Gewalt

Schüsse auf Streifenpolizisten am Rathaus Neukölln

Mann benutzt Schreckschusswaffe. Beamte bleiben besonnen

Bei seiner Flucht hat ein Einbrecher am Montagmorgen mehrfach auf Polizeibeamte geschossen. Anschließend lieferten er und die Beamten sich zu Fuß eine Verfolgungsjagd durch Neukölln. Erst nach etwa einer Stunde gelang es den Polizisten, den Mann zu stellen. Wie sich später herausstellte, hatte der Täter mit einer Schreckschusspistole geschossen. Die Beamten blieben unverletzt.

Gegen 4.30 Uhr waren zwei Streifenpolizisten auf einen Telekommunikationsladen an der Ecke Karl-Marx-Straße/Flughafenstraße aufmerksam geworden, in dem die Alarmanlage losgegangen war. Da sie im Geschäft niemanden sehen konnten, überprüften sie das Treppenhaus des angrenzenden Wohnhauses. Im Hausflur kam ihnen ein Mann entgegen, der sofort flüchtete, als er die Beamten bemerkte. Er rannte aus dem Gebäude und die Straße hinunter. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf.

Polizisten gehen in Deckung

Schon nach wenigen Schritten drehte sich der Mann abrupt um, zückte eine Pistole und zielte aus zehn Meter Entfernung auf die Beamten. Nach Polizeiangaben schoss er zwei Mal. Die Polizisten gingen in Deckung. Sie wurden nicht getroffen. Zu dem Zeitpunkt konnten sie noch nicht wissen, dass es sich nicht um eine scharfe Waffe handelte. Dennoch reagierten die Beamten besonnen und schossen nicht zurück.

Der Täter bog nun von der Karl-Marx-Straße in eine Seitenstraße ab. Die Polizisten nahmen die Verfolgung wieder auf. Doch trotz mehrmaliger Aufforderung, stehen zu bleiben und die Waffe fallen zu lassen, hielt der Mann nicht an. Als er in die Donaustraße einbog, verlor sich vorübergehend seine Spur.

Die Polizisten hatten inzwischen Verstärkung angefordert. Mehrere Beamte durchstreiften kurz darauf die Donaustraße, überprüften Hauseingänge und Einfahrten. "Die Kollegen waren sich sicher, dass er sich noch in der Nähe aufhalten müsse", sagte eine Polizeisprecherin.

Nach einer Weile entdeckte dann einer der Polizisten den Flüchtigen: Er war unter einen Kleintransporter gekrochen und hatte sich die ganze Zeit dort versteckt. Der Beamte forderte den Mann auf, sich zu ergeben. Doch der Einbrecher schien zunächst nicht ansprechbar zu sein. Als er dann doch unter dem Lastwagen hervorkroch, machte er auf die am Einsatz beteiligten Polizisten einen sehr geschwächten Eindruck. Mindestens eine halbe Stunde hatte er in der Kälte auf dem Boden gelegen. Er sei völlig unterkühlt gewesen, hieß es später von der Polizei. Deshalb wurde er sofort in eine Wärmefolie eingehüllt. Unter Polizeibegleitung wurde er dann in einem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren, wo er noch immer liegt. Sein Zustand soll zwar stabil sein. Allerdings konnten ihn die Beamten noch nicht zur Vernehmung mit auf die Polizeiwache nehmen. Auch in der Klinik hat der Mann bisher keine Angaben zur Tat gemacht. Die Ermittlungen gestalten sich zudem schwierig, weil er keinen Personalausweis oder sonstige Dokumente bei sich trug, die auf seine Identität hätten schließen lassen. Es ist daher noch immer unbekannt, um wen es sich handelt und wie alt der Mann ist. In den nächsten Tagen sollen seine Fingerabdrücke abgenommen werden, um seine Identität vielleicht durch einen anschließenden Abgleich mit der Polizeidatenbank klären zu können. Sollte er schon häufiger eingebrochen sein, könnten der Polizei seine Daten vorliegen. Das Zimmer im Krankenhaus wird von Beamten bewacht.

Die Polizei hat Ermittlungen wegen versuchten Einbruchs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall aufgenommen. Ein solcher Fall liegt laut Strafgesetzbuch vor, "wenn der Täter oder ein anderer Beteiligter eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt, um diese oder dieses bei der Tat zu verwenden, oder der Täter durch eine Gewalttätigkeit den Angegriffenen in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung bringt".

Die Verfolgungsjagd hatte in dem Kiez für Aufsehen gesorgt. Durch die Schüsse und die Rufe der Polizisten aufgeweckt, beobachteten Anwohner den Einsatz von ihren Fenstern aus.