Notunterkünfte

Asyl: Senator droht, Gebäude in Bezirken zu beschlagnahmen

Die Zahl der Asylbewerber in Berlin steigt weiter. 1000 zusätzliche Übernachtungsplätze werden in den kommenden Monaten gebraucht.

Nachdem die Flüchtlinge in den vergangenen Wochen bereits in Notunterkünften untergebracht werden mussten, will Sozialsenator Mario Czaja (CDU) nun nötigenfalls bezirkseigene Gebäude für die Unterbringung beschlagnahmen. Zuvor will er jedoch an die Bezirke appellieren, die Suche des Landesamtes für Gesundheit und Soziales besser zu unterstützen. Dazu hat er ein Konzept erarbeitet, das eine gerechtere Verteilung der Plätze in den zwölf Bezirken vorsieht. Seine Vorschläge will Czaja am Donnerstag im Rat der Bürgermeister besprechen. Czaja schlägt in seinem Entwurf vor, dass vor allem in Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und Neukölln so schnell wie möglich Plätze für Asylbewerber geschaffen werden. So strebe die Berliner Unterbringungsleitstelle in den kommenden Wochen für Reinickendorf 421 Plätze an, für Steglitz-Zehlendorf 500 und für Neukölln 400. Andere Bezirke wie Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg, die mit rund 2000 der rund 5000 Plätze bislang die Hauptlast tragen, beschweren sich seit Langem über die ungleiche Verteilung. Angesichts der zur Verfügung stehenden Schulplätze und anderer Dienste für die Betreuung der Flüchtlinge seien ihre Kapazitäten längst erschöpft. In Reinickendorf sind hingegen nur 72 Flüchtlinge untergebracht, in Neukölln 44 und in Steglitz-Zehlendorf 63. Argumente wie, es gebe keine leeren Gebäude für diesen Zweck oder bauplanerische Hürden will die Behörde nicht mehr gelten lassen. Auch Bezirke wie Friedrichshain-Kreuzberg (138) und Marzahn-Hellersdorf (189) sollen noch mehr Asylplätze zur Verfügung stellen. Es wird damit gerechnet, dass sich die Zahl der benötigten Plätze für Asylsuchende auf 6000 erhöht.

( bsm )