Wohnungsmarkt

"Interessenten bieten häufiger 30 Euro mehr"

Immobilienmakler Dirk Wohltorf erzählt über das Geschäft in der Hauptstadt

Immobilienmakler gelten als Profiteure der Wohnungsnot - schließlich werden mehr als 70 Prozent der Wohnungen nicht direkt von den Eigentümern, sondern über einen zwischengeschalteten Makler vergeben. Im Gespräch mit Redakteurin Isabell Jürgens erzählt Dirk Wohltorf, selbst Makler in Berlin und Mitglied im Immobilienverband Deutschland (IVD), warum die Situation trotz der enormen Nachfrage auch in seiner Branche für Anspannung sorgt.

Außerdem gibt Dirk Wohltorf einen Einblick in sein Geschäft, in dem Interessenten schon mal versuchen, mit emotionalen Tricks an die Wunschwohnung zu gelangen.

Berliner Morgenpost:

Wann und woran haben Sie gemerkt, dass sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt gewandelt hat?

Dirk Wohltorf:

Das war vor zwei bis drei Jahren. Da merkten wir, dass die Nachfrage nach Wohnungen in bestimmten Kiezen stark anstieg. Und unter denen, die suchten, waren plötzlich sehr viele "Gutverdiener", die aus dem Bundesgebiet nach Berlin kamen. Die wollten alle nach Charlottenburg oder Mitte und waren offenbar ganz andere Preise gewohnt. Zehn Euro pro Quadratmeter, für Berliner Verhältnisse damals unerhört, akzeptierten sie ohne mit der Wimper zu zucken. Die waren aus München, Stuttgart oder Hamburg ganz andere Mieten gewohnt.

Für einen Makler doch traumhaft, oder?

Auf den ersten Blick schon, wobei es aber dem Makler am Besten geht, wenn er alle Anfragen befriedigen kann und der Markt einigermaßen ausgeglichen ist. Der Markt für Wohneigentum etwa macht gar keine Freude, weil derzeit kaum jemand verkaufen will. Viele Anfragen können wir gar nicht befriedigen.

Und beim Mietwohnungsmarkt?

Da sieht es ähnlich aus. Wenn wir eine preiswerte Wohnung in "In-Lage" anbieten, sind schon nach wenigen Stunden 20 Interessenten gefunden, die dann auch alle zum Besichtigungstermin kommen möchten.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir hatten am Lietzensee eine Dreieinhalb-Zimmer-Dachgeschosswohnung. Weil das Haus über keinen Fahrstuhl verfügte und der Zustand nicht besonders hochwertig war, sollte die für 7 Euro Nettokalt vermietet werden. Zu dem Besichtigungstermin kamen 18 Interessenten, die mir teilweise schon an der Wohnungstür sämtliche Unterlagen wie Schufa-Auskunft, Mietzahlungsbestätigung und Gehaltsabrechnungen in die Hand drückten. So was war noch vor kurzem unüblich, da schauten sich die Leute die Wohnung erst einmal an und schickten dann bei Interesse später ihre Unterlagen. Manche brachten auch gleich die Fotos ihrer Kinder mit, das wurde schon sehr emotional.

Und für welchen Bewerber haben Sie sich entschieden?

Die Entscheidung trifft der Eigentümer, ich kann dem Vermieter lediglich eine Empfehlung nach den zuvor abgestimmten Kriterien geben. Aber wir sind dann die Bösen, die den 17, die leer ausgegangen sind, die schlechte Botschaft überbringen. Glauben Sie mir, dass macht keinen Spaß. Ich wäre froh, wenn wir mehr solche Angebote hätten, das ist doch klar.

Gibt es Bestechungsversuche?

Mir persönlich ist das noch nicht passiert, ich würde es auch nicht annehmen, dass verbieten schon unsere Verbandsrichtlinien. Allerdings kommt es immer häufiger vor, das Interessenten anbieten, 20 oder 30 Euro mehr im Monat an Miete zu zahlen als der Vermieter ursprünglich verlangt hat.

Und hilft das?

Ich bin dann natürlich in der Pflicht, den Vermieter über das Angebot zu informieren. Und manchmal hilft es tatsächlich.

Kennen Sie schwarze Schafe?

Klar gibt es unter den Maklern auch schwarze Schafe. Aber die sind nicht Mitglied im IVD. IVD Mitglieder würden sofort eine Abmahnung bekommen, falls die Überprüfung einen entsprechenden Verdacht bestätigt, und im Wiederholungsfall ausgeschlossen werden.

Wie viele Mitglieder hat der IVD Berlin-Brandenburg schon ausgeschlossen?

Seit 2001, seit ich verantwortlich bin für den IVD Berlin-Brandenburg, nicht ein Mitglied.

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