Straßenbau

Neue Fußgängerbrücke verbindet Schöneberg und Tempelhof

Der Asphalt und die Steine sehen aus wie frisch gefegt. Kein Papierschnipsel liegt herum.

Es ist ein Ausnahmezustand für den 600 Meter langen neuen Weg, der Neu-Tempelhof mit der Schöneberger Insel verbindet. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), der nur wenige hundert Meter entfernt wohnt, hat den Ost-West-Grünzug am Donnerstag als einer der Ersten beschritten, gemeinsam mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), und den Stadträten Sibyll Klotz (Grüne) und Daniel Krüger (CDU).

"Die Schöneberger können nun schneller zur Tempelhofer Freiheit gelangen, und die Tempelhofer sind schneller am Kaiser-Wilhelm-Platz und im Akazienkiez", sagte Schöttler. Der neue Weg hat den Namen Hertha-Block-Promenade bekommen, benannt nach der Sozialdemokratin, die in den 30er-Jahren im Gefängnis der SA in der General-Pape-Straße misshandelt wurde. Er verbindet die Gontermannstraße mit dem Leuthener Platz und führt durch ein Schöneberger Gewerbegebiet, das bisher nicht öffentlich zugänglich war.

Benannt nach Jazzproduzent Lion

Die vier Politiker durchschnitten das rote Band auf der neuen Brücke, die Teil der Promenade ist und über die Gleise der Dresdener Bahn nördlich vom Bahnhof Südkreuz führt. Sie ist nach Alfred Lion benannt, einem Schöneberger, der Jazz-Fan war, während der Nazizeit in die USA emigrierte und dort das Plattenlabel Blue Note Records gründete.

Die Brücke aus Stahlrohrfachwerk, die von der Wilhelm-Kabus-Straße zur General-Pape-Straße führt, ist 93 Meter lang. Geplant wurde das Bauwerk vom Büro Henry Ripke Architekten. Es ist nur für Fußgänger und Radfahrer angelegt. Im Geländer sind LED-Leuchten integriert.

4,8 Millionen Euro kostete der neue Grünzug. Bezahlt wurden die Kosten von der Senatsverwaltung aus dem Programm Stadtumbau West. "Der Bauherr, das Bezirksamt, hat wirklich etwas Hervorragendes aus den Mitteln gemacht", lobte Senator Müller. Es habe zusätzliches Geld gegeben, aber keine zusätzlichen Mitarbeiter, sagte Klotz. "Deswegen ist das Projekt durch viel zusätzliches Engagement entstanden." Von 2009 bis 2012 dauerte die Bauzeit. Bis 2015 wird eine Ergänzung gebaut, die so genannte Schöneberger Schleife. Dieser Grünzug wird bis zum Gleisdreieck-Park führen und parallel zu den Gleisen der Dresdener Bahn verlaufen. "Um ihn fertig zu stellen, sind weitere Mittel vom Senat erforderlich", so Klotz.

Für die neue, vier Meter breite Promenade mussten einige Kleingärten weichen. 85 Bäume seien gepflanzt worden, sagte Stadtrat Krüger, 44 davon am Weg und 41 am Leuthener Platz. "Die neue Verbindung ist eine schöne Sache", meinte eine ältere Schönebergerin, deren Kleingarten auf der Tempelhofer Seite der Gleise liegt. Der Garten sei jetzt bequemer für sie zu erreichen. "Bisher bin ich über Kolonnenstraße und Papestraße gelaufen." Sie finde jedoch, "man hätte den Weg schmaler bauen können. Dann wären zwei oder drei Parzellen erhalten geblieben".