Flughafen BER

Neuer Ärger um die Flugrouten

Anwohner der Wannsee- und Müggelseeroute befürchten stärkere Belastung

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat die Sicherheitskorridore, die den Piloten für An- und Abflüge zum und vom Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld zur Verfügung stehen, erheblich erweitert. Das gilt für alle am 26. Januar dieses Jahres festgelegten Flugrouten. Besonders hart betroffen sind jedoch die Anwohner entlang der sogenannten Müggelseeroute im Südosten Berlins wie auch die der Wannseeroute im Südwesten (siehe Karte). Das geht aus den Hindernisbetrachtungsgebieten der Deutschen Flugsicherung hervor, die die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) am Wochenende öffentlich gemacht hat.

In diesen Sicherheitszonen dürfen keine hohen Gebäude errichtet werden, weil sie unter bestimmten Umständen überflogen werden dürfen. Nach den Vorschriften des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung (BAF) müssen Flugzeuge nach dem Start zwar grundsätzlich die vorgegebenen Abflugrouten einhalten. "Triebwerkprobleme oder Unwetterereignisse können aber dazu führen, dass die Piloten aus Sicherheitsgründen von dieser Route abweichen müssen", so Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung. Nach dem Erreichen einer Höhe von 5000 Fuß (1500 Meter) dürfen abfliegende Jets aber ohnehin nach Freigabe durch den Fluglotsen die Abflugstrecke verlassen und einen direkteren Kurs zu ihrem nächsten Navigationspunkt einschlagen. Während der DFS-Sprecher versichert, dass diese Sicherheitszonen nur in den beschriebenen Ausnahmefällen angesteuert werden, ist sich die Friedrichshagener Bürgerinitiative sicher, dass diese auch im Regelfall genutzt werden. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Harald Moritz, teilt ihre Befürchtungen. "Im Internet kann man ja heute schon sehen, wie stark die tatsächlichen Flugbewegungen von den idealen Linien abweichen", sagte Moritz. Der Politiker hat für den heutigen Montag einen Termin mit dem Leiter der DFS, Hans Niebergall, vereinbart.

Großdemo gegen Nachtflüge

Nicht nur die Flugrouten-Debatte wird wieder für Unmut in den betroffenen Stadtteilen Berlins sorgen. Neben der politischen und juristischen Aufarbeitung rund um die Frage, wer für die abgesagte Eröffnung des BER verantwortlich ist, wird künftig auch wieder das Thema Nachtflüge in den Fokus rücken. Denn nach den Planungen für den BER soll die Ruhezeit nur zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens gelten. Nach dem gescheiterten Volksbegehren für ein Nachtflugverbot in Berlin kämpfen die Initiatoren in Brandenburg nun um jede Unterschrift. Wie berichtet, waren in Berlin statt der nötigen 173.233 Unterschriften (sieben Prozent der Stimmberechtigten) nur 139.129 zusammengekommen. Bis zum 3. Dezember haben die Brandenburger Initiativen Zeit, die 80.000 erforderlichen Unterschriften zu sammeln. Bislang sind es nach Auskunft der Organisatoren knapp 50.000. Zum Endspurt soll in der Landeshauptstadt eine Aktion mit 2000 Plakaten und 70.000 Flyern für Aufmerksamkeit sorgen. Ab dem heutigen Montag werde im ganzen Stadtgebiet plakatiert, sagte ein Sprecher der Initiative "Schützt Potsdam". Am 24. November um 14 Uhr wird es in Berlin auch wieder eine Demo gegen Nachtflüge geben. Die Demonstranten wollen vom Potsdamer Platz zur SPD-Zentrale an der Wilhelmstraße ziehen.