Sicherheit

Eltern fordern Tempo 30 am Hindenburgdamm

Kitas, Schulen und Gemeinde haben sich jetzt zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen

"Es könnte auch ihr Kind sein", "Keine Ü-30-Party" und "Wir wollen älter werden als 30" standen auf den Spruchbändern, die am Donnerstag entlang der Dorfaue am Hindenburgdamm gespannt waren. Erzieher, Eltern, Kinder, Senioren und Mitglieder der Paulus-Gemeinde marschierten am Nachmittag auf der Fahrbahn um die Alte Dorfkirche und die Pauluskirche auf der Mittelinsel. Mehr als 100 Teilnehmer waren dem Aufruf einer Bürgerinitiative gefolgt, für eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu demonstrieren.

"Wir setzen uns seit Jahren für Tempo 30 im Bereich des Alten Dorfangers ein", sagt Ina Wetzel, Kita-Leiterin in der Paulus-Gemeinde. Gerade rund um die Mittelinsel verenge sich der Hindenburgdamm und werde zu einer echten Gefahrenzone: Fußgänger kämen kaum über die Straße, Eltern hätten Schwierigkeiten, mit dem Auto vom Parkplatz auf die Straße einzubiegen. "Der Hindenburgdamm ist an dieser Stelle nicht einsehbar", sagt die Kita-Leiterin. Aus diesem Grund fordere die Bürgerinitiative eine Tempo-30-Zone im Bereich zwischen Moltkestraße und Bäkestraße. Bislang ohne Erfolg.

"Wir haben es bisher nicht für erforderlich gehalten, eine Geschwindigkeitsbegrenzung anzuordnen", sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Der Bereich sei kein Unfall-Schwerpunkt. Genau das müsse man aber nachweisen, um auf 600 Metern eine Tempobeschränkung einzuführen.

Das Thema ist schon seit vier Jahren auf der Tagesordnung. Nicht nur die Paulus-Kita ist an dieser Stelle betroffen. Drei weitere Kitas sind direkt in dieser "Gefahrenzone" angesiedelt. In unmittelbarer Nähe befinden sich außerdem die Käthe-Kruse-Grundschule, das Lilienthal-Gymnasium, die Montessori-Gemeinschaftsschule und ein Seniorenheim. "Nach den vergeblichen Bemühungen haben wir uns gemeinsam in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen", sagt Ina Wetzel.

Auch Ramona Bienlein macht in der Bürgerinitiative mit. Die 57-Jährige wohnt seit zwei Jahren direkt gegenüber vom Gutshaus Lichterfelde und hat von ihren Fenstern im zweiten Stock schon einige Unfälle beobachtet. Einmal hätten ältere Leute zur Kirche gewollt und seien nicht über die Straße gekommen, erzählt sie. Als sie einfach losliefen, sei es zu einem Auffahrunfall gekommen, an dem drei Autos beteiligt waren.

Unterstützung erhält die Bürgerinitiative von den Bezirksverordneten. In einem Beschluss vom Mai dieses Jahres fordern auch sie eine sichere Querung des Hindenburgdamms. "Wir werden uns noch einmal mit dem BVV-Beschluss beschäftigen", sagt Petra Rohland. Erst vor vier Jahren hatte die damalige Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ein Verkehrssicherheits-Programm gestartet mit dem Ziel, schrittweise vor allen Berliner Schulen und Kitas Tempo 30 anzuordnen. Auslöser war ein schwerer Unfall vor einer Schule am Hultschiner Damm in Marzahn.