Kritik

Asyl in Lichtenrade

Seniorenheim soll Flüchtlingsunterkunft werden

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat der Berliner Liegenschaftsfonds das Georg-Kriedte-Haus am Kirchhainer Damm 68 verkauft. Ein privater Investor, der bereits mehrere Wohn- und Flüchtlingsheime betreibt, hat das ehemalige Seniorenheim erworben. Er soll in dem Gebäude eine Dauerunterkunft für Asylbewerber mit 250 bis 300 Plätzen planen.

Bereits Kritik aus dem Bezirk

Franz Allert, Präsident des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) bestätigte, dass der Standort zu den Objekten gehöre, die derzeit für eine Dauerunterkunft geprüft würden. "Wir wären froh, eine dauerhafte Gemeinschaftsunterkunft zu bekommen. Denn Reinickendorf drängt darauf, dass die Grundschule am Erpelgrund als Notunterkunft für 110 Flüchtlinge geräumt werden soll", sagte Allert. Für die Asylbewerber sei eine dauerhafte Unterbringung wichtig, weil dort Kinder in der Umgebung eingeschult und längerfristig betreut werden könnten. Genau dies aber bezweifeln Tempelhof-Schöneberger Politiker. Im Bezirk regt sich bereits Widerstand gegen den Standort Lichtenrade. So sieht der Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak (CDU) seinen Wahlkreis schon jetzt überfordert. Mit derzeit 800 Plätzen für Flüchtlinge stelle der Bezirk nach Lichtenberg die meisten Plätze für Asylbewerber in Berlin. Luczak fordert deshalb, Flüchtlinge "ausgewogen auf alle Bezirke zu verteilen". In Lichtenrade gäbe es bereits eine Jugendarrestanstalt. Als reines Einfamilienhausgebiet sei der Ortsteil nicht geeignet, um eine weitere große Einrichtung mit 300 Menschen aufzunehmen. "Das Asylrecht ist ein wichtiges Thema, aber in der Bevölkerung muss dafür die Akzeptanz da sein", sagte der Bundespolitiker. Ähnlich äußerte sich Sibyll Klotz (Grüne), Sozialstadträtin in Tempelhof-Schöneberg. Solange Berlin nicht die notwendige Infrastruktur bereitstelle, könne der Bezirk keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, sagte Klotz. Die Landesregierung habe nicht die notwendige Vorsorge getroffen. "Der Senat muss endlich das seit einem Jahr angekündigte gesamtstädtische Konzept vorlegen", sagte sie.