insgesamt zeitlich in Verzug geraten. Die neuen Kraftwerke in Berlin werden erheblich später in Betrieb gehen als von dem Unternehmen bisher zugesagt. Anstatt 2016 werden die neuen Anlagen in Lichterfelde und Marzahn erst 2020 fertig sein.

Die Grünen kritisieren diese Entwicklung. Sollten die Braunkohlekraftwerke vier Jahre länger am Netz bleiben als geplant, bedeute das vier Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausschüttungen zusätzlich für die Stadt. Das entspricht fast einem Viertel der jährlich in Berlin verursachten Menge dieses Treibhausgases. Vattenfall versicherte am Donnerstag erneut, dass das in der Klimaschutzvereinbarung zugesagte Ziel von nur halb so viel Kohlendioxidausstoß aus den Kraftwerken des Unternehmens bis 2020 trotz der Verzögerung erreicht werde.