Berliner helfen

Hilfe für Berlins Obdachlose

Auch in diesem Winter werden die Plätze in den Notunterkünften nicht ausreichen

Damit auch im kommenden Winter kein Mensch erfrieren muss, weil er auf der Straße lebt, hat die Berliner Kältehilfe in dieser Woche die Notunterkünfte geöffnet. Die Kältehilfe ist eine gemeinsame Initiative der Diakonie, der Caritas und des deutschen Roten Kreuzes. Die bundesweit einzigartige Initiative stellt ein Netzwerk von Beratungsstellen, Notübernachtungen, Nachtcafés und Suppenküchen für Bedürftige zur Verfügung. Rund 11.000 Wohnungslose leben Schätzungen zufolge in Berlin, mit steigender Tendenz. Sie sind in betreuten Wohnprojekten, Wohnheimen oder anderen Einrichtungen der Sozialhilfe untergebracht. Tatsächlich auf der Straße leben nach Einschätzung der Wohlfahrtsverbände 500 bis 600 Menschen.

Für sie können die Notunterkünfte und Nachtcafés in diesem Winter bisher insgesamt 430 Schlafplätze bei 30 verschiedenen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Finanziert wird die Kältehilfe vom Senat, einigen Bezirken und durch Spenden. Die Bezirke bringen nach Senatsangaben jährlich rund zwei Millionen Euro für die Noteinrichtungen im Winter auf. Hinzu kommen Mittel der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, die für die Versorgung der Obdachlosen auch auf Spenden angewiesen sind. Das Problem sei, auf dem Immobilienmarkt geeignete und bezahlbare Räumlichkeiten für weitere Not-Unterkünfte von November bis März zu finden, sagt Diakoniedirektorin Susanne Kahl-Passoth. Dennoch bietet die Hauptstadt mit 16 Notübernachtungen, 14 Nachtcafés, zwei Kältebussen, die Obdachlose in die Notunterkünfte fahren oder Schlafsäcke verteilen, einem Arzt-Mobil und der Obdachlosen-Ambulanz am Bahnhof Zoo ein Hilfsnetz für Menschen auf der Straße. Das zieht seit Jahren zunehmend Obdachlose aus Osteuropa nach Berlin, die in ihrer Heimat nicht annähernd ähnliche Hilfen erhalten. Vor allem Polen, Rumänen, Bulgaren, aber auch Menschen aus dem Baltikum, Russland und der Ukraine werden auch in diesem Winter in die Notunterkünfte kommen, wo sie außerdem eine warme Mahlzeit erhalten.

Zustrom aus Osteuropa

"Not kennt keine Nation und keine Grenzen", sagt die Direktorin des Caritasverbandes im Erzbistum Berlin, Ulrike Kosta. Doch für die Versorgung osteuropäischer Bedürftiger kann der Senat keine Mittel zur Verfügung stellen. Sie werden aus Spendenmitteln finanziert, wie das Arztmobil der Caritas oder die ambulante Praxis am Bahnhof Zoo.

Um die häufig überfüllte Notübernachtung in der Lehrter Straße am Hauptbahnhof zu entlasten, sollen in diesem Winter bis 22 Uhr alle noch freien Notunterkünfte zentral gemeldet, und die Obdachlosen von den Kälte- und Wärmebussen entsprechend dort untergebracht werden. Außerhalb des S-Bahn-Rings gibt es oft noch freie Plätze. Sie sind nur bei den Menschen die "Platte machen" weniger beliebt.

Bei allen Hilfsangeboten für Obdachlose geht es immer auch darum, sie von der Straße zu holen und ihnen die Rückkehr in ein normales Leben zu ermöglichen. "Wer will, kann innerhalb von 24 Stunden ein festes Dach über dem Kopf bekommen"; sagt Ortrud Wohlwend, Sprecherin der Berliner Stadtmission. "Doch viele haben im Laufe ihres Lebens so viele Enttäuschungen und Verletzungen erfahren, dass sie nicht in der Lage sind, Hilfe anzunehmen", sagt sie.

Bei den Angeboten der Kältehilfe suchten zunehmend Menschen mit psychischen Problemen Hilfe, meint Caritas-Direktorin Ulrike Kostka: "Wir beobachten, dass immer mehr Menschen nicht wissen, wie sie durchs System kommen. Die sind einfach überfordert im Umgang mit Behörden. Viele fühlen sich von der Gesellschaft ausgekotzt. Wie ein Nichts", Deshalb sei es so wichtig, Obdachlosen mit Freundlichkeit zu begegnen. Viele seien auf der Straße Gewalt und Aggression ausgesetzt. Für sie würden die Tages- und Nachtcafes zur Zufluchtsstätte, einem Ort, an dem sie nicht abgelehnt werden.

In diesen Einrichtungen und den Notunterkünften sind Sachspenden willkommen: Vor allem haltbare Lebensmittel wie Kaffee, H-Milch. Margarine und auch Süßigkeiten und Gebäck. Auch an Schlafsäcken ist immer Bedarf.

Mehr über die Kältehilfe unter: www.kaeltehilfe-berlin.de