Nahverkehr

Berliner S-Bahn baut Zelte für ihre Züge auf

Bahn-Tochter will Angebot im Winter stabil halten

Die Berliner S-Bahn hat damit begonnen, vor ihren Werkstätten in Grünau und Wannsee riesige Zelte aufzubauen. Die bis zu 80 Meter langen Leichtbaukonstruktionen sind nicht etwa als Location für zünftige Weihnachtsfeiern der Mitarbeiter gedacht, sondern gehören zu einem Programm, mit dem sich das krisengeplagte Unternehmen vor dem Winter wappnen will. "In den Zelten können wir Züge zum Auftauen abstellen", sagte ein Bahn-Sprecher. Der Hintergrund: Da an vereisten Zügen weder Wartungsarbeiten noch die vorgeschriebenen Ultraschall-Untersuchungen der Achsen ausgeführt werden können, würden diese in den Werkstätten dringend benötigten Platz blockieren. Im Winter vor zwei Jahren führte dies zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen, da nicht gewartete Züge aus Sicherheitsgründen nicht eingesetzt werden dürfen. Als Konsequenz daraus wurden erstmals im vorigen Jahr Auftauzelte aufgebaut, die wegen des eher mäßigen Winters dann jedoch so gut wie nicht benötigt wurden.

Angebot soll sich verbessern

Doch nach teils desaströsen Ausfällen in den Jahren zuvor will die S-Bahn nun lieber auf Nummer Sicher gehen und lässt die teuren Behelfsunterkünfte erneut aufbauen. Zusätzlich werden an den Triebwagen wieder Filtermatten montiert, um die offenen Antriebscontainer unter dem Boden vor Eis und Schnee zu schützen. Zudem seien inzwischen bei allen Zügen der Baureihe 481 die feuchtigkeitsempfindlichen Motoren ausgetauscht worden. Auch hätten alle Bremssandanlagen eine Heizung und eine Füllstandskontrolle erhalten. Bis auf sieben Fahrzeuge sind inzwischen alle Viertelzüge auch mit Lochtrittbrettern ausgerüstet, die ein Blockieren der Türen durch Eis und Schnee verhindern sollen. Allerdings: "Einen hundertprozentigen Schutz vor Winterausfällen gibt es nicht. Wie jedes andere Verkehrsunternehmen auch können wir bei extremer Witterung nicht immer pünktlich fahren", baut der Bahn-Sprecher schon mal vor. Speziell bei viel Schnee in kurzer Zeit und gleichzeitig starkem Frost müsse mit Einschränkungen gerechnet werden.

In den vergangenen Jahren hatte es im Winter wiederholt schwere Einbrüche im Berliner Nahverkehr gegeben. So konnte die S-Bahn etwa zu Jahresbeginn 2010 wegen technischer Defekte nicht einmal mehr die Hälfte ihre Züge einsetzen. Im Januar 2011 setzte das Unternehmen gar vorsorglich einen Notfahrplan in Kraft, nach dem die Züge nicht schneller als 60 Stundenkilometermehr fahren durften. Solche Einschränkungen sind derzeit nicht vorgesehen. Im Gegenteil. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember will die S-Bahn ihr Angebot sogar verbessern. Auf der S75 (Wartenberg-Westkreuz) werden die Züge mit acht statt mit nur sechs Wagen fahren. Offen ist, ob sie den Verkehr auf der S85 (Waidmannslust-Grünau) wie geplant bis zum Jahresende wieder aufnehmen kann. Vorbehalte gibt es dazu beim Senat, der vor einer Reaktivierung der Linie von der S-Bahn insgesamt mehr Zuverlässigkeit und Stabilität verlangt.